Die Anwohner bleiben skeptisch

Schmitz-Erweiterung

Frank Tielkes macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Er sitzt zuhause am Esstisch, und durch die große Fensterscheibe fällt der Blick in den Garten und auf den Wall dahinter, den eine Lärmschutzwand krönt. Der Vredener schaut besorgt in die Richtung: "Da sollen dann im Sechs-Minuten-Takt die Auflieger rollen."

VREDEN

, 24.01.2016, 07:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tielkes und seine Mitstreiter waren im Dezember vergangenen Jahres eigentlich zuversichtlich einer Einladung ins Vredener Rathaus gefolgt. Sie waren guten Mutes, dass das große Unternehmen in ihrer Nachbarschaft sich weiter auf die Anlieger zubewegen würde. Doch als sie die Runde mit den Vertretern der Stadt, von Schmitz Cargobull und vom Kreis Borken verließen, machte sich Resignation bei ihnen breit. "Wir fühlten uns nicht ernst genommen." In diesem Urteil sind sich Frank und Dr. Barbara Tielkes, Thomas Terbrügge und Thomas Wenning einig.

Um konstruktive Vorschläge bemüht

Seit Jahren setzen sich die Anlieger aus der Blumensiedlung mit den Plänen für das große neue Werk auseinander. "Wir haben uns immer um konstruktive Vorschläge bemüht", sagt Frank Tielkes. Das habe auch Wirkung gezeigt. Die heutigen Planungen würden sicherlich in einigen Punkten sonst anders aussehen, sind sich die Anwohner sicher.

Doch unter dem Strich reicht ihnen das nicht. Denn viele Fragen sind aus ihrer Sicht nicht ausreichend geklärt - Fragen, die im Grunde nicht neu sind. Sie zielen nicht zuletzt auf den Lärm, der beim Transport der Auflieger auf dem Werksgelände entsteht. Dass der Fahrzeughersteller jetzt von drei auf zwei Schichten heruntergehen wolle, mag Tielkes nicht wirklich glauben. "Wenn doch alles sauber unter den Grenzwerten bleibt, warum will Schmitz dann seine Produktivität nicht voll ausnutzen?"

"Ich fühle mich als Störenfried abgestempelt"

Tielkes geht in die Details, verweist auf die Unterschiede zwischen dem Verfahren für den Bebauungsplan, der von der Stadt schließlich beschlossen worden war, und den aktuellen Anträgen beim Kreis Borken (wir berichteten). Er fragt sich, welche Zugfahrzeuge am Ende zum Einsatz kommen, wie sich die Beleuchtung auf dem Werksgelände auswirkt, warum ein Tunnel unter der Baumwollstraße nicht ernsthaft in Erwägung gezogen worden sei. Und immer wieder wird in dem langen Gespräch mit den vier Anwohnern eines deutlich: Sie haben sich in all der Zeit nicht wirklich ernst genommen gefühlt, nicht von den Behörden, nicht von den Firmenvertretern. "Ich fühle mich als Störenfried abgestempelt", sagt Frank Tielkes.

Wollen sie deshalb jetzt selber ernst machen? Noch haben sie einige Wochen Zeit, um gegen den Bebauungsplan, der dem Trailerhersteller die Erweiterung seines Werkes am Standort Vreden ermöglicht, den juristischen Hebel anzusetzen. Das wäre ein Normenkontrollverfahren, welches es erforderlich machen könnte, jenes Bebauungsplanverfahren neu aufzurollen, von dem Vredens Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch beim Satzungsbeschluss, gesagt hatte, dass es das aufwendigste und komplexeste gewesen sei, dass die Stadt Vreden je durchgeführt hatte.

Schritt zur Klage liegt nahe

Frank Tielkes sagt, dass der Schritt zur Klage für ihn inzwischen nahe liegt. Jetzt wollen die Anwohner aus der Blumensiedlung ausloten, wer diesen Weg mit beschreiten würde. Denn all das kostet auch Zeit, Geld und Nerven. "Da gibt es unterschiedliche Stimmen in der Nachbarschaft", bekennt Frank Tielkes. Für ihn liegt der Gang zum Verwaltungsgericht jedenfalls nahe. Und er sagt, dass er das Gefühl habe, von der Gegenseite praktisch dazu gedrängt zu werden. Lieber wäre ihm der Dialog gewesen.

 

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