19-Jährige sitzt mit schmerzhafter Entzündung in Quarantäne und niemand will ihr helfen

mlzCoronavirus

Eine 19-Jährige Vredenerin ist als Corona-Verdachtsfall in Quarantäne. Ihr Piercing hat sich entzündet, sie hat höllische Schmerzen. Doch wegen der Quarantäne findet sie keine Hilfe.

Vreden

, 17.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Janina (Name geändert) ist in Quarantäne und sie hat Schmerzen. Die verursacht jedoch nicht das Coronavirus, sondern ein entzündetes Bauchnabelpiercing. Das Problem: Weil sie Kontakt zu einer infizierten Person hatte, findet sie keinen Arzt, der sie behandeln möchte.

Ende letzter Woche bekommt die 19-jährige Vredenerin die Nachricht, dass eine Person in ihrem Umfeld positiv auf das Coronavirus getestet wurde. „Ich war gerade bei der Arbeit und wurde direkt nach Hause geschickt“, berichtet die junge Frau, die wir Janina nennen.

Jetzt lesen

Sie ruft beim Gesundheitsamt an und bekommt direkt klare Anweisungen. Sie soll sich von älteren und kranken Menschen fernhalten. Noch am selben Abend heißt es dann deutlich: „Sie sind ab sofort in Quarantäne.“

Das Gesundheitsamt ist nicht erreichbar

Auf das Coronavirus getestet wird sie nicht, denn sie zeigt keinerlei Symptome. Doch am Wochenende bekommt sie ein ganz anderes Problem: Ihr Bauchnabelpiercing entzündet sich. „Es wurde immer schlimmer und ich hatte höllische Schmerzen“, erzählt Janina.

Am Montag hält sie es nicht mehr aus. Sie braucht einen Arzt. „Ich habe erst versucht, das Gesundheitsamt anzurufen, bestimmt 30 Mal. Aber ich bin nicht durchgekommen. Bei der Hotline hing ich eine Stunde in der Warteschleife, bevor ich aufgegeben habe.“ Auch unter der Nummer nur für Personen unter Quarantäne erreicht sie niemanden.

Piercer schickt die junge Frau direkt ins Krankenhaus

Sie weiß nicht mehr, was sie tun soll, und bricht deswegen die Regeln ihrer Quarantäne. Sie fährt zu einem Piercer. „Ich weiß, dass das falsch war und dass man das nicht tun soll. Aber ich hatte solche Schmerzen und war richtig verzweifelt“, erzählt die 19-Jährige.

Der Piercer schaut sich - mit einem Mundschutz und Handschuhen geschützt - die Entzündung an und erkennt den Ernst der Lage. „Er hat mich direkt ins Krankenhaus geschickt und gesagt, dass da schnell was passieren muss.“

Also fährt Janina ins Ahauser Krankenhaus. „Da war die Situation richtig stressig. Einige wollten wohl Angehörige besuchen, durften aber nicht und haben da lautstark diskutiert und regelrecht randaliert.“ Sie berichtet dem Personal von ihrer Quarantäne, wird in ein separates Zimmer geführt und bekommt einen Mundschutz.

Der Arzt schützt sich ebenfalls, doch helfen kann oder will auch er ihr nicht. „Das sei nichts fürs Krankenhaus, hat er gesagt. Ich solle schnell wieder weg gehen und mich an den Hausarzt wenden“, berichtet die junge Vredenerin. Sie bricht im Behandlungszimmer in Tränen aus, ist völlig verzweifelt und überfordert.

Hausarzt gibt Tipps zur Behandlung zu Hause

Zum Hausarzt fährt sie nach diesen Erfahrungen nicht. Stattdessen schickt sie die Mutter ihres Freundes dorthin, mit Fotos von der Entzündung. Vorbeikommen soll sie aber auch hier nicht. Stattdessen bekommt sie Tipps, wie sie sich selber helfen kann: Mit einer heißen Nadel und Desinfektionsmittel soll sie das eingewachsene Piercing selbst entfernen.

In ihrer Verzweiflung tun Janina und ihr Vater genau das. „Es war schrecklich. Ich hatte unfassbare Schmerzen und habe die ganze Zeit nur geschrien. Aber wir haben es trotzdem nicht hinbekommen.“ Am Dienstag sitzt Janina deswegen immer noch mit einem entzündeten und schmerzenden Bauchnabel in ihrer Wohnung. Denn den Notruf zu wählen, davor schreckt die junge Frau dann doch zurück.

Erster Ansprechpartner ist immer der Hausarzt

Nachfrage beim Kreis Borken: Was können Betroffene in so einer Situation tun? Wer darf und kann Patienten unter Quarantäne behandeln? Karlheinz Gördes, Pressesprecher beim Kreis, verweist auf den Hausarzt. „Der ist immer der erste Ansprechpartner.“

Wenn der nicht die nötigen Schutzmaßnahmen ergreifen kann, um den Patienten zu behandeln, kann er eine Überweisung ans Krankenhaus schreiben. Dann kann ein Patient auch nicht mehr weggeschickt werden.

Janina möchte diesen Weg nun gehen. Ansonsten hofft sie, dass sich die Entzündung nicht weiter verschlimmert. Ihre Quarantäne dauert noch bis zum 22. März. Wenn sich bis dahin keine Corona-Symptome zeigen, kann sie sich wieder frei bewegen und auch ganz normal zum Arzt gehen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Das Coronavirus bringt das öffentliche Leben zum Stillstand. Auch in unserer Redaktion wurden Vorkehrungen getroffen. Hier einige Impressionen aus dem Homeoffice des MLZ-Redaktionsleiters. Von Bernd Schlusemann

Lesen Sie jetzt