Ein kurzer Pieks und schon ist es vorbei: Nkechi hat am Samstag ihre erste Dosis des Biontech-Impfstoffs erhalten. © Nils Dietrich
Impfgegner

Corona: Große Impfaktion in Vreden lockt auch ungebetene Gäste an

Zahlreiche junge Menschen sind zur großen Impfaktion auf dem Jugendcampus in Vreden gekommen. Die Kampagne lockte allerdings auch Impfgegner an, die am Samstag für Unruhe sorgen wollten.

Schon bevor es losgeht, hat sich vor dem Eingang des Jugendcampus in Vreden eine Schlange gebildet. Viele Jugendliche sind am Samstagnachmittag gekommen, ihre Eltern im Schlapptau. Alle wollen sich gegen das Coronavirus impfen lassen.

Nkechi ist eine von ihnen. Sie hat ihre Schwester Ifeoma und Vater Sven Frohne dabei. Eigentlich wohnen die beiden Teenager im Kreis Gütersloh bei ihrer Mutter, aber am Samstag sind sie zu Besuch bei ihrem Vater in Vreden. „Komm‘, wir machen das“, habe der gesagt.

Corona-Impfung? Keine große Sache

Und hier sind sie nun. Für Nkechi eigentlich keine große Sache: „Es ist sicherer, sich impfen zu lassen. Und damit verringert man die Chance, dass sich noch mehr Menschen infizieren“, erklärt die 15-Jährige. Der Rest geht ganz schnell. Zunächst das Aufklärungsgespräch, dann der Pieks und die erste Dosis des Impfstoffs von Biontech ist verabreicht.

Bürgermeister Tom Tenostendarp, der zum Start ebenfalls kurz vorbeischaut, sieht es mit Wohlgefallen: „Wir wollen ein niedrigschwelliges Angebot, nah an die Menschen ran.“ Und die Einrichtung sei bei den Zielgruppen bekannt. Das ist umso wichtiger in Zeiten, in denen sich wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus infizieren und die Impfkampagne in Deutschland an Tempo verliert.

Markus Frohne, pädagogischer Leiter des Jugencampus, erteilt einer Impfgegnerin einen Platzverweis.
Markus Frohne, pädagogischer Leiter des Jugencampus, erteilt einer Impfgegnerin einen Platzverweis. © Nils Dietrich © Nils Dietrich

„Viele sagen, dass sie so nicht zum Impfzentrum nach Velen hinkommen“, berichtet Markus Funke, pädagogischer Leiter des Jugendcampus. Aus diesem Grund hat sein Team das Angebot am Samstag auf die Beine gestellt. Der Kreis Borken hat auf Anfrage ein Impf-Team geschickt, das am Samstag Akkordarbeit leisten muss.

Ursprünglich war ein Elektro-Musik-Festival mit einem Nachwuchs-DJ-Contest geplant: „Dann stellte sich heraus, dass das nicht geht ohne PCR-Test, wenn man nicht geimpft oder genesen ist“, erklärt Markus Funke. Aber der PCR-Test ist teuer und von daher hatte sich die Idee mit dem Festival vorerst von selbst erledigt.

„Wir würden hier gerne wieder Vollgas geben und Impfungen sind ein Schlüssel, damit das wieder möglich ist“, so Markus Funke weiter. Bis dahin muss es mit elektronischer Musik, Getränken und einem Gratis-Würstchen für die Impflinge als Rahmenprogramm bleiben. Aber auch das kommt gut an, das Motto „Holt Euch Festivals, Konzerte und Partys zurück“ verfängt augenscheinlich bei der Zielgruppe. Am Ende zählt das Team 94 Impfungen: „Das ist super gelaufen“, freut sich Markus Funke.

Impfgegner wollen stören

Aber nicht nur bei den Jugendlichen: Am Samstag sind auch ungebetene Gäste gekommen, die ihren Besuch bereits im Social Web angekündigt hatten. Mehrere Personen betreten das Gelände, eine Frau trägt ein Plakat mit der Aufschrift „Hände weg von unseren Kindern“. Sie werden des Platzes verwiesen, fortan bleibt ihnen nur die Rolle als Zaungäste.

Auch die Polizei war vorab gewarnt: „Wir wollen verhindern, dass es zu Störungen kommt“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Kurtkowiak. Mit der Presse will das Impfgegner-Grüppchen nicht sprechen. Nur so viel: „Sie legen sich eh alles zurecht.“ 20 Minuten später waren sie verschwunden. Die große Impfaktion auf dem Jugendcampus aber lief weiter.

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