Der kleine Sensor misst die ganze Zeit die CO2-Konzentration im Klassenraum. © Simon Kemper
Corona-Pandemie

CO2-Sensoren an der Marienschule: Lüften hilft, aber es wird sehr kalt

Simon Kemper hat der Marienschule in Vreden drei CO2-Messgeräte gespendet. Die Ergebnisse zeigen, dass das Lüften sinnvoll ist, doch manchmal ist es dadurch kälter als 10 Grad in der Klasse.

Ein kleiner schwarzer Kasten hängt an einer Wand im Klassenzimmer der 3c an der St.-Marienschule, direkt neben den bunten Zeichnungen der Grundschüler. Unscheinbar sieht es aus, doch das Gerät leistet einen großen Beitrag im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Es handelt sich um einen CO2-Sensor, den Simon Kemper der Schule gespendet hat. Der Vredener hat 2015 das Unternehmen Datacake gegründet. Gemeinsam mit seinem Partner programmiert er digitale Übersichtsseiten, auf denen zum Beispiel Messergebnisse zusammengefasst und grafisch dargestellt werden – unter anderem eben auch die Daten von CO2-Sensoren.

„Ich hatte noch einige Test-Sensoren da und dachte, dass die Schule sie in diesen Zeiten sicher besser gebrauchen kann als ich“, sagt Simon Kemper. Drei verschiedene Messgeräte hat er deswegen kostenlos in den Klassenräumen installiert.

Über farbiges Licht gibt das Messgerät direkt Bescheid, wenn eine kritische CO2-Konzentration erreicht ist.
Über farbiges Licht gibt das Messgerät direkt Bescheid, wenn eine kritische CO2-Konzentration erreicht ist. © Simon Kemper © Simon Kemper

Eines davon hat eine Ampel verbaut. „Sie zeigt mit farbigem Licht direkt an, wenn ein kritischer Wert erreicht wird“, sagt Simon Kemper. Zusätzlich bekommen Lehrer und Schulleitung in diesem Fall Warnnachrichten direkt aufs Handy. Doch das ist in den zwei Wochen seit der Installation noch nicht vorgekommen.

CO2 gibt Aufschluss über Aerosole in der Luft

Aber was hat die CO2-Konzentration eigentlich mit dem Coronavirus zu tun? „Der Sensor misst keine Viren, die sich vielleicht in der Luft befinden“, stellt Simon Kemper klar. „Aber der CO2-Gehalt in der Luft ist ganz klar ein Indiz dafür, wie viel Luft ausgeatmet wurde, und genau über diese Aerosole verteilt sich das Virus.“ Das Ganze ist also quasi ein Hilfsmittel. Je geringer die CO2-Konzentration, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sich Viren in der Luft verteilen.

Die Lehrer der Marienschule zumindest freuen sich über die kleinen Helfer an der Wand. Die Schüler finden sie ebenfalls spannend und experimentieren damit. „Sie pusten zum Beispiel direkt auf den Sensor und wollen dann sehen, was mit den Daten passiert. Da gibt es einen kurzen heftigen Ausschlag bei den CO2-Werten“, erzählt Simon Kemper.

Grenzwert wird an der Marienschule nicht überschritten

Der Grenzwert wurde aber dennoch noch nie überschritten. Diesen hat das Umweltbundesamt schon lange vor der Corona-Pandemie festgelegt. Denn bei zu viel CO2 in der Luft sinkt die Konzentration, im Extremfall sind Übelkeit und Atemnot die Folge. Deswegen sollte die CO2-Konzentration in Klassenräumen nicht über 1000 ppm liegen. ppm ist die Abkürzung für die Maßeinheit „parts per million“, auf deutsch also Teile pro eine Million Teile. Zum Vergleich: In der frischen Luft draußen liegt die CO2-Konzentration bei 400 ppm.

Die Daten der vergangenen zwei Wochen zeigen, dass der Messwert während des Unterrichts an der Marienschule in der Regel zwischen 550 und 700 ppm liegt. Das regelmäßige Lüften alle 20 Minuten zeigt also Wirkung. Simon Kemper geht davon aus, dass im normalen Schulalltag vor der Pandemie die Grenzwerte an allen Schulen regelmäßig überschritten werden.

Er nennt ein Beispiel dafür, wie schnell sich CO2 in einem Raum sammelt: Sein Geschäftspartner saß alleine in seinem Büro zu Hause und hat ein 20-minütiges Telefongespräch geführt. Danach warnte ihn der Sensor vor einer zu hohen CO2-Konzentration. „Lüften ist also auch im Einzelbüro im Homeoffice immer nötig“, sagt Simon Kemper. Für die Schulen gilt wiederum: Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden und je mehr von ihnen sprechen, desto höher ist die CO2-Konzentration und desto öfter muss gelüftet werden.

Raumtemperatur sinkt teilweise unter 10 Grad

Die Messgeräte an der Marienschule sammeln noch weitere Daten. Sie messen zum Beispiel die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur. „Manchmal ist es wirklich rattig kalt in den Klassenräumen“, sagt Simon Kemper, dem die Schüler durchaus leid tun. In den Grafiken ist deutlich zu sehen, wie die Raumtemperatur bei jedem Lüften um mehrere Grad sinkt. Wärmer als 16 Grad wird es äußerst selten in den Klassenräumen.

An einem Morgen wurde offenbar längere Zeit gelüftet, weil der Klassenraum nicht genutzt wurde. Für die CO2-Konzentration war das sehr förderlich, doch die Raumtemperatur sank dadurch auf 8 Grad.

Simon Kemper hat die CO2-Messgeräte an der Marienschule installiert.
Simon Kemper hat die CO2-Messgeräte an der Marienschule installiert. © Datacake © Datacake

Für Simon Kemper muss deswegen ein Mittelweg her. „Anhand der Daten könnte man nun ausprobieren, wie oft und lange gelüftet werden muss, damit der CO2-Wert im Rahmen bleibt, ohne dass es zu kalt wird“, sagt er. Man könnte die Sensoren zum Beispiel so einstellen, dass sie kurz vor der Überschreitung des Grenzwertes warnen. Dann wüssten die Lehrer genau, wann das Lüften nötig ist, und müssten nicht mehr prophylaktisch ständig lüften.

Stadtrat beschäftigt sich mit dem Thema

Im Moment aber haben die Schulen erst einmal andere Sorgen. Sie stellen sich derzeit wieder auf den Distanzunterricht ein. Doch einige Schüler werden weiterhin in die Schule kommen und auch nach dem Lockdown wird die Pandemie nicht vorbei sein.

Der Rat der Stadt Vreden beschäftigt sich deswegen am Freitag, 18. Dezember, ab 18 Uhr mit der Frage, wie die Schüler gegen Covid19 geschützt werden können. Die CDU hatte beantragt, die Einführung von CO2-Messern, FFP2-Masken, Lüftungsanlagen und Acrylschutzwänden zu prüfen.

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
Zur Autorenseite
Victoria Garwer

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.