BI „Widukindcampus“ verfolgt Pläne für neue Turnhalle und mahnt Eile an

mlzSchulcampus Vreden

Ende Mai 2019 hat ein Bürgerentscheid einen Ratsbeschluss zum Millionenprojekt Schulcampus gekippt. Nun liegen die Pläne für eine Zweifachturnhalle – erster Baustein der neuen Planung – aus.

Vreden

, 06.07.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Rat hat sich mehrheitlich für den Bau einer Turnhalle auf dem ehemaligen Abenteuerspielplatz ausgesprochen. Nun liegen die Pläne dazu öffentlich aus – wer möchte, kann Stellung nehmen. Das ist von den Anliegern zu erwarten. Was ist mit der Bürgerinitiative, die vor mehr als einem Jahr per Bürgerentscheid den Ratsbeschluss zum Schulcampus kippte?

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Ende Mai 2019 bekam die Bürgerinitiative die Mehrheit für ihre Vorschläge zur künftigen Gestaltung des Geländes rund um Sekundarschule und Georgianum. Unter anderem sollen die Schulstraße und das Widukindstadion erhalten bleiben – und keine große Mehrfachturnhalle gebaut werden. Ende Dezember fiel der Beschluss, als ersten Schritt hin zum Schulcampus eine Zweifachturnhalle zu bauen. Ein weiteres halbes Jahr später liegen die Pläne aus. Drei Monate später als geplant, wegen der Corona-Pandemie.

Votum der Bürger fiel gegen eine große Mehrfachturnhalle aus

Die BI hat sich – natürlich – schon mit den neuen Plänen beschäftigt. „Die Entscheidungen sind hier aus Sicht der BI gefallen und entsprechen dem Bürgervotum: keine große Mehrfachhalle zwischen den Schulen“, äußert sich Alexander Demes von der BI auf Nachfrage der Redaktion. Verwundert sei man gewesen, dass auf einmal neben dem Gymnasium kein Platz mehr für eine Turnhalle sein sollte und nun der Abenteuerspielplatz mit in die Planungen einbezogen worden sei. Das Platz-Argument hält die BI laut Alexander Demes für nicht nachvollziehbar.

Ein Bild aus dem Mai 2019: Alexander Demes (4. v. l.) überreichte den Aktenordner mit 3530 Unterschriften für das Bürgerbegehren zum Schulcampus-Ratsbeschluss an Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch (3. v. l.) im Beisein von (v. l.) Ansgar Hakvoort (Bürgergruppe), Bernd Kemper (Erster Beigeordneter Stadt Vreden), Dr. Werner Ihling und Josef Röring-Sonnenschein (beide Bürgergruppe).

Ein Bild aus dem Mai 2019: Alexander Demes (4. v. l.) überreichte den Aktenordner mit 3530 Unterschriften für das Bürgerbegehren zum Schulcampus-Ratsbeschluss an Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch (3. v. l.) im Beisein von (v. l.) Ansgar Hakvoort (Bürgergruppe), Bernd Kemper (Erster Beigeordneter Stadt Vreden), Dr. Werner Ihling und Josef Röring-Sonnenschein (beide Bürgergruppe). © Anne Winter-Weckenbrock (A)

Die neue Planung habe auch eine zeitliche Verzögerung mit sich gebracht. Das sieht die Bürgerinitiative kritisch und mahnt einen konkreten Arbeits- und Zeitplan an. Es solle darin deutlich werden, so Demes, „welche baulichen Maßnahmen in welchen Prioritäten und Schritten zur Realisierung kommen“. Dies mit Blick auf den Kommunalwahlkampf. Auch wenn die BI nicht davon ausgehe, dass die Kommunalpolitiker das Votum der Bürger aus dem Jahr 2019 ignorieren würden.

BI wünscht sich Transparenz der Parteien im Kommunalwahlkampf

Aber: „Sollten hier andere Intentionen vorliegen und damit spekuliert werden, dass die Bindung an einen Bürgerentscheid vom Gesetzgeber nur für zwei Jahre vorgesehen ist, ist hier Transparenz von Seiten der Parteien gegenüber dem Wähler zu wünschen“, wird Alexander Demes deutlich.

