Chefsessel einfach getauscht

Bürgermeister starten Experiment

30 Minuten Autofahrt können manchmal eine Reise in eine andere Welt darstellen. Joost van Oostrum und Dr. Christoph Holtwisch haben diese Erfahrung jetzt gemacht: Die beiden Bürgermeister haben für zwei Tage ihre Sessel getauscht.

VREDEN

, 14.07.2017, 17:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Joost van Oostrum (l.), Bürgermeister von Berkelland, und der Vredener Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch.Stadt Vreden

Joost van Oostrum (l.), Bürgermeister von Berkelland, und der Vredener Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch.Stadt Vreden

Wie funktioniert eine Gemeindeverwaltung in den Niederlanden? Was unterscheidet die Arbeit in einem deutschen Rathaus von der im Nachbarland? Die Ersten Bürger von Berkelland und Vreden zogen jetzt in einem Pressegespräch eine positive Bilanz ihres ungewöhnlichen Experiments.

Amtshilfe im Bürgerbüro

So schlüpfte Joost van Oostrum in die Rolle seines deutschen Amtskollegen. Er nahm an der Sitzung des Verwaltungsvorstands teil - "das sollten wir bei uns auch ausprobieren" -, besuchte Termine wie den Schülerprotest in der Bücherei, verfolgte die Debatte im Bauausschuss - "hier kommen die Dinge viel schneller auf die Tagesordnung" - und ließ sich von den Mitarbeitern des Bürgerbüros gerne um Amtshilfe bitten: Eine Irakerin, die in Rotterdam gelebt hatte, war als Asylsuchende gerade nach Vreden gekommen und froh darüber, mit dem Bürgermeister auf Niederländisch sprechen zu können.

Der kann aber auch gar nicht schlecht Deutsch. Was er gelernt hat, vertieft er gerne mit Hören deutscher Radiosender, bekannte der 47-Jährige. Ein Unterschied, der ihm in den Rollen der Amtsträger auffiel: Der deutsche Bürgermeister sei viel politischer aufgestellt. Kein Wunder: Er stellt sich auch alle fünf Jahre dem Votum der Wähler. Das sieht in den den Niederlanden ganz anders aus: Der Staat beruft dort einen Bürgermeister.

Klimaschutz beispielhaft

Joost van Oostrum hat aber auch gemeinsame Anliegen ausgemacht: den Kampf gegen Ladenleerstände. Richtig findet er, wie sich Vreden in Sachen Klimaschutz bewegt: "Das ist ein guter Weg."

Manches entdecktZwei Tage "burgemeester van Berkelland" sein, das hat Christoph Holtwisch viel Spaß gemacht. Er hat manches entdeckt, was er sich im eigenen Land gut vorstellen könnte: "Die Steuerungsmöglichkeiten bei Euch sind viel stärker", sagte er augenzwinkernd in Richtung seines Amtskollegen. Er habe in Berkelland einen tollen Empfang erlebt. Am Ende des zweiten Tages mochte er die Rollen wieder tauschen: "Die Kult-Eröffnung möchte ich mir lieber nicht entgehen lassen…"

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