Der Schreck sitzt tief in den Gliedern

Nach dem Überfall

Christa Robers hustet und räuspert sich häufig während des Telefonats gestern Nachmittag. "Es hängen noch Spuren von dem Reizgas in der Luft, obwohl eine Reinigungsfirma schon alles gesäubert hat", sagt sie. Ihr Juweliergeschäft am Windmühlentor wurde am Mittwochmorgen überfallen (wir berichteten).

VREDEN

18.02.2016, 17:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Christa Robers nach dem Überfall im Mai 2015.

Christa Robers nach dem Überfall im Mai 2015.

Mitinhaberin Christa Robers und ihr Mann waren zum Zeitpunkt des Überfalls im Urlaub. Als sie darüber informiert wurden, brachen sie diesen sofort ab und machten sich auf den Weg nach Vreden. Sie selber habe die Videoaufnahmen noch gar nicht gesehen, so Robers. "Die werden noch gesichert und verglichen", sagt sie. Derzeit arbeite sie an einer Liste der gestohlenen Gegenstände.

"So etwas steckt man nicht so leicht weg"

Mit einer Schusswaffe hatten die Täter zwei Mitarbeiterinnen bedroht. "Ihnen geht es definitiv noch nicht gut. So etwas steckt man nicht so leicht weg", sagt Robers. Alle Mitarbeiterinnen seien direkt nach dem Überfall ärztlich versorgt worden. Eine von ihnen befinde sich bereits in psychologischer Behandlung.

Robers sagt, dass der Uhrenmacher meint, einen der Täter erkannt zu haben. "Aber es ging ja alles so schnell. Es fühlt sich zwar an wie eine halbe Stunde, im Endeffekt waren es aber ja nur knapp eineinhalb Minuten", so die Juwelierin.

Viel für Prävention getan

Bereits zum vierten Mal seit 2002 wurde der Juwelier überfallen. Robers hat dafür eine simple Erklärung: "Wir führen die Marken, die die Räuber leicht verkaufen können." In zwei Fällen fuhren die Täter mit einem Fahrzeug in die Fassade des Geschäfts. Daraufhin wurden auf dem Bürgersteig Edelstahl-Poller aufgestellt.

Auch jetzt denken die Inhaber wieder über Maßnahmen nach. "Aber ich glaube, tagsüber kann man sich nicht wirklich schützen, wenn man auch weiter Kundenverkehr haben will", sagt Christa Robers.

Vitrinen zerschlagen

Am Mittwochmorgen hatten drei maskierte Täter mit einem Beil mehrere Vitrinen zerschlagen, die Verkäuferinnen mit einer Schusswaffe bedroht und Reizgas versprüht. Sie erbeuteten Uhren verschiedener Hersteller und flüchteten zu Fuß.

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Vor Ort weisen nur noch weiße Schilder an den Schaufensterscheiben auf den Überfall hin. Darauf steht: "Wegen Überfall geschlossen." Auch heute wird das Geschäft voraussichtlich noch nicht öffnen. Geplant sei, dass am Samstag der Betrieb normal weiterlaufe, sagte Robers am Donnerstag.

Psychologischer Rat ist der richtige Weg

Eine der Mitarbeiterinnen des Juweliers am Windmühlentor befindet sich nach dem Überfall in psychologischer Behandlung. Das sei der richtige Schritt, sagt Ewald Vogeshaus von der Außenstelle des Weißen Rings in Borken. „Die Opfer von bewaffneten Überfällen sind oft fertig mit der Welt. Das ist auch nicht innerhalb von zwei Tagen behoben“, sagt er. Teilweise hätten die Opfer Angst davor, aus dem Haus zu gehen oder den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen. Da der Weiße Ring keine gesundheitliche Beratung übernehme, werde in solchen Fällen auf eine spezielle Behandlung hingewiesen, so Vogeshaus.

Im Universitätsklinikum Münster gebe es beispielsweise eine Abteilung Traumatologie, die sich mit solchen Fällen beschäftigt. Vogeshaus weist außerdem daraufhin, dass auch Berufsgenossenschaften oft Berater für Opfer von Raubüberfällen haben. „Das ist eine gute erste Anlaufstelle. Eine grundlegende Traumatherapie ist in solchen Fällen dennoch dringend zu empfehlen.“

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