Heutzutage wieder im Trend: nähen und stricken. Hier eine selbstgemachte Handtasche aus einer alten Jeanshose. Upcycling heißt der Trend. © Astrid Witte
Kult Vreden

Die neue Lust aufs Selbermachen: In Corona-Zeiten wächst der Trend

Brot backen, Seife herstellen, stricken oder heimwerken. Die Ausstellung Do-It-Yourself im Kult in Vreden gibt Einblicke und neue Anreize zum Selbermachen. Aber woher kommt der Trend?

Immer mehr Menschen verzichten auf gekaufte Sachen und machen sie in mühseliger Handarbeit selbst. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wächst dieser Trend.

Alltagsmasken nähen, neue Möbel aus Paletten bauen, Pullover stricken oder Brot backen wie von Oma. Gerade junge Menschen legen immer mehr Wert auf Produkte aus eigener Herstellung und auf Umweltbewusstsein. „Junge Menschen wollen bewusster leben: Sie tauschen Kleidung, wollen weniger Müll und kein Plastik mehr“, sagt Corinna Endlich, Leiterin des Kult Westmünsterland. Und: „Selbermachen ist Kultur.“

Not macht erfinderisch: Seifenkisten aus Tank eines Bombers

Den Trend „Do it yourself“ oder zu deutsch „Mach es selbst“ gibt es schon lange. Selbstgebaute Seifenkisten oder Boote aus dem Abwurftank eines Weltkriegbombers. Damals hatten die Menschen nichts. Gerade in Kriegs- und Nachkriegszeiten wurde viel selbstgemacht, denn Not macht erfinderisch.

In der Ausstellung zu sehen: Kinder aus Rietberg bauten Boote aus dem Abwurftank eines Weltkriegsbombers und paddelten durch die Weser. © Astrid Witte © Astrid Witte

So findet man in der Ausstellung neben selbstgemachter Kleidung auch Handarbeitsdeckchen, einen selbstgebauten Rasenmäher, Werkzeuge und für das gesellschaftliche Leben selbstgemachte Spiele wie Monopoly oder Schach.

Heutzutage wieder im Trend: Upcycling. Eine alte Jeanshose wurde wiederverwendet und zu einer Handtasche umgenäht.
Im kult in Vreden können Besucher die Lust aufs Selbermachen entdecken. Schon damals waren die Menschen kreativ. Kinder bauten Boote aus dem Abwurftank eines Weltkriegsbombers und paddelten durch die Weser. © Astrid Witte © Astrid Witte

Während der Alternativbewegungen in den 70er-Jahren kam immer mehr Konsumkritik hinzu. Es wurde selbst getöpfert und gesponnen. Die Menschen wollten weniger Industrie und Chemie. Heutzutage gibt es Produkte im Überfluss. Mangel gibt es nicht mehr. Trotzdem fangen viele wieder das Selbermachen an. Nicht nur die Corona-Pandemie hat den Trend bestärkt, der Klimawandel und das Umdenken tragen ebenso dazu.

„Muss heute wirklich noch alles elektrisch sein?“, fragt sich Gregor Greve vom Kult und zeigt auf die Entwicklung des Akkubohrers. Die Ausstellung erzählt vom Mangel in der Nachkriegszeit bis zum heutigen Überfluss. Unter den Themenfeldern „Mangel & Überfluss“, „Hobby & Arbeit“ und „Alltag & Gegenkulturen“ kann der Besucher das Selbermachen in seiner Entwicklung betrachten und das typische Rollenklischee zwischen Mann und Frau beobachten.

Des Mannes Lieblingswerkzeug: Die Bohrmaschine. Zu sehen ist die Entwicklung vom Handbohrer bis zum heutigen Akkuschrauber. © Astrid Witte © Astrid Witte

Wer machte zu einem bestimmten Zeitpunkt was selbst – und warum? Damit beschäftigt sich die Wanderausstellung, die vom LWL-Museumsamt Westfalen konzipiert wurde. Die Idee zur Ausstellung kam dem LWL schon vor über zwei Jahren.

Mit der Ausstellung soll eine breite Masse angesprochen werden. „Interessierte die sich für Kulturgeschichte und die Biografien der Menschen in Westfalen interessieren, ältere Menschen, die die damalige Zeit miterlebt haben, aber auch die jungen Menschen, die immer ökologischer leben“, heißt es seitens des LWL. „Geld, Zeit und gesellschaftliche Erwartungen spielen eine zentrale Rolle bei der Entscheidung für oder gegen das Selbermachen“, sagt Sarah Lieneke, die Kuratorin der Ausstellung.

Rasenmäher der Marke Eigenbau: Dieser Rasenmäher wurde um 1970 in der DDR gebaut. Der Unterbau besteht aus einem Puppenwagengestell und der Motor aus einer Wäscheschleuder. Die rote Kunststoffschüssel dient zur Abdeckung des Motors.
Rasenmäher der Marke Eigenbau: Dieser Rasenmäher wurde um 1970 in der DDR gebaut. Der Unterbau besteht aus einem Puppenwagengestell und der Motor aus einer Wäscheschleuder. Die rote Kunststoffschüssel dient zur Abdeckung des Motors. © Astrid Witte © Astrid Witte

Im Hinblick auf den Klimawandel rückt das Thema immer mehr in den Fokus. „Wir brauchen weniger Plastik, weniger Müll und müssen regionale Produkte kaufen“, heißt ein Appell des Kult: „Do it yourself“ also! Zu diesem Begriff lassen sich aktuell eine ganze Bandbreite von Tätigkeiten zählen: Vom Basteln übers Imkern, Töpfern bis zum Gärtnern.

Die Ausstellung ist noch am Sonntag, 22. August, im Kult am Kirchplatz in Vreden zu sehen.

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