Corona im Seniorenwohnpark – Bewohnerin: „Wir hatten keine Ahnung!“

mlzCoronavirus

Ende März gab es einen Corona-Todesfall in einem Seniorenwohnpark in Vreden. Jetzt erzählt eine Bewohnerin, dass die anderen Senioren in der Einrichtung nicht über die Infizierung informiert wurden.

Vreden

, 08.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine 78-Jährige ist Ende März in einem Seniorenwohnpark in Vreden an dem Coronavirus verstorben. Der Kreis wusste von der Infizierung, die anderen Bewohner der Einrichtung nicht.

Genau darüber regt sich eine Bewohnerin, die ihren Namen nicht öffentlich nennen möchte, im Gespräch mit der Redaktion auf. „Wir haben erst davon erfahren, als der Leichenwagen vor der Tür stand“, sagt sie. Dass in ihrem Haus eine mit dem Coronavirus infizierte Person wohnte und dass sie in Quarantäne war, davon hatte die Seniorin bis dahin keine Ahnung.

Einrichtung speziell für Senioren

„Das hätte man uns doch sagen müssen!“, meint sie. Schließlich handelt es sich nicht um irgendein Wohnhaus, sondern um eine Einrichtung speziell für Senioren. Einige davon werden von einem Pflegedienst betreut, andere bekommen Essen auf Rädern, wieder andere können ihren Haushalt noch gut alleine führen.

Die Bewohnerin macht sich seit dem Todesfall im Haus durchaus Sorgen. Schließlich hat die betroffene Frau ja vielleicht auch das Geländer im Flur oder eine Türklinke im gemeinsamen Eingangsbereich angefasst.

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„Wir gehören hier alle zur Risikogruppe. Da kann man uns so etwas wichtiges doch nicht verschweigen. Das macht mich wirklich richtig wütend“, schimpft die Bewohnerin.

Klinikum Westmünsterland beruft sich auf den Datenschutz

Nachfrage beim Klinikum Westmünsterland, dem Träger des Seniorenwohnparks: Warum wurden die anderen Bewohner nicht über die Corona-Infizierung informiert? Pressesprecher Tobias Rodig antwortet schriftlich und beruft sich auf den Datenschutz.

„Wir können die Sorgen und Ängste der Mieterinnen und Mieter sehr gut verstehen. Aus Datenschutzgründen dürfen und werden wir jedoch nicht über Erkrankungen einzelner Mieter berichten“, schreibt er.

Klinikum ist nicht der Vermieter im Seniorenwohnpark

In dem Wohnpark können Senioren Wohnungen von privaten Anbietern mieten. Das Klinikum Westmünsterland sei nicht der Vermieter, stellt Tobias Rodig klar. Lediglich der Hausnotruf, der Hausmeisterservice oder die Vermittlung von ambulanter Pflege laufe über das Klinikum.

Deswegen dürfe das Klinikum Westmünsterland auch keine Informationen an die einzelnen Mieter untereinander weitergeben, „die Rückschlüsse auf Erkrankungen oder den Gesundheitszustand konkreter Personen zulassen“.

Tobias Rodig schreibt aber auch: „Wir haben alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, damit der Schutz aller zu jeder Zeit bestmöglich gewährleistet ist.“

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