Chemie für 1,5 Tonnen Drogen in Vredener Container

mlzDrogenlabore im Grenzgebiet

Die Polizei sieht Hinweise bestätigt, dass es im Grenzgebiet größere Drogenlabore gibt. Darauf deutet auch ein in Vreden abgestellter Container mit Rückständen aus der Drogenproduktion hin.

von Hans Georg Knapp

10.03.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei den Chemikalien, die am 22. November in einem offenen Container in Vreden entdeckt worden sind, handelt es sich wie vermutet um Rückstände von Amphetamin. Dies habe der Laborbefund ergeben, bestätigte Carsten Berg, Leiter der Direktion Kriminalität bei der Kreispolizei Borken, im Rahmen der Pressekonferenz zur Kriminalitätsentwicklung 2019.

Wie berichtet, hatte es Ende des vergangenen Jahres auch in Südlohn einen Fall von „Dumping“ gegeben. Dies sei „die Entsorgung von Abfällen aus der Produktion chemischer Drogen, also Amphetamin“, definierte Carsten Berg. In Oeding seien solche Abfälle ins Erdreich eingedrungen, rief der Kriminaldirektor ins Gedächtnis. „Man musste das alles abtragen.“

Container-Fund in Vreden

„Im gleichen zeitlichen Zusammenhang“ sei in Vreden ein Container aufgefunden worden – „mit den ganzen Abfällen, die da drin waren“. Ein Spezialist des Landeskriminalamts habe den Verdacht geäußert, dass dies mit der Herstellung von Amphetaminen zusammenhängen könne.

Jetzt sei das Untersuchungsergebnis gekommen: Enthalten seien zweifelsfrei Amphetaminrückstände aus der Drogenproduktion. Die vorgefundene Menge habe ausgereicht, um bis zu 1,5 Tonnen Amphetamin zu produzieren – je nach Ausprägung und Wirkstoffgehalt.

Dabei müsse man bedenken, dass etwa Ecstasy als circa 0,5-Gramm-Tabletten verkauft würde, sagte Bernd Schünke als Leiter der Kreispolizei. Da könne man ausrechnen, wie viele Tabletten sich aus 1,5 Tonnen Amphetamin machen ließen.

Berg resümierte: „Drogenlabore haben wir hier irgendwo. Auf niederländischer Seite, in Niedersachsen, im Kreis Kleve, im weiteren Kreis Borken...“ Erst Anfang März hatte die Polizei in Winterswijk ein größeres Drogenlabor in der Lagerhalle einer ehemaligen Spedition ausgehoben.

Rauschgiftkriminalität abgenommen

Laut Jahresstatistik 2019 hat die Rauschgiftkriminalität im Kreis Borken dennoch abgenommen: Sie listet einen Rückgang um 701 auf 2047 registrierte Straftaten auf (minus 25,5 Prozent). Die Aufklärungsquote in diesem Bereich lag nach Angaben der Kreispolizei bei 90,8 Prozent.

Die Häufigkeit der Rauschgiftdelikte bleibe über die Jahre „mehr oder weniger gleich“, sagte Carsten Berg. Ausgenommen sei davon das Jahr 2018, in dem das Phänomen des Drogen-Post-Versandes stark zugenommen habe. Erwähnenswert sei auch, dass es im vergangenen Jahr kreisweit keinen Rauschgift-Toten gegeben habe.

Kokain in Banankisten

Bei der jüngsten Pressekonferenz im Kreispolizeigebäude erläuterte Carsten Berg auch den Hintergrund eines spektakulären Drogenfundes: In Bananenkisten aus Kolumbien waren am 27. November 2019 bei der Supermarktkette „K+K“ rund 125 Kilo Kokain entdeckt worden – 24,2 Kilo davon in Gronau.

Der Kriminaldirektor blickte zurück: „Ich musste lernen, dass es Reifungshallen für Bananen in Deutschland gibt.“ Dort würden die Früchte in grünem Zustand deponiert, und „dann lagern die da eine gewisse Zeit“. In dieser Phase griffen Drogenhändler (als Einbrecher) auf das Kokain zu, das sich gegebenenfalls in den Kisten befinde, erklärte Berg. Sie wüssten genau, „welche Kisten das sind“; dahinter stehe eine entsprechende Logistik.

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„Manchmal geht das schief“, erläuterte der Direktionsleiter. „Dann gehen die Kisten vor Zugriff raus.“ Und dann landeten sie etwa bei K+K, bei Edeka ... Wie es zu dieser „Panne“ kommen konnte, ist unklar.

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