Dorfkinder-ABC: Was es wirklich heißt, auf dem Dorf zu leben

mlzDorfleben

Ministerin Julia Klöckner will mit der Internet-Kampagne #Dorfkinder das Landleben feiern. Wir haben aufgeschrieben, was es wirklich heißt, ein Dorfkind zu sein. Halten Sie sich fest.

Vreden

, 24.01.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dorfkinder haben den Dreh raus.“ „Dorfkinder sind zur Stelle. Da, wo man sie braucht.“ „Dorfkinder behalten das ganze Team im Blick.“ Bundesagrarministerin Julia Klöckner will mit einer Kampagne für den ländlichen Raum werben. Doch ihre am vergangenen Wochenende auf Twitter geposteten Fotos zum Hashtag #Dorfkinder brachten ihr im Internet tausendfachen Spott ein.

Zwei Landeier machen sich Gedanken

Doch wie ist das Dorfleben tatsächlich? Furchtbar oder fantastisch? Unsere Redakteure Victoria Garwer (bekennendes Gaxeler Landei) und Christian Bödding (aufgewachsen in Leer, einem 2300-Seelen-Kaff) haben sich im Dorfkinder-ABC für Vreden dazu augenzwinkernd Gedanken gemacht.

A wie Autobahn

Eine Straße, von der jedes Dorfkind zwar schon mal etwas gehört, sie aber noch nie gesehen hat.

Was verknüpfen Sie mit dem Begriff „Dorfkind“? Schreiben Sie uns per Mail an redaktion.vreden@mdhl.de

B wie Bauer

Nicht unbedingt ein Landwirt, sondern jeder Junggeselle mit kariertem Hemd.

C wie CDU

So ziemlich die einzige Partei, die in Vreden was zu sagen hat. Stichwort: Absolute Mehrheit im Rat. Im tiefschwarzen Münsterland ist das aber keine Kunst. Nicht umsonst heißt es, dass hier selbst Besenstiele gewählt würden, wenn sie denn ein CDU-Parteibuch hätten.

Dorfkinder-ABC: Was es wirklich heißt, auf dem Dorf zu leben

Ein Motiv der Kampagne von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. © Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

D wie Dorfgemeinschaft

Stellen Sie sich vor, eine Kneipe schließt. In der Stadt trinkt man sein Bier dann eben woanders. Auf dem Dorf gründet man eine Bürgergenossenschaft und baut die Kneipe einfach wieder auf.

E wie Einsamkeit

Ein Fremdwort auf dem Dorf. Hier holt man als Dorfkind die Freunde unangemeldet zum Bolzen ab oder klingelt als Jugendlicher seinen besten Kumpel morgens um 3 Uhr aus dem Bett. Fakt ist: Irgendeiner ist immer da.

F wie Führerschein

Ohne Führerschein geht gar nichts. Sobald es geht, wird die Prüfung abgelegt. Und dann wird das Auto vollgepackt mit den Kollegen und Mädels und auf geht’s zum Fast-Food-Restaurant in der Nachbarstadt. Diese erste Fahrt ist Dorf-Tradition!

Dorfkinder-ABC: Was es wirklich heißt, auf dem Dorf zu leben

Ein Motiv der Kampagne von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. © Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

G wie Glücksgefühle

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Das sind die zwei Gemütszustände in Vreden. Gemeint ist die Zeit vor Kirmes und die Zeit nach Kirmes. Dazwischen ist Kirmes. Und wo gibt es glücklichere Menschen als in Vreden zur Kirmes. Einmal im Jahr Kirmes, das ist für Dorfkinder Glück im Überfluss. Punkt.

H wie Haltestelle

Mist, der Bus kommt erst in zehn Minuten. Diesen Satz wird man auf dem Dorf niemals hören. Hier heißt es eher: Super, der Bus kommt schon in einer halben Stunde. Oder: Wow, heute kommt noch ein Bus!

Dorfkinder-ABC: Was es wirklich heißt, auf dem Dorf zu leben

Ein Motiv der #Dorfkinder-Kampagne des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. © Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

I wie Im Geloog

Gefeiert wird in Vreden im Geloog. Heißt: Die Scheine wandern ins Bierglas, wenn das leer ist, wird nachgelegt. Wer nicht zahlt, kriegt auch nichts.

