Confiserie Imping will mit Feingebäck und Pralinen auch die Konferenztische erobern

mlzSchokoladenmanufaktur Vreden

Feine, handgemachte Pralinen aus Vreden füllen schon seit Jahrzehnten die Regale bei ausgesuchten Chocolaterien. Nun will die Confiserie Imping mit Feingebäck die Konferenztische erobern.

Vreden

, 01.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Mit geübten Handgriffen zieht eine Mitarbeiterin die runden Pralinen mit einer Gabel über ein feines Gitter. Jede einzelne erhält so ihre typische Optik: von der glatten Kugel zum Trüffel. Es duftet angenehm nach Schokolade im Produktionsgebäude der Confiserie Imping im Gewerbegebiet Heckebree. Wie auch sonst, wo feine Pralinen und feines Gebäck von Hand gemacht werden.

Confiserie Imping will mit Feingebäck und Pralinen auch die Konferenztische erobern

Hier bei der Verpackung findet auch noch eine optische Endkontrolle statt. © Markus Gehring

Eva-Maria Imping stibitzt einen Trüffel vom Blech mit den Zweite-Wahl-Pralinen am Ende des Förderbands, an dem die süßen Sünden einzeln begutachtet und verpackt werden. Dieser Trüffel hat den strengen Augen der Imping-Mitarbeiterin nicht standgehalten, ein Luftloch stört das gezackte Muster. Die Geschäftsführerin reicht die Praline dem Gast. Sehen, riechen, fühlen – und schmecken. Das ist wichtig im Chocolatier-Handwerk. Deswegen dürfen auch die Mitarbeiter gern zugreifen bei den aussortierten Produkten, beantwortet Eva-Maria Imping die Frage. „Warum nicht? Wer, wenn nicht unsere Mitarbeiter, könnten auch feststellen, wenn mal etwas nicht stimmt?“

Die 35-Jährige ist seit 2012 mit in der Geschäftsführung des elterlichen Unternehmens. Nach ihrem BWL-Studium und beruflichem Schnuppern in ganz anderen Branchen kehrte sie zurück nach Vreden. „Mir liegt der kaufmännische Teil. Der Rest ist mir in die Wiege gelegt worden“, erzählt sie und lacht. „Der Rest“ ist nicht unbedeutend in einer Confiserie: Leidenschaft für Schokolade und feine Geschmacksnerven. Ihr Vater Walter Imping nickt zustimmend. Der 64-Jährige hat 1984 mit seiner Ehefrau Hedwig den Konditorei-Betrieb von seinen Eltern übernommen und schob damals die Spezialisierung auf feinste Pralinés und feines Gebäck an.

Confiserie Imping will mit Feingebäck und Pralinen auch die Konferenztische erobern

Eva-Maria und Walter Imping führen gemeinsam die Geschäfte der Confiserie. © Markus Gehring

Ende der 1990er-Jahre siedelte die Confiserie ins Gewerbegebiet Heckebree um, erweiterte dort nach und nach. Mittlerweile wird auf einer Gebäudefläche von 2300 Quadratmetern produziert, verpackt, gelagert und verwaltet. „Wir sind Schritt für Schritt gewachsen“, sagt Eva-Maria Imping im Rückblick. Der Umsatz habe sich in den vergangenen Jahren immer „im mittleren einstelligen Millionenbereich“ bewegt, verrät sie. Eva-Maria und Walter Imping sehen Potenzial für mehr: „Wir arbeiten an der Entwicklung der Eigenmarke“, sagt die Geschäftsführerin. Der Markenauftritt soll angepasst, ein neues Logo, ein neues Packaging kreiert werden. „Um oben mitzuspielen, müssen wir an unserer Außenwirkung arbeiten“, betont die Kauffrau. Imping soll so rüberkommen, wie es ist: „Nichts Verstaubtes, aber mit traditionellem Handwerk“, erklärt sie.

