Dorf 4.0 – Ellewicker und Crosewicker schreiben viele Ideen und Wünsche auf die Tischdecke

mlzDorf 4.0 Ellewick

Auf dem Land sind die Menschen mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert als in der Stadt. Die Ellewicker wollen nun als „Dorf 4.0“ digitale Lösungen für ihr Dorf entwickeln.

Vreden

, 03.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in der Stadt wohnt, hat kurze Wege: zum Bus, zum Supermarkt, zur Drogerie, zum Arzt. Auf dem Land ist das anders. Die 1500 Einwohner von Ellewick-Crosewick kennen die Hindernisse auf dem Land, ohne direkten Anschluss an ein Ballungszentrum. Der Bürgerbus ist das einzige öffentliche Verkehrsmittel, es gibt keine Tankstelle und der Weg zum nächsten Arzt ist weit. Im Teilvorhaben „Dorf 4.0“ des Projekts „münster.land.leben“ der Fachhochschule (FH) Münster sind jetzt die Ideen der Einwohner gefragt, denn Ellewick soll digitale Lösungen für das ländliche Leben finden.

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„Wir wollen die Menschen, die hier leben, einbeziehen“, sagt Sven Luzar, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Münster, der das Projekt koordiniert. Deshalb trafen sich jetzt 20 Ellewicker zum „World Café“. An fünf Tischen wurde zu den Schwerpunkten Gesundheitsversorgung, Familie, soziales und kulturelles Leben, Bildung, Mobilität, angeregt diskutiert und Ideen entwickelt.

Brain-Storming auf Tischdecken

Ihre Ideen schrieben die Ellewicker direkt auf die Tischdecken. „Wir wollen erst mal möglichst viele Ideen sammeln“, erklärt Daniel Terwersche. Er ist Mitglied der Bürgergenossenschaft „Use Dorp Use Heimat“ und Teil des Projekts. „Ein zentraler Punkt ist für viele die Nahversorgung, also wer einem vom Baumarkt, von der Apotheke oder der Drogerie was mitbringen kann“, erklärt Sven Luzar. Er hat nun drei Jahre lang Zeit, um zusammen mit den Ellewickern Ideen zu entwickeln und eine davon gezielt umzusetzen.

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„Es geht darum ein Projekt anzugehen, dass sich exemplarisch auch auf andere Dörfer übertragen lässt“, macht Daniel Terwersche klar. „Das Tolle ist, dass die Fachhochschule Zugriff auf viele hoch versierte Studenten hat, die unsere Ideen umsetzen können“, erklärt er. Dabei ist die Bürgergenossenschaft eine Art Schnittstelle zwischen FH und Ellewickern.

Eine App zur Organisation

Auch Termine seien ein großes Thema. „Die Vereine kommunizieren ihre Veranstaltungen auf unterschiedlichen Kanälen. Einige nutzen Messenger-Dienste, andere hängen Zettel aus, manche haben Online-Kalender. Die Einwohner wünschen sich eine bessere Organisation“, so Sven Luzar. Eine mögliche Lösung dafür könnte beispielsweise eine App zu vereinsübergreifenden Organisation sein. Ganz oben auf der Wunschliste stand auch die Dienstleistungsbörse. Darüber kann zum Beispiel kurzfristig einen Babysitter oder jemanden der den Hund ausführt, gefunden werden.

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Dankbar nahm das Projektteam die Ideen auf. „Im nächsten Schritt schauen wir uns an, was sich wie umsetzen lässt und einfach in der Handhabung ist“, so Sven Luzar. Daniel Terwersche macht aber auch klar: „Allgemein geht es uns in Ellewick gut und wir sind zufrieden. Das ist Verbessrung auf hohem Niveau.“ Er weiß, andere Dörfer in Deutschland haben mit weit größeren Herausforderungen zu kämpfen.

Dorf 4.0 auf einem guten Weg

Damit das Projekt wirklich klappt, war für das Projektteam besonders wichtig herauszufinden, woran die Umsetzung ihrer Ideen scheitern könnte. „Gründe sind vor allem fehlende finanzielle Mittel, Datenschutz oder schlichtweg niemand, der sich als zentraler Ansprechpartner kümmern will“, erklärt Sven Luzar.

„Dorf 4.0“ läuft schon drei Monate. Das Team, zu dem auch der Vorstand der Bürgergenossenschaft Use Dorp und use Heimat gehört, nimmt sich nun zwei Monate Zeit, um den Bedarf im Dorf zu analysieren. Darauf folgen die Entwurfsphase und die Umsetzung.

Das Projekt „münster.land.leben“ ist aber nicht nur in Ellewick aktiv. Insgesamt umfasst es 13 Teilvorhaben, die Gesundheitsversorgung, Teilhabe und Wohlbefinden im ländlichen Raum stärken wollen.

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