J wie Jugend

Die Zeit, in der Pickel sprießen und Liebeskummer täglicher Begleiter ist. Jugend geht leider viel zu schnell vorbei und als Erwachsener wünscht man sich ständig in seine Zeit als Dorfkind zurück – oder man schimpft über die Jugend von heute.


K wie Kein Netz

Digital-Detox, das ist auf dem Dorf Alltag. Wer hier mal nicht erreichbar sein möchte, macht einfach einen Spaziergang.

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L wie Laktoseintoleranz

Dorfkinder essen, was auf den Tisch kommt.

M wie Milchkuh

Milchkühe sind meist rotbunt oder schwarzbunt, aber niemals lila. Das weiß doch wirklich jedes (Dorf)Kind.

Dorfkinder-ABC: Was es wirklich heißt, auf dem Dorf zu leben

Dass Kühe auf der Straße auftauchen, damit muss man auf dem Dorf rechnen. © Victoria Garwer

N wie Nachbarschaft

Ein Nachbar ist nicht der, der nebenan wohnt. Nein, nein. Hier gibt es feste Nachbarschaften mit festen Regeln.

O wie Oma und Opa

Zwar ist im Dorf fast jeder mit jedem verwandt, aber Sonntagsbesuche bei Oma und Opa sind trotzdem etwas Besonderes. Denn: vor allem Omas haben für ihre Enkel immer was übrig.

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P wie Plattdeutsch

Platt proten hört debie un wenn kinn Platt kaas kümms ock nich door tüschken.

Q wie Querulant

Solche Menschen soll es vereinzelt auch im Dorf geben. Zumeist sind es zugezogene Städter, die sich darüber aufregen, wenn die Nachbarhecke fünf Zentimeter aufs eigene Grundstück ragt.

R wie Reden

Vreden gleich reden. Jan hat Heike mal geküsst, obwohl die mit Dieter zusammen war. Das weiß jeder. Schließlich hat Nadine es gesehen und sofort der Moni erzählt.

Dorfkinder-ABC: Was es wirklich heißt, auf dem Dorf zu leben

Ein Motiv der Kampagne von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. © Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

S wie Saufen

Kann man sich bei öffentlichen Veranstaltungen sparen (und spart eine Menge Geld), wenn man beim >Vorsaufen alles richtig gemacht hat.

T wie Transitabkommen

Dorfkinder in Vreden kennen keine Grenzen. Mal eben ins Ausland? Kein Problem. Die Niederlande sind ja nur einen Katzensprung entfernt. Haben Sie was zu verzollen? Ja. 400 Kilo Bitterbollen ähh -ballen.

U wie Universität

Egal wie sehr ein Dorfkind seine Heimat liebt, irgendwann geht‘s raus in die weite Welt, zur Uni. Doch das sind meist kurze Ausflüge in die Großstadt. Am Wochenende wird im Dorf gefeiert!

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V wie Vorsaufen

Die erste Hürde bei Partys: Das Vorsaufen überstehen. Die ersten Pullen Schnaps und Sixer Bier sind schon weg, bevor es überhaupt los geht – gegen 0 Uhr.

W wie Wohnung

Großstadt: Ein-Zimmer-Wohnung mit Toilette in der Küche. Dorf: Sechs Zimmer, drei Badezimmer, Waschküche und Garten. Gleicher Mietpreis.

X wie X-Men

Man muss nicht ins Kino gehen, um sich Mutanten mit außergewöhnlichen Kräften anzusehen. Dazu reicht wahlweise ein Gang durchs Schützenfestzelt in Lünten kurz vor dem Kehraus oder der Besuch des Fußballspiels des Dorfvereins gegen den Klub aus dem Nachbardorf.

Y wie Youtube

Kein Beauty-Palace, keine Mitschnitte von PC-Spielen. Wenn man bei Youtube nach Vredener Videos sucht, findet man die Blaskapelle, die Kirmes, große Schuhe und Landwirte beim Maishäckseln.

Z wie Zug

Christian Anders sang „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“. Selbst wenn Dorfkinder einsteigen wollten – in Vreden gibt es nicht mal Gleise. So eine…

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