Walter Wittek mit einem Modell seiner Doppelskulptur „Due". Das Kunstwerk soll 2,10 Meter hoch werden. Es wird 2022 erstmals in der Galerie Beeld & Aambeeld in Enschede zu sehen sein. © Stefan Grothues
Skulpturen

Corona-Stipendium: Künstler Walter Wittek treibt es wieder auf die Spitze

Nicht nur Sänger und Schauspieler wurden von Corona hart getroffen. Auch Bildende Künstler verloren Einnahmequellen. Ein Landesstipendium hilft dem Vredener Walter Wittek durch die Krise.

Schauspieler, Musiker und Tänzer – sie alle sind durch Corona komplett ausgebremst worden. Sie alle waren ohne Engagements, ohne Einkommen. Darüber ist vielfach berichtet worden. Die Pandemie hat aber auch die bildenden Künstler hart getroffen. Walter Wittek ist einer von ihnen.

Erstes Stipendium mit 78

Um so glücklicher ist der Vredener Künstler über das Landesprogramm „Auf geht’s!“. Walter Wittek hat jetzt aus diesem Programm erstmals in seinem Leben ein Stipendium erhalten. Mit 6000 Euro fördert das Land NRW die Wittek-Großskulptur aus massivem Stahl. Beim Wort „Stipendium“ schmunzelt der Künstler. „Das klingt ja ein wenig nach Student, doch aus dem Studentenalter bin ich ja schon raus.“ Walter Wittek ist 78 Jahre alt.

Doch nach wie vor ist die Kunst sein Broterwerb. Vor allem aber seine große Leidenschaft. Der gebürtige Schlesier hat nach seiner Lehre als Stahlgraveur im bayrischen Ansbach an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert. Seit über 40 Jahren arbeitet er als freischaffender Künstler, seit 1979 in Vreden. Seine Werke wurden bereits mit mehreren renommierten Preisen ausgezeichnet.

Walter Witteks Atelier in der ehemaligen Saueressig-Halle an der Straße Up de Bookholt ist ein Hort der Ideen und Fundstücke.
Walter Witteks Atelier in der ehemaligen Saueressig-Halle an der Straße Up de Bookholt ist ein Hort der Ideen und Fundstücke. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Witteks Werkstatt-Atelier in der ehemaligen Saueressig-Halle ist riesig, teilen muss er es nur mit einigen Freigänger-Katzen, die ihn dann und wann besuchen. Hier lässt es sich doch virenfrei arbeiten. Ein Bildhauer muss doch nicht auf die Bühne, unter die Menschen, oder?

Aufträge sind durch Galerieschließungen weggebrochen

Walter Wittek schüttelt den Kopf: Corona hat auch seine Arbeit ausgebremst. „Die Galerien und Museen sind geschlossen, öffentliche Veranstaltungen sind abgesagt worden. Drei fest geplante Projekte mit meinen Arbeiten sind abgesagt worden“, sagt Walter Wittek. Das schmerzt die Künstlerseele. Das tut gleichzeitig aber auch im Portemonnaie weh. Ohne einige private Auftraggeber wäre es schwierig gewesen, sich wirtschaftlich über Wasser zu halten.

Und dann wäre ihm auch der Grundstoff für seine künstlerische Arbeit abhandengekommen. Witteks Stahlskulpturen werden ja nicht nur von Kunstfreunden wegen ihrer ausgefeilten Ästhetik geschätzt. Auch der Preis, den der Künstler allein für das tonnenschwere Rohmaterial einer einzigen Skulptur zahlen muss, geht in die Tausende.

Die Skizze für die Skulptur
Die Skizze für die Skulptur „Due“ entstand bereits 2018. Sie soll kein bloßes Abbild der Skulptur sein, sondern wie ein gute Porträt den Charakter der Skulptur erfassen. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Um so froher ist Walter Wittek darüber, dass das Land NRW mit einem Sonderförderprogramm den Künstlern unter die Arme greift. Weil Künstlerinnen und Künstler seit einem Jahr aufgrund weggefallener Auftritts- und Präsentationsmöglichkeiten infolge der Corona-Pandemie keine verlässliche Beschäftigungsgrundlage haben, hat die Landesregierung ihr Stipendienprogramm „Auf geht’s!“ für freischaffende Künstlerinnen und Künstler neu aufgelegt. Ab April werden insgesamt 15.000 Stipendien in Höhe von je 6000 Euro zur Verfügung gestellt.

Skulpturen werden 2022 in Enschede ausgestellt

Walter Wittek bewarb sich mit seinem Skulpturprojekt „Due“: Die zwei Stahlspitzen, die der Künstler bis zum Jahresende drehen, feilen und schleifen wird, werden eine Höhe von 2,10 Meter erreichen und zwei Tonnen wiegen. Die Rohlinge bringen sogar drei Tonnen auf die Waage. Die Doppelspitze soll im Frühjahr 2022 in einer Ausstellung mit dem Titel „2 = 1“ in der Galerie „Beeld & Aambeeld“ in Enschede präsentiert werden.

Tonnenschwer und nadelspitz: Das 2000 Kilogramm schwere Kunstwerk endet gleichsam im Nichts. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Dass Walter Wittek in seinem neuen Werk wieder tonnenschweres Material auf die feinste Nadelspitze treibt, ist für die Kenner seiner Arbeit keine Überraschung. Der Künstler selbst sagt: „Seit meinem Studium beschäftigt mich Thema, Motiv und Form des Omphalos, ein Symbol der Griechen in der Antike.“ Der Omphalos, ein aufrechtstehendes Mal, eine gebauchte Steinspitze, bezeichnete im Apollotempel in Delphi punktuell die Mitte, den Nabel der damaligen Welt (-Vorstellung).

Wittek: „Durch Variationen der Form und Bezüge zu unterschiedlichen Situationen versuche ich, das ,Motiv‘ zu aktualisieren und ihm so neue Bedeutungen abzugewinnen.“ Das bedeutet harte Arbeit. Mit Feile, Flex und Schwingschleifer werden die tonnenschweren und in der Firma Saueressig computergesteuert vorgedrehten Spitzen in ihre finale Form gebracht. „Das ist Gefühlssache, da kommen wir in Bereiche, die nicht mehr messbar sind.“ Und da ist der Künstler zuhause, wenn die Pandemie ihn nicht ausbremst.

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Stefan Grothues

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