Drogendealer sechs Tage nach Prozess erneut mit Drogen erwischt

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Bei einer Wohnungsdurchsuchung hat die Polizei bei einem Vredener Marihuana, LSD-Trips und Ecstasy gefunden. Er handelte damit und war kein Unbekannter bei Gericht und Polizei.

Vreden

, 16.03.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Insgesamt 63 Gramm Marihuana, LSD-Trips und Ecstasy fanden Polizeibeamte bei der Durchsuchung der Wohnung eines Vredener Paares. Ein Paar sind die beiden jetzt nicht mehr. Er musste sich am Freitag wegen Drogenhandels vor dem Ahauser Amtsgericht verantworten. Sie wurde als Zeugin aus der Justizvollzugsanstalt in Bielefeld vorgeführt - in Handschellen.

Der 25-jährige Vredener selber sprach vor Gericht von einer „geringen Menge“ Drogen, die er für sich und seine Freundin in der Wohnung hatte. Dass er als Dealer auch Drogen verkaufte, stritt er vor dem Schöffengericht zunächst ab.

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Für das Gericht waren die Aussagen des Angeklagten nicht unbedingt glaubhaft. In der Wohnung wurden auch eine Feinwaage und Tütchen für kleinere Mengen Drogen gefunden.

Zweifel an Aussage des Angeklagten

Zweifel hatte das Gericht auch, weil der Angeklagte - er lebte angeblich von 200 Euro Taschengeld von seinem Vater - dem Gericht erzählte, dass er für 170 Euro Drogen gekauft hatte. Bei der Wohnungsdurchsuchung wurden außerdem 270 Euro sichergestellt.

„Besitz oder Handel ist für die Strafe nicht so entscheidend“, verdeutlichte der Vorsitzende dem 25-Jährigen, dass ihm „wichtig ist, dass jemand zu dem steht, was er getan hat“. Er empfahl dem Angeklagten, den Drogenhandel „besser zuzugeben, als sich um Kopf und Kragen zu reden“.

Nach einer Unterbrechung und Rücksprache des Angeklagten mit seinem Anwalt räumte der dann ein, mit Drogen gehandelt zu haben. „Um den Eigenkonsum zu finanzieren“, erklärte der Angeklagte.

Große Menge Marihuana für den Eigenbedarf

Er habe das Gramm Marihuana für 6,50 Euro eingekauft und für 10 Euro verkauft. Rund zwei Drittel der gekauften Menge sei für den Eigenbedarf gewesen, erklärte der Angeklagte.

„Das geht nicht auf, wenn sie so wenig aufschlagen“, meinte der Richter. „Das ging nie auf“, entgegnete der Angeklagte.

Seine ehemalige Freundin wurde dem Gericht dann in Handschellen vorgeführt. Von der 31-Jährigen wollte der Richter wissen, ob der Angeklagte mit Drogen gehandelt hat. „Er hat damit sein Geld verdient“, räumte die Zeugin ein. Und: „Er hat damit kein Geld gescheffelt.“

Von LSD und Ecstasy habe sie nichts gewusst oder mitbekommen, sagte die Zeugin. Selber habe sie neben Marihuana auch Amphetamine konsumiert, diese aber nicht von dem Angeklagten erhalten. „Was Amphetamine angeht, war sie unschlagbar“, hatte der Angeklagte dem Gericht vorher berichtet.

Bei Bewährungshilfe ein Musterklient

Als der Richter die Untersuchungsergebnisse über den Wirkstoffgehalt der Drogen verlas, wurde deutlich, dass es sich nicht, wie vom Angeklagten behauptet, um „geringe Mengen“ handelte, sondern um Mengen, die das Gericht in seiner Urteilsfindung anders beurteilen musste.

Die Bewährungshelferin stellte dem Gericht anschließend den Angeklagten als einen Musterklienten vor. Er habe keinen Termin versäumt und 100 Sozialstunden aus einem früheren Urteil innerhalb von zwei Monaten abgearbeitet.

Auf eigene Initiative - das sei selten - gehe der Angeklagte im Mai in eine Fachklinik, um seine Drogensucht zu behandeln. „Ich will mich von Grund auf ändern“, erklärte der Angeklagte dem Gericht.

Richter „positiv überrascht“

„Ich war positiv überrascht, als ich das Bewährungsheft gelesen habe“, meinte auch der vorsitzende Richter. Gleichzeitig erinnerte er an das Vorstrafenregister des Angeklagten, das sechs Eintragungen hat: Betäubungsmitteldelikte, Kennzeichenmissbrauch, Fahren ohne Fahrerlaubnis.

In seinem Plädoyer sah der Staatsanwalt den unerlaubten Besitz und das Handeltreiben mit Drogen als erwiesen an. Besonders legte er dem Angeklagten zur Last, dass nur sechs Tage nach einem Drogenprozess gegen ihn Drogen in seiner Wohnung gefunden wurden.

Das spreche für ein erhebliches Maß an Uneinsichtigkeit und für ihn sei „kein minderschwerer Fall mehr anzunehmen“. Ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe lautete seine Forderung.

Therapie auf eigenen Wunsch

„Mein Mandant ist betäubungsmittelabhängig“, fragte der Verteidiger den Ankläger, warum er sich darüber wundere, dass sein Mandant wieder mit Drogen angetroffen wurde. „Er macht eine Therapie von sich aus und nicht aus dem Druck heraus, dann nicht in den Knast zu müssen“, stellte der Anwalt den Wunsch seines Mandanten zur Veränderung heraus. Das Strafmaß stellte er in das Ermessen des Gerichts.

Das verurteilte den Vredener dann wegen Besitzes und Handelns mit Drogen zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt für drei Jahre auf Bewährung. Außerdem trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens und muss erneut 100 Stunden in einer sozialen Einrichtung arbeiten.

Die Bewährungsstrafe sprachen der Richter und seine beiden Schöffen „relativ bedenkenlos“ aus, weil sie „das Gefühl“ hatten, dass bei dem Angeklagten ein Umdenken eingesetzt hat. „Wir sind der