Das Vredener Freibad glänzt in Zukunft in der Edelstahl-Variante

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Das Vredener Freibad soll saniert und mit Edelstahl ausgekleidet werden. Das empfiehlt der Fachausschuss dem Rat. Ein kleiner Ausflug war eine Entscheidungshilfe für die Politiker.

Vreden

, 08.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Edelstahl soll es also sein. Das Vredener Freibad wird saniert und bekommt ein neues Becken aus Edelstahl. Die Fliesen-Variante konnte die Mitglieder des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses nicht überzeugen. Nur die FDP war für diese Möglichkeit.

Die Kommunalpolitiker haben am Dienstag einen Ausflug gemacht und sich die Freibäder in Gescher, Heiden und Stadtlohn angeschaut. Am Tag danach wurde im Rathaus diskutiert.

Auch nach 25 Jahren keine sichtbaren Schäden

Das Bad in Heiden wurde vor zwei Jahren neu ausgekleidet mit Fliesen. „Das sah optisch sehr traditionell aus. Aber man hat schon Dehnungsfugen gesehen. Da muss also schon jetzt was erneuert werden“, gab Hermann Hildering (CDU) seinen Eindruck wieder. Bei dem 25 Jahre alten Edelstahl-Becken in Heiden seien hingegen gar keine Schäden sichtbar. „Das hätten die mir auch als relativ neu verkaufen können“, meinte auch Gerd Welper (Grüne).

Thomas Spieß, Geschäftsführer der SVS Versorgungsbetriebe, berichtete von den Erfahrungen aus Stadtlohn. Dort wurde das Becken im vergangenen Jahr mit Edelstahl saniert. Vandalismus sei ein großes Thema. „Da wurde schon so einiges ins Becken geworfen. Bei Fliesen hätten wir bereits reichlich renovieren müssen.“ Die erheblich einfachere Reinigung des Edelstahl-Beckens sorge außerdem für eine deutliche Zeitersparnis. Auch in Vreden sei die personelle Situation an der Grenze. „Da ist jede Maßnahme sinnvoll, um das zu verbessern“, so Thomas Spieß.

Das Stadtlohner Freibad wurde 2018 in der Edelstahl-Variante saniert.

Das Stadtlohner Freibad wurde 2018 in der Edelstahl-Variante saniert. © Archiv

Der Vredener Badleiter Mario Menkehorst zählt in einer Stellungnahme zahlreiche Nachteile der Fliesen-Variante auf. Die Reinigungsarbeiten seien zeitaufwendig und kompliziert. Frostschäden seien keine Seltenheit. Außerdem dauere das Befüllen mit Wasser länger, weil das Bauwerk drastischen Temperaturunterschieden nicht standhalten kann. Nach Angaben von Mario Menkehorst würde das Befüllen des neuen, tieferen Fliesen-Beckens rund 76 Stunden, also länger als drei Tage dauern. Bei einem Edelstahl-Becken wären es 18 Stunden. Auch der Stadtsportverband und die Pfadfinder wünschen sich ein Edelstahl-Becken.

FDP fragt sich, was die Nutzer wollen

Diese Stellungnahmen findet Hendrik Mulder (FDP) jedoch wenig überzeugend. „Wenn ich Badleiter wäre, würde ich mir auch ein Edelstahl-Becken wünschen.“ Die FDP habe hingegen darüber nachgedacht, was die Vredener wollen. Das Ergebnis: „Der Vredener will schwimmen in einem sauberen Becken mit guten Umkleidekabinen und sozialverträglichen Eintrittspreisen“, meinte Hendrik Mulder. Deswegen sei es sinnvoller, mit der Fliesen-Variante Geld zu sparen und dieses Geld stattdessen zum Beispiel in die Umkleiden zu investieren. Ihm gefalle diese Variante außerdem auch optisch besser.

Auf Dauer ist Edelstahl wirtschaftlicher

Die Argumentation zum Thema Finanzen konnte nicht nur Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch nicht nachvollziehen. „Auf Dauer ist ganz klar die Edelstahl-Variante die wirtschaftlichere“, sagte er und bezog sich auf Zahlen, die Kämmerer Jürgen Buckting in der Sitzung vorstellte.

Demnach würde das Fliesen-Becken im Bau rund 1,1 Millionen Euro kosten, die teurere Edelstahl-Variante läge bei 1,9 Millionen Euro. Doch der Kämmerer hat sich auch die Unterhaltskosten über einen Zeitraum von 25 Jahren angeschaut. Die Berechnung hat ergeben, dass das Edelstahl-Becken 1 Million Euro, das Fliesen-Becken rund 1,5 Millionen Euro kosten würde. Bei den Fliesen wäre außerdem nach 25 Jahre eine Reinvestition notwendig.

Empfehlung an den Rat

Erwin Wißing (UWG), der zu Beginn der Sitzung als neues Mitglied des Ausschusses vereidigt wurde, konnte mit diesen Zahlen nicht viel anfangen. „Diese Aufstellung hätte ich gerne vor ein paar Tagen schon gehabt. Jetzt habe ich keine Möglichkeit, die Zahlen einzuordnen und zu bewerten.“ Außerdem kritisierte er die Eile, einen Tag nach der Bereisung der verschiedenen Bäder eine Entscheidung treffen zu müssen. Dennoch tendiere er zum Edelstahl-Becken.

Bernd Kemper gab noch den Politikern noch einen Hinweis mit auf den Weg. Bei beiden Varianten gebe es noch ein Risiko. „Wir wissen nicht, in welchen Zustand das Betonbecken ist. Wir müssen die Betonuntersuchungen abwarten. Das geht aber erst, wenn kein Wasser mehr im Becken ist.“ Das aktuelle Becken ist im oberen Teil mit Fliesen ausgekleidet, im unteren Teil besteht es aus angestrichenem Beton.

Einen endgültigen Beschluss hat der Ausschuss noch nicht gefasst. Er hat dem Rat allerdings die Edelstahl-Variante empfohlen. CDU, SPD, Grüne und UWG sprachen sich dafür aus, die FDP stimmte dagegen.

Neubau eines Spaßbades war schnell vom Tisch

Ursprünglich stand auch der Neubau eines Spaßbades zur Debatte. Doch diese Idee hat der Bildungs-, Sport- und Kulturausschuss Ende Februar verworfen. Stattdessen wird das bestehende Becken saniert und die Tiefe erhöht, damit der Sprungturm wieder genutzt werden kann. Die Bauarbeiten sollen nach der Freibadsaison 2019 beginnen. Im besten Fall ist das neue Becken dann schon im Sommer 2020 fertig. Die Verwaltung spricht allerdings von einem „sehr ambitionierten Zeitplan“.

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