Brandsachverständige fanden Kerzenreste und Bombenattrappen

Brandstifter vor Gericht

Die Brände der Gaststätten Denno und Sahlmer in Ellewick sind dem 32-jährigen Bernd S. vermutlich nicht nachzuweisen. Der Vorsitzende Richter am Landgericht in Münster empfahl der Staatsanwältin am Ende des dritten Prozesstages gegen die möglichen Serien-Brandstifter gestern, über die Einstellung dieser Verfahren nachzudenken.

VREDEN

, 04.04.2016, 11:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gaststättenbrände in Ellewick, der Brand einer Gärtnerei in Ottenstein und ein PKW-Brand in einer Garage in Lünten hatte ein Brandsachverständiger untersucht und berichtete über die Ergebnisse seiner Untersuchungen. Dabei gab es immer wieder Parallelen. Die Brände in den Gaststätten und in der Gärtnerei entstanden im jeweiligen Thekenbereich, wobei in beiden Gaststätten Kerzen gefunden wurden, „die da nicht hingehörten“. „Alles was brennen konnte, war verbrannt“, sagte der Gutachter und machte deutlich, dass im Fall der Gaststätte Denno auch eine technische Ursache denkbar sei.

Das Feuer habe alle Sicherungskästen etc. zerstört, die ihm die Möglichkeit gegeben hätten, diese Ursache auszuschließen. Brandbeschleuniger seien ebenfalls nicht festgestellt worden. In der Brandnacht (15.9.2015) wurde in der als Genossenschaft betriebenen Gaststätte offenbar nichts gestohlen, berichtete die als Zeugin geladene Betriebsleiterin der Gaststätte.

Alkohol und Geld verschwand

Aber: Etwa zwei Wochen vorher waren diverse Flaschen Alkohol weggekommen. Außerdem verschwanden eine Kasse mit 300 Euro Teilnehmerbeiträgen für eine Brauereibesichtigung und die Kasse eines Kegelklubs mit etwa 1000 Euro Inhalt. Das war Grund dafür, dass die Gaststätte eine Videoüberwachung erhalten hatte. Eine fehlende Steckdose war der Grund dafür, dass die Anlage nicht am Abend vor dem Großbrand in Betrieb ging.

Wie die Betriebsleiterin berichtete, seien an diesem Abend auch verschiedene Innentüren verschlossen worden. Ähnlich hatte sich der Angeklagte bei der Polizeivernehmung eingelassen. Bei seinem Einbruch sei eine Innentür verschlossen gewesen, hatte er angegeben. Das war vorher bei Denno nie der Fall.

Richter hat Zweifel

Trotzdem: Am Ende zweifelte der Vorsitzende Richter bei der vorgestellten Beweislage daran, dem Angeklagten die Brandstiftung zweifelsfrei beweisen zu können. Gleiches hatte der Richter am zweiten Verhandlungstag auch für den Fall der abgebrannten Gaststätte Sahlmer gesagt. Für die hat der Gutachter klare Beweise auf eine Brandstiftung gefunden. Ob vorsätzlich oder fahrlässig sei Sache der polizeilichen Ermittlungen, ergänzte der Gutachter.

Der berichtete auch, dass es eine Woche vor dem Brand bereits einen Einbruch bei Sahlmer gab. Der Wirt hatte zwar neue Schlösser eingebaut, jedoch war in der Brandnacht wohl eine Tür unverschlossen, so die Aussage des Gutachters.

Kerze gefunden

„Nur noch ein paar Minuten“ hätte es gedauert, bis das Feuer durch die Holzbalkendecke auf die Wohnung des Wirtes im Obergeschoss der Gaststätte übergegriffen hätte. „Das war sicher eine kritische Situation“, meint der Gutachter und wies darauf hin, dass der Wirt im Obergeschoss geschlafen hatte. Durch den Rauch des Brandes war er aber wach geworden.

Im Thekenbereich fand der Gutachter Rückstände einer Kerze. „Da wurden wir aufmerksam, schon wieder eine Kerze“, so der Gutachter. Eine Musikanlage aus dem Regal und einen Sicherungsschrank ließ er ausbauen und in seinem Labor untersuchen. Danach konnte ein technischer Defekt für das Feuer ausgeschlossen werden. „Es war eindeutige Brandstiftung“, ergänzte der Gutachter.

Bombenattrappe

Der 32-jährige Bernd S. will sich am Freitag möglicherweise zu dem Brand in der Garage eines Doppelhauses in Lünten äußern. Das erklärte der Verteidiger des Mannes am Ende des gestrigen Verhandlungstages. Zuvor hatte das Gericht ein Gutachten des Landeskriminalamtes verlesen. Das hatte DNA-Material in einer am Brandort gefundenen Socke eindeutig dem Angeklagten zugeordnet.

Davor schilderten die Hauseigentümerin und ein Mieter, wie sie den Morgen des Garagenbrandes erlebt hatten: Der Mieter, der über der Garage wohnte, hatte ein Fenster auf Kipp geöffnet und der Rauch zog in sein Schlafzimmer. In der Garage brannte das Auto der 75-jährigen Hausbesitzerin. Interessant: Unter dem Auto fand der Gutachter Kerzenwachs. „Das ist bei einem PKW-Brand ungewöhnlich“, sagte der Gutachter.

Socke mit DNA

Noch mehr fand er im Auto. Vor dem Beifahrersitz stand an Benzinkanister, der eigentlich neben einem Rasenmäher in der Garage gestanden hatte. Im Auto war eine Plastiktüte mit verschiedenen Gegenständen. Eben die DNA-Socke, aber auch Kerzen, eine Unterhose und Spraydosen – vier davon präpariert. Der Gutachter bezeichnete sie als Bombenattrappen. Zwei waren „vollgestopft mit Zündhölzern“.

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