Für die Stadtverwaltung war die Versammlung mit den Anliegern des Turnhallen-Standorts Ende Juni ein erster wichtiger Schritt. Der Erste Beigeordnete Bernd Kemper gab im Gespräch mit der Redaktion die geäußerten Bedenken der Anlieger wieder: Wie viele Parkplätze werden entstehen und wo sind Beeinträchtigungen durch Licht und Lärm zu erwarten? „Die Anlieger sähen es lieber, wenn die Fläche frei bliebe“, fasste er zusammen.

Die vom Rat verabschiedete Variante sieht den Bau einer Zweifachhalle jenseits der Berkel im Vredener Schulzentrum vor. Dafür wird der Bau einer Brücke erforderlich.

Die vom Rat verabschiedete Variante sieht den Bau einer Zweifachhalle jenseits der Berkel im Vredener Schulzentrum vor. Dafür wird der Bau einer Brücke erforderlich. © Stadt Vreden

Die Bürgerinitiative sei nach Ablauf des Bürgerentscheids „kein offizieller Ansprechpartner mehr“. Dennoch rede die Verwaltung natürlich gerne mit den Aktiven und erläutere die Pläne, falls gewünscht, schob der Erste Beigeordnete hinterher.

Nun gelte es abzuwarten, wie das Bebauungsplanverfahren durchläuft. Wenn alles nach Plan und ohne eine Klage laufe, könne mit den Bauarbeiten möglicherweise 2021 begonnen werden. Weit über 20 Millionen Euro ist das Gesamtpaket Schulcampus und Widukindstadion schwer. „Auch wenn wir von einem Fünf-Jahres-Plan sprechen und bei einem Start 2021 von 2026 sprechen würden, wäre das eine gewagte Prognose“, will Bernd Kemper keine Aussage zu einer Zeitschiene treffen, an der die Verwaltung sich im Nachhinein messen lassen müsste.

Baumaßnahmen sind logisch aufeinander abgestimmt

Joachim Hartmann, zuständiger Fachbereichsleiter im Vredener Rathaus, machte im Gespräch mit der Redaktion noch einmal die Folge der geplanten Baumaßnahmen deutlich. Die Zweifachturnhalle, die in der Grünanlage (ehemals Abenteuerspielplatz an der Berkel) geplant ist, sei von der Logik her der erste Baustein zur Umsetzung der Pläne für den Schulcampus. Denn wenn als zweites Modul der Pläne eine der bestehenden Turnhallen abgerissen werde, müsse die neue für den Schulsport zur Verfügung stehen. Mit acht bis zwölf Monaten Bauzeit sei für eine Turnhalle schon zu rechnen, blickt Hartmann voraus.

Gestaltung des Außengeländes als letzte Maßnahme

Wenn die Zweifachhalle gebaut sei, werde der Bau der Dreifachhalle angegangen, die Walbert- und die Mädchenturnhalle könnten abgerissen werden. Zeitgleich sei der Bau der Mensa der Sekundarschule einschließlich des Technikbereichs möglich. Ganz am Ende stehe dann die Gestaltung des Außengeländes an.

„Mit den Anwohnern haben wir intensiv diskutiert, da gab es auch verschiedene Hinweise“, sagte auch Joachim Hartmann, zuständiger Fachbereichsleiter im Vredener Rathaus. Gleichwohl: Die Anwohner müssten, wenn sie ihre Anmerkungen gewürdigt wissen wollen, die öffentliche Beteiligung nutzen.

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Bis zum 27. Juli können Interessierte die Unterlagen zum Bebauungsplan im Technischen Rathaus, Butenwall 79/81, einsehen. Dies ist jedoch wegen Corona nur mit Terminabsprache unter Tel. (02564) 303236 oder 303238 beziehungsweise per E-Mail an dirk.hetrodt@vreden.de oder diana.niestegge@vreden.de möglich. Maximal zwei Personen dürfen zeitgleich kommen. Stellungnahmen zu den Vorentwürfen können unter den angegebenen Kontaktdaten auch abgeben werden.

Ergänzend können die Unterlagen während der Auslegungsfrist auf der Internetseite der Stadt Vreden eingesehen werden (www.vreden.de).

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