Sonja van Ham wird das Chippy’s im März 2020 schließen. Eigentümer Heinz-Gerd Wenning plant Mietwohnungen über der Kneipe und wünscht sich mehr Ruhe.

Vreden

, 16.10.2018, 15:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Ende meiner Chippy’s-Zeit“ – so ist ein Brief überschrieben, mit dem sich Sonja van Ham jetzt an die Öffentlichkeit wendet. Darin verkündet sie, dass sie die Kneipe am Domhof spätestens am 27. März 2020 schließen wird. Leicht sei ihr diese Entscheidung nicht gefallen, sagt sie am Dienstag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Doch sie sehe keine andere Möglichkeit.

Der Eigentümer des Gebäudes möchte ihren Angaben zufolge das Haus umbauen und im Obergeschoss Mietwohnungen schaffen. „Und für diese Wohnungen soll Ruhe erzwungen werden“, schreibt die 42-jährige Gastronomin in dem Brief.

Chippy’s Wirtin hat gekündigt

Sonja van Ham wird das Chippys am Vredener Domhof im März 2020 schließen. © Victoria Thünte

Die Terrasse solle ab 24 Uhr geschlossen sein, auch im Sommer. Quatschende, rauchende, lachende Gäste müssen draußen in Zukunft leiser sein und auch im Inneren soll die Lautstärke reduziert werden. „Was soll ich denn machen, wenn draußen die Raucher quatschen? Drinnen dürfen sie ja auch nicht mehr rauchen. Und ich werde sicher keine Platzverweise erteilen. Damit würde ich mir doch alles kaputtmachen, was ich mir aufgebaut habe“, meint Sonja van Ham.

Chippy bezieht Stellung

Chippy ist der Spitzname von Heinz-Gerd Wenning. Der 61-Jährige ist Eigentümer des Gebäudes und hat das Lokal „Chippy‘s“ 1985 am Domhof eröffnet und dann 19 Jahre selber betrieben. Wenning bedauert die Kündigung seines Mieters. Bei den jetzigen Verhandlungen zur Verlängerung des Mietvertrages sei „die Lärmbewältigung ein großes Thema“ gewesen, erklärt Wenning. Und: „Die Lärmbelastung auf dem Domhof ist extrem.“

Laden wird weiter laufen

Für Wenning waren es Kleinigkeiten, die von den Mietern umgesetzt werden sollten, um den Lärm im Gebäude und nach außen zu verringern. „Das hätte man irgendwie hinbekommen können“, meint Heinz-Gerd Wenning.

Schon in seiner Zeit als Wirt am Domhof habe er seine Gäste nach der Sperrstunde aufgefordert, leiser zu ein. Das habe auch funktioniert.

Wenn die Pächter 2020 gehen, ist das für Wenning aber nicht das Ende vom Chippy‘s: „Der Laden wird weiter laufen, nur in anderer Form“. Wenning kann sich dabei auch vorstellen, wieder selber hinter dem Tresen zu stehen. Allerdings nur als zweite Option. Zunächst will er einen neuen Pächter suchen.

Seit fast zehn Jahren im Chippy‘s

Seit fast zehn Jahren arbeitet sie im Chippy’s, seit dreieinhalb Jahren betreibt sie die Kneipe gemeinsam mit ihrem Mann Michel. Sie liebt ihren Job als Gastronomin. „Ich möchte auch weiter hinter der Theke stehen und nicht als Kettenhund an der Tür darauf achten, dass alle leise sind“, sagt sie.

Auf der einen Seite kann sie den Vermieter durchaus verstehen: „Ich habe Verständnis dafür, dass er aus dem Haus etwas machen will.“ Aber: „Ich kann nicht zugucken, wie die Kneipe kaputt geht.“

Viele Tränen sind geflossen

Als der Vermieter in einem Gespräch am Sonntag die Bedingungen einer Vertragsverlängerung nannte, habe sie sich deswegen dazu entschieden, aufzuhören. Nach diesem Treffen ist sie zurück in die Kneipe gegangen und hat einem wildfremden Kunden unter Tränen davon erzählt. „Ich wollte von Anfang an offen damit umgehen“, sagt die 42-Jährige. Auch die zehn Mitarbeiter, die auf 450-Euro-Basis in der Kneipe arbeiten, seien inzwischen informiert worden.

Chippy’s Wirtin hat gekündigt

Wirtin Sonja van Ham wird das Chippys am Vredener Domhof im März 2020 schließen.

„Alle sind sehr traurig und sehr geschockt. Es sind viele Tränen geflossen. Damit hat ja keiner gerechnet, auch wir nicht.“ Sie hofft, dass die Stammtische und auch das Personal eine andere Kneipe beziehungsweise Arbeitsstelle finden.

Der Brief machte am Montagabend in den sozialen Netzwerken die Runde. Schnell wurde Kritik laut, sowohl am Eigentümer als auch an der Stadt Vreden. Sonja van Ham stellt jedoch klar: „Die Stadt hat damit nichts zu tun. Es ist eine Entscheidung des Vermieters, der sein eigenes Haus umbaut, mit der ich nicht einverstanden bin.“

Neuanfang ist möglich

Die Gastronomin kann sich gut vorstellen, an einer anderen Stelle noch einmal eine Kneipe zu eröffnen. „Aber an dieser Stelle und unter dem Namen Chippy’s geht es für uns definitiv nicht weiter. Dafür bin ich menschlich zu enttäuscht.“ Sonja und Michel van Hams Pachtvertrag läuft am 27. März 2020 aus.

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