Weltrekord in Vreden: Bernd Sikora besitzt tausende Chipstüten

mlzChipstüten-Sammlung

Der Vredener Bernd Sikora liebt Chips, vor allem wegen der Verpackung. Er sammelt die Tüten - und hält damit einen Weltrekord. Sogar die Filmbranche kam schon auf den Vredener zu.

von Christin Lesker

Vreden

, 28.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie es sich gehört, wenn man bei einem Chipstütensammler eingeladen ist, bringen wir zwei frisch geleerte Tüten aus London zu unserem Gespräch mit Bernd Sikora mit. Mit strahlenden Augen nimmt er die Tüten entgegen, als er uns die Tür öffnet, denn die hat er beide noch nicht.

In seinem Haus sind die Wandregale gefüllt mit Tausenden von Büchern und CDs. Auf einem alten Cembalo im Wohnzimmer reihen sich Ordner voller Chipstüten. Jede einzelne Tüte hat er gesäubert, in eine Klarsichthülle gesteckt, mit Datum und Herkunftsort versehen und nach Firma und Geschmack sortiert.

Ästhetik und Design

„Dies ist die größte Chipstüten-Sammlung der Welt, keine einfache Ansammlung“, erklärt Sikora. Beim Ansammeln gehe es um Masse ohne System. Ein Sammler hingegen beschäftige sich intensiv mit dem Gesammelten, so der Experte. Mit seiner Sammlung steht er sogar im Guinness-Buch der Rekorde.

Diese Passion, etwas zu sammeln, das bei den meisten Menschen im Müll landet, mag nicht jeder verstehen, aber wenn Bernd Sikora begeistert beginnt, von den Unterschieden der Tüten, der Ästhetik des Designs und den verschiedenen Geschmackssorten zu erzählen, dann kommt einem das Sammeln von Chipstüten fast vor wie das Naheliegendste der Welt.

Netzwerk in der ganzen Welt

In den 1990er-Jahren fing der Vredener an zu sammeln. Damals hatte eine Bekannte als Gag kleine Chipstüten von Partys mitgenommen und ihn damit inspiriert. Dinge zu sammeln, die wertlos scheinen, hat ihn damals fasziniert. „Wenn ich sammle, dann richtig!“, dachte sich der Vredener.

„Wenn er einmal mit etwas anfängt, gibts kein Halten mehr“, wirft seine Ehefrau Dagmar lachend ein. Da scheint sie Recht zu haben, denn in den vergangenen Jahrzehnten hat ihr Mann etwa 3500 bis 4000 Tüten gesammelt. Wie viele es wirklich sind, weiß er selber gar nicht ganz genau.

Weltrekord in Vreden: Bernd Sikora besitzt tausende Chipstüten

Die anfangs noch ungeordneten Objekte seiner Sammelleidenschaft landen nach ihrer sorgfältigen Katalogisierung in Aktenmappen, die nach Ländern geordnet sind. © Anna-Lena Haget

Da stellt sich die Frage, wo bekommt der Mann so viele verschiedene Chipstüten her? Wenn Sikora im Urlaub ist, hält er stets Ausschau nach neuen Fundstücken und es hat sich mittlerweile eine „Soziale Plastik“, wie er es nennt, gebildet.

Freunde und Bekannte wissen von seiner Leidenschaft und so erreichen ihn Briefumschläge mit Chipstüten aus der ganzen Welt. „Von Ägypten bis Zypern ist alles dabei. Man kann manchmal das Herkunftsland an der Geschmacksrichtung erkennen“, erklärt der Sammler.

Geschmäcker sind verschieden

„Schweden essen gerne Chips mit Kräutern oder Pfeffer, in Osteuropa hingegen gibt es oft Schinken- und Speckgeschmack“. Das Netzwerk, das sich Bernd Sikora aufgebaut hat und die Begegnungen, die dadurch entstanden sind, findet der Sammler noch viel schöner als die Tüten selbst.

Wegen all der Helfer muss der 65-Jährige auch nicht alle Chips selber essen. Glück gehabt, denn: „Ich bin nicht der größte Chipsesser. Ich bin der größte Chipstütensammler“, macht er klar. Und wenn er doch mal zu viele Chips daheim hat, dann kommen Kinder aus der Nachbarschaft mit Tupperdosen vorbei und holen sich eine Portion ab.

Aus Müll wird kulturhistorisches Gut

Dass Chipstüten keinen hohen, materiellen Wert haben, liegt auf der Hand. Aber um die kulturelle Alltagsgeschichte zu verstehen, sind sie sehr interessant, findet Sikora.

So wurde er einmal zu Rate gezogen, als es um die Auswahl historisch korrekter Chipstüten als Requisite für einen Film ging, der in den 70er-Jahren spielte. „Seitdem träume ich von einem Tatort mit Mord vor dem Chipsregal“, witzelt er, „Da könnte ich richtig was erzählen“.

Weltrekord in Vreden: Bernd Sikora besitzt tausende Chipstüten

Das zurzeit älteste Modell in Bernd Sikoras Sammlung stammt aus den 70er-Jahren. © Anna-Lena Haget

Auch der Chipshersteller „funny frisch“ wurde auf den Vredener aufmerksam und lud ihn in das Unternehmen ein. „Die hatten im Archiv jede Rechnung und jeden Brief verwahrt, aber keine einzige Chipstüte. Da konnte ich natürlich aushelfen“, berichtet er mit einem breiten Grinsen.

Zum Abschied gibt uns Bernd Sikora noch eines mit: „Alles ist mehr als es ist, man muss nur den Wert darin erkennen“.

Ausstellung in Weseke

Ein großer Teil seiner Sammlung ist aktuell in einem Gemeinschaftsprojekt der lokalen Künstler Stefan Demming und Michael Rieken in der Kunsthalle Weseke, Hauptstraße 20, ausgestellt.

Dort kann jeder, der sich ein Bild von Sikoras Leidenschaft machen will, vorbei schauen und die Ausstellung „Gesammeltes 3: Chipstüten“ live erleben. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 1. Dezember, jeweils freitags und samstags von 18 bis 21 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Lesen Sie jetzt