Hochwertige Kekse für Konferenzen

Im Besprechungsraum, umgeben von Vitrinen voller Köstlichkeiten, fällt der Blick auf das dekorative Element mitten auf dem Tisch: ein feiner, rechteckiger Karton, gefüllt mit vielfältigem Gebäck. Seit zehn Jahren schon stellt Imping die feinen Kekse her, die das Unternehmen „Fein und fein“ aus Hamburg vertrieben hat. Nun ist aus der Zusammenarbeit eine Verschmelzung geworden: Die Confiserie Imping möchte von Vreden aus die Konferenztische der Republik erobern und hat das Hamburger Unternehmen von Gregor Rosenbauer zum 1. Januar übernommen. Gregor Rosenbauer und Walter Imping trafen sich auf einer Messe, oder besser gesagt: Sie fanden sich. Gregor Rosenbauer führte jahrelang eine erfolgreiche Werbeagentur in Hamburg und knabberte bei zahllosen Konferenzen lustlos an langweiligem, meist industriell gefertigtem Gebäck herum. Oder ließ es liegen. Seine Idee als frischer Ruheständler: Weil Kekse bei Konferenzen auch Wertschätzung für die Teilnehmer ausdrücken sollen, sollten sie hochwertig sein. In Walter Imping fand er einen Verbündeten für die Umsetzung.

Confiserie Imping will mit Feingebäck und Pralinen auch die Konferenztische erobern

Vielfalt und feinste Qualität, dekorativ dargeboten: Die hochwertigen "Fein und fein"-Kekse für Konferenzen. © Markus Gehring

Gregor Rosenbauer wusste genau, worauf es ankommt bei Konferenzkeksen. Nicht zu krümelig, nicht zu groß und nicht bestäubt dürfen sie sein und nichts sollten sie beinhalten, was an den Zähnen haften bleiben könnte. Und auf kleinstem Raum Vielfalt und noch etwas fürs Auge bieten. Mit Walter Imping und seiner Confiserie wurde die Geschäftsidee nach und nach weiterentwickelt, in Eva-Maria Imping fand Gregor Rosenbauer dann eine ebenso begeisterte Geschäftspartnerin. Zur Fachmesse in Köln im Januar die Verschmelzung von „Fein und fein“ mit dem Unternehmen Imping bekannt gegeben.

Die Impings sehen noch viel Potenzial: Mit Pralinenmasse gefülltes Gebäck würden den „Fein und fein“-Keksen noch eine ganz besondere Imping-Note verleihen. Die Pläne schmieden die beiden Vredener auf einer vielversprechenden Basis, wie ein Blick auf die Referenzliste verrät: Das Bundespräsidialamt in Berlin serviert seinen Gästen Kekse aus Vreden, der Deutsche Anwaltsverein oder die Jungheinrich AG aus Hamburg.

Handarbeit, erlesene Zutaten und Frische

Mit gehobenen Ansprüchen kennt sich die Confiserie Imping seit jeher aus, beliefert den gehobenen Fachhandel, Feinkostläden, Chocolaterien und auch Weinhandlungen. Produziert werden die erlesenen Pralinen immer auf Bestellung. Denn was die Imping-Produkte ausmacht, sind Handarbeit, erlesene Zutaten und Frische. Frische Sahne, frische Butter, Kuvertüre aus Belgien... „Unsere Produkte sind drei Monate haltbar. Die braucht man nicht verschiffen“, gibt Eva-Maria Imping eine Antwort auf die Frage, welche Ziele das Unternehmen im Export hat. Kunden hat Imping in Frankreich, Schweden und in England. England? Dort seien die Kunden wegen des Brexits noch total entspannt, erzählt Eva-Maria Imping. „Und dann sind wir das auch.“

Confiserie Imping will mit Feingebäck und Pralinen auch die Konferenztische erobern

Mit geübten Bewegungen aus dem Handgelenk bekommen hier Pralinen den letzten Schliff für die Optik und den Geschmack. © Markus Gehring

Aber die Vredener Confiserie beliefert auch Filialisten mit „Private Label“. Das bedeutet, Imping produziert die Leckereien – und andere Hersteller verkaufen sie unter ihrem Namen. „Das ist wie mit den Eigenmarken beim Discounter und auch im gehobenen Fachhandel üblich“, erläutert Eva-Maria Imping, während ihr Blick durch den Raum mit der verpackten, auf Paletten gestapelten Ware schweift. In Kühlwagen muss die feine Ware nicht transportiert werden. In der Regel nicht. Im vergangenen Sommer schon: „So einen Sommer brauchen wir nicht wieder“, sagt die Kauffrau. „Wer eine Eisdiele mit Chocolateria hatte, war gut dran. Sonst war wenig Frequenz in den Städten.“ Die Kunden hätten sich mit Bestellungen sehr zurückgehalten, blickt die Vredenerin zurück. „Es ist nicht auf Null gegangen, aber man hat es schon gemerkt“, umschreibt sie die einmalige „Delle“ in der Wachstumskurve der vergangenen Jahre.

Das Geschäft mit den Schoko-Leckereien ist ein Saison-Geschäft. Ende August – wegen der Discounter kann man nicht anders, weil die Kundennachfragen dann geweckt werden – beginnt die Weihnachtssaison. Einen Monat vor Ostern wird mit den Osterpralinen gestartet. „Da sind die beiden Wochen direkt vor dem Fest richtig relevant“, zeigt die Geschäftsführerin einen Unterschied auf. Produziert wird eben, was genascht werden möchte. Wie ist es mit Trends? „Trends gibt es – und wir sind flexibel genug, darauf einzugehen“, betont Walter Imping. Aber es lohne sich nicht, jeden mitzugehen. „Wenn er sich ordentlich auf unser Produkt übertragen lässt“, nennt der Vredener einen Grund für eine Neuheit, die einem Trend geschuldet ist.

Confiserie Imping will mit Feingebäck und Pralinen auch die Konferenztische erobern

Walter Imping probiert fortwährend etwas Neues aus an seinem Arbeitsplatz in der Produktentwicklung. © Markus Gehring

An Neuheiten aber arbeiten Walter Imping und sein Team von der Produktionsentwicklung sowieso fortwährend. Was nicht ausschließt, dass Evergreens ihren festen Platz in der Produktpalette haben. Walter Imping nennt die Klassiker: Sahnetrüffel und Nougatpralinen. „Die darf man nicht aus der Theke wegdenken“, pflichtet ihm seine Tochter bei. Auf welche ihrer Pralinen würden beide nicht gern verzichten? Eva-Maria Impings Favorit ist die „Münsterländer Herrencreme“, Walter Imping hat neben dem Sahnetrüffel auch die Kaffee-Eierlikör-Praline am liebsten.

Handarbeit macht den Unterschied

Sein handwerkliches Wissen gibt Walter Imping gern an seine Mitarbeiter weiter – auch an die Auszubildenden, die den Beruf „Süßwarentechnologe“ erlernen. Zur Akademie in Solingen geht der berufliche Nachwuchs, der dort (vor allem) für die Industrie ausgebildet wird. „Aber was uns auszeichnet, ist das Handwerk. Das lernen unsere Auszubildenden hier von unseren Fachleuten“, hebt Eva-Maria Imping hervor. Und wer bei Imping ausgebildet wird, den möchte das Unternehmen auch als Fachkraft behalten, ergänzt sie. Die Mitarbeiterzahl der Confiserie schwankt zwischen 50 und 60 oder sogar bis zu 70. Im Saisongeschäft braucht es mehr Helfer, um die Trüffel gekonnt mit der Gabel zu drehen oder die Zimtsterne per Hand auszustechen. Denn auch das macht den Unterschied beim Produkt.

Confiserie Imping will mit Feingebäck und Pralinen auch die Konferenztische erobern

Ein Blick in die Auslage beim Direktverkauf der Confiserie Imping. © Markus Gehring

Zur Geschichte des Unternehmens

  • Den Grundstein zum Erfolg der heutigen Confiserie Imping legten Alfons und Imgard Imping 1953 mit einem Konditorei Café in Recklinghausen.
  • 1971 zogen die Impings mit ihrem Betrieb nach Vreden. 1984 übernahm Sohn Walter mit seiner Ehefrau Hedwig in zweiter Generation die Geschicke des Unternehmens.
  • Mit Eva-Maria Imping ist seit dem Jahr 2012 nun auch die dritte Generation an Bord des Familienunternehmens.
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