Das Drohenfoto der Feuerwehr zeigt das Ausmaß des Großbrandes. © Feuerwehr Vreden
Großbrand in Vreden

Das Feuer bei Wefapress – alle Informationen zusammengefasst

Mehrere Millionen Euro Sachschaden dürften beim Brand der Firma Wefapress am Samstagmorgen (03.07.) entstanden sein. Insgesamt waren über 200 Feuerwehrleute zur Brandbekämpfung im Einsatz.

Über 200 Feuerwehrleute waren am Samstag (03.07.2021) bei einem Großbrand bei Wefapress in der Vredener Innenstadt im Einsatz. In dem Kunststoff verarbeitenden Betrieb stand eine rund 170 mal 60 Meter große Lager- und Produktionshalle in Flammen.

Gegen 4:20 Uhr erfolgte die Alarmierung für den Löschzug Vreden der Freiwilligen Feuerwehr. Eine Brandmeldeanlage in dem Unternehmen hatte die Feuerwehr alarmiert. „Wir haben bei der Anfahrt schon nachalarmiert“, berichtet Helmut Tenspolde, stellvertretender Leiter der Vredener Feuerwehr, dass direkt der Löschzug Ammeloe hinzugezogen wurde. Außerdem wurde Sirenenalarm ausgelöst.

„Eine relativ komplexe Lage“, allein schon bedingt durch die Größe des Gebäudes, habe die Feuerwehr bei ihrem Eintreffen vorgefunden, erklärte Kreisbrandmeister Stefan van Bömmel. Die Lager- und Produktionshalle stand zu diesem Zeitpunkt bereits in voller Ausdehnung in Flammen.

Daher wurden „weitere Kräfte aus Stadtlohn und von der Kreisbereitschaft Nord nachgefordert“, schildert der Leiter der Vredener Feuerwehr, Christian Nienhaus, der auch die Einsatzleitung bei dem Brand hatte.

Kreisbereitschaft Nord wurde schon früh zum Großbrand gerufen

Entsprechend rückten Einheiten aus Gronau, Heek, Schöppingen, Ahaus und Legden nach. Drehleitern aus Ahaus und Stadtlohn (Teleskopmast) wurden ebenfalls zum Brandort gerufen. Natürlich kam auf die neue Drehleiter des Löschzuges Vreden zum Einsatz.

Fotostrecke

Fotostrecke vom Großbrand bei Wefapress

Die Wasserentnahme für die Löscharbeiten erfolgte aus dem direkt benachbarten Berkelsee und einem nahen Feuerlöschteich. Der Wasserbedarf war riesig, da das Feuer mit mehreren Löschkanonen bekämpft wurde. Neben den Löscharbeiten sei es dabei wichtig gewesen „einen Riegel zu bilden“, um die benachbarten Hallen zu schützen, so van Bömmel.

Hohe Temperaturen bei Feuer

Schaummittel die gerne bei Bränden von Kunststoffen zur Eindämmung der Flammen eingesetzt werden, kamen erst am Nachmittag zum Einsatz. Kreisbrandmeister Stefan van Bömmel erklärt dazu, dass die Temperaturen, die zunächst im Feuer herrschten, viel zu hoch waren.

„Es war zu heiß für Schaum“, schildert von Bömmel, dass der durch zu große Hitze seine Wirksamkeit verliert. Am Nachmittag, als es galt, Glut- und Brandnester zu bekämpfen, habe der Schaum „sehr gut funktioniert“.

In den Räumen eines Vredener Taxiunternehmens am Brandort hatte die Feuerwehr eine Einsatzleitstelle eingerichtet. Marco van Schelve, stellvertretender Kreisbrandmeister, berichtet dort, dass in der großen Halle Pressen, Kunststoffe und Bearbeitungsmaschinen untergebracht waren und dem Feuer reichlich Nahrung boten.

Mit rund 120 Einsatzkräften bekämpften die Feuerwehren den Brand bei Wefapress.
Mit rund 120 Einsatzkräften bekämpften die Feuerwehren den Brand bei Wefapress. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

Zur Brandbekämpfung habe die Feuerwehr vier Einsatzabschnitte gebildet, erklärt van Schelve. Dabei sei ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet worden, das Übergreifen des Feuers auf sehr nahe stehende Hallen zu verhindern. Die Feuerwalz ging bis ans Mauerwerk des benachbarten Textilbetriebes und auf der anderen Seite bis an die seit etwa einem Jahr stehende neue Halle der Firma Wefapress.

Erinnerung an Großbrand aus dem Jahr 1997

Das Übergreifen des Feuers auf diese Gebäude konnte verhindert werden, ist Helmut Tenspolde froh. Er und viele seiner Kollegen erinnern sich noch an das Feuer im Jahr 1997, als es bei der Firma Terbrack im Gewerbegebiet Gaxel brannte.

Die Rauchsäule von dem Feuer war kilometerweit zu sehen. Im Bild steht der Korb der Drehleiter direkt vor der Wand aus Rauch und Ruß.
Die Rauchsäule von dem Feuer war kilometerweit zu sehen. Im Bild steht der Korb der Drehleiter direkt vor der Wand aus Rauch und Ruß. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

Das ebenfalls kunststoffverarbeitende Unternehmen und eine benachbarte Schreinerei brannten damals völlig nieder. Die älteren Feuerwehrleute in Vreden waren sich einig, dass der Brand bei Wefapress der größte Brand in Vreden seit diesem Ereignis ist, also seit fast 25 Jahren.

Feuer bei Wefapress konnte eingegrenzt werden

Gelang es der Feuerwehr, das Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern, so gelang es ihr auch, den Brand innerhalb der Halle auf die Bereiche bis zu massiven Brandschutzwänden zu begrenzen. Dennoch: Der Bereich dazwischen brannte völlig nieder, der Sachschaden dürfte sich im mehrstelligen Millionenbereich bewegen. In dem Bereich haben nach ersten Angaben rund 70 Mitarbeiter der Firma Wefapress gearbeitet.

Große Rußpartikel gingen in weiten Teile des Vredener Stadtgebietes nieder.
Große Rußpartikel gingen in weiten Teile des Vredener Stadtgebietes nieder. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Das Kunststoff-Feuer entwickelte nicht nur eine kilometerweit sichtbare Rauchsäule. Im Vredener Stadtgebiet gingen an vielen Stellen bis zu handflächengroße Rußpartikel nieder. Daher wurden an mehreren Stellen im Stadtgebiet Messungen vorgenommen.

Erschöpft: Ein Feuerwehrmann hat sich auf den Boden gesetzt, um sich von seinem anstrengenden Einsatz zu erholen. Am Nachmittag wurde die Kreisbereitschaft Nord durch Kräfte der Kreisbereitschaft Süd ausgetauscht.
Erschöpft: Ein Feuerwehrmann hat sich auf den Boden gesetzt, um sich von seinem anstrengenden Einsatz zu erholen. Am Nachmittag wurde die Kreisbereitschaft Nord durch Kräfte der Kreisbereitschaft Süd ausgetauscht. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

Aus Essen rückten zwei Fahrzeuge des Landesamtes für Natur-, Umwelt und Verbraucherschutz an, um Schadstoffe in der Luft und in den Rußpartikeln zu messen. „Die Messwerte waren, zu dem Zeitpunkt als wir gemessen haben, alle unauffällig“, berichtet Dennis Gerges (34), Ingenieur beim Lanuv NRW. Die für weitere Untersuchungen gesicherten Rußpartikel sollen am Montag labortechnisch untersucht werden.

Ablösung und THW mit schwerem Gerät

Gegen 13.30 Uhr ließ Kreisbrandmeister Stefan van Bömmel die Kreisbereitschaft Süd alarmieren. Diese rückte dann mit weiteren Einsatzkräften an, um die durch ihren langen Einsatz erschöpften rund 120 Feuerwehrleute abzulösen. Außerdem wurde das Technische Hilfswerk alarmiert, das mit schwerem Gerät (Bagger, Radlader) anrückte.

Eine riesige Rauchsäule stieg aus den Flammen auf. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

Bis in den Abend und möglicherweise noch darüber hinaus, so die Einschätzung von Marco van Schelve, sollten Schutt, Asche und geschmolzener Kunststoff mit den Maschinen aus der Brandstelle gebaggert werden, um Glutnester ablöschen zu können.

Rund 150 Einsatzkräfte, so seine Einschätzung, würden dann auch am Nachmittag noch vor Ort sein. Darunter auch 20 Mitglieder des Deutschen Roten Kreuz aus Vreden. Sie versorgen die Einsatzkräfte seit den frühen Morgenstunden mit Getränken und Nahrung.

Lagezentrum in benachbartem Unternehmen

Im Lagezentrum verschaffte sich auch Vredens Bürgermeister Tom Tenostendarp ein Bild von der Situation. „Ich bin froh, dass die Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren so gut klappt“, hatte er ein großes Lob für die Einsatzkräfte der einzelnen Löschzüge.

Zur Brandursache konnte am Samstagmittag noch niemand Angaben machen. Die Löscharbeiten waren zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht abgeschlossen.

Feuer verursacht Rußpartikelablagerungen im Stadtgebiet

„Einige Spielplätze und weitere Freizeitanlagen sind betroffen und müssen erst gesäubert werden“, schreibt die Stadt Vreden in einer Pressemitteilung zum Niedergang von Rußpartikeln. Betroffen sei insbesondere in der Bereich zwischen dem Köckelwicker Esch und dem Wendfelder Damm.

In den privaten Gärten sollten Aufenthalts- und Spielbereiche vor Nutzung gesäubert werden. Hier reicht ein normaler Haushaltreiniger, die Reinigung sollte aus Vorsichtsmaßnahmen mit entsprechendem Schutz, wie z.B. Einmalhandschuhen vorgenommen werden.

Zur Sicherheit sollte insbesondere auch darauf geachtet werden, dass kleinere Kinder die Partikel nicht aufnehmen.

Die öffentlichen Spielplätze und Sportanlagen in dem betroffenen Bereich wurden zunächst gesperrt.

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Redaktion Ahaus
Hat Spaß an lokaler Berichterstattung auf Augenhöhe des Lesers und schreibt gern über Themen, die die Menschen in der Region berühren.
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Bernd Schlusemann

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