Weil drei CDU-Mitglieder nicht mitziehen, könnte in Vreden bald ein neues Café entstehen

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An der Gutenbergstraße soll ein neues Café entstehen. Doch die CDU hat andere Pläne für das Grundstück. Mit ihrer Idee kam sie trotzdem nicht durch, obwohl sie die Mehrheit gehabt hätte.

Vreden

, 13.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nur weil sich drei ihrer Mitglieder unerwartet enthalten haben, hat die CDU im Bauausschuss eine Abstimmung verloren. Die Christdemokraten wollten nicht, dass sich an der Gutenbergstraße ein Café ansiedelt.

Aber noch einmal von Anfang an: Alfred Kemper, Betreiber der gleichnamigen Autowerkstatt an der Gutenbergstraße, möchte seine alte Fahrzeughalle abreißen und dort ein neues Gebäude für eine Bäckerei- und Caféfiliale der Firma Ebbing bauen. Mit deren Geschäftsführerin Claudia Ebbing stellte er die Pläne im Bauausschuss vor.

Café mit 250 Quadratmetern und 100 Sitzplätzen

Demnach wollen sie dort eine Filiale mit rund 250 Quadratmetern Fläche und 100 Sitzplätzen bauen. Die alte Filiale an der Danziger Straße möchte die Bäckerei aufgeben. „Nur Brot zu verkaufen, reicht heutzutage nicht mehr. Wir wollen gastronomischer werden und in Zukunft auch verschiedene Frühstücksangebote machen“, erklärte Claudia Ebbing.

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Für Alfred Kemper würde sich damit ein großes Problem lösen: Die Fahrzeughalle braucht er nicht mehr, seit er sich vor einigen Jahren vom Autohandel verabschiedet hat. „Die steht im Moment mehr oder weniger ungenutzt herum“, erklärte er. Durch den Neubau und dann die langfristige Vermietung könne er die wirtschaftliche Zukunft seines Unternehmens sichern.

Citymanagerin hätte Café lieber in der Innenstadt

Dirk Hetrodt von der Vredener Verwaltung ergänzte: Auch wenn die Citymanagerin solche Konzepte lieber in der Innenstadt sähe, sei es aus Kundensicht sicherlich eine tolle Sache. Um die Planungen zu ermöglichen, müsste aber das Verbot für Einzelhandel an der Stelle aufgehoben werden. Am einfachsten wäre das mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan möglich.

Heinrich Wildenhues (CDU) hörte sich die Planungen ruhig an, ließ dann aber die Bombe platzen: „Wir können da kein Café zulassen“, sagte er. Damit wäre das Gewerbegebiet an der Stelle auf 30 oder 40 Jahre behindert. Auch wenn seine Fraktion die Absage nicht gerne erteile, führe kein Weg daran vorbei. Vreden leide unter den knappen Flächen in den Gewerbegebieten. Gleichzeitig gebe es Erweiterungswünsche anderer Unternehmen. Und schließlich sei da ja auch noch die große Entfernung zum Zentrum. „Es wäre besser, Sie würden sich für die Pläne ein Grundstück näher an der Innenstadt suchen“, sagte er.

Umzug hat keinen Effekt auf die Innenstadt

Gerd Welper (Grüne) empfand den Umzug der Bäckereifiliale von der Danziger Straße an die Gutenbergstraße für die Innenstadt als neutral. Einzig die Zielgruppe für ein Café im Gewerbegebiet interessierte ihn. „Ein zeitgemäßes Konzept für Vreden, das es so ja auch schon in den Nachbarstädten gibt“, befand auch Reinhard Laurich (SPD). Er sehe keinen Grund, diesen Schritt nicht zu machen.

Ebenso stellte sich Hendrik Mulder (FDP) hinter die Planungen. „Wir können den Standpunkt der Verwaltung nachvollziehen“, sagte er. Ein 200 Quadratmeter großes Grundstück könne wohl kaum das Gewerbe von Vreden gefährden. Vielmehr wolle ein Vredener Unternehmer seine Firma stützen.

Elmar Kampshoff: „CDU macht einen kapitalen Fehler“

Schärfer schoss Elmar Kampshoff (UWG): „Die CDU macht hier einen kapitalen Fehler und erklärt den mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten.“ Trotz der geplanten Aktivierung in der Innenstadt dürfe ja nicht alles außerhalb der Innenstadt verboten werden. Die Planung sei eine gute Idee, ihre Ablehnung schlicht nicht nachvollziehbar.

Gespräche aus dem Hinterzimmer?

Heinrich Wildenhues versuchte es mit einer neuen Erklärung: Die CDU wolle die Planung ja gar nicht verhindern, aber die umliegenden Firmen (Kempers Grundstück ist rundum von der Firma Saueressig umschlossen, Anm. d. Redaktion) hätten langfristig Erweiterungsbedarf und würden Teile des Grundstücks sofort kaufen.

„Da haben Sie offenbar andere Informationen als ich“, entgegnete Alfred Kemper. Er habe sich natürlich auch mit den Nachbarn beschäftigt und denen das Grundstück angeboten. „Der Konzern hat kein Interesse an der Fläche“, sagte er.

Da hielt wiederum Heinrich Wildenhues seine Informationen dagegen. Demnach sei der Geschäftsführer aus der Nachbarschaft bereit, die Fläche zu kaufen.

Elmar Kampshoff platzte da der Kragen. „Das ist doch alles wieder die übliche Hinterzimmerpolitik“, wetterte er. Und weiter an die CDU gewandt: „Sie müssen verstehen, dass Politik so nicht länger in dieser Stadt funktioniert.“ Von Versprechungen aus der hohlen Hand könne sich jetzt und hier niemand etwas kaufen.

Drei Mitglieder der CDU enthalten sich und kippen so die Abstimmung

Die Abstimmung brachte dann aber die eigentliche Überraschung: Bei 18 anwesenden Politikern hätte die CDU eigentlich mit ihrer Fraktion die Mehrheit gehabt. Doch drei CDU-Politiker enthielten sich ihrer Stimme. Das Ergebnis: acht Stimmen für das Café, sieben dagegen, drei Enthaltungen.

Entsetzte Gesichter in den Reihen der CDU. „Das könnt ihr doch nicht machen“, zischte Brigitte Niehuis ihren Sitznachbarn zu. Doch, sie konnten. Abstimmung gelaufen. Letztlich muss nun aber noch der Rat für die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans stimmen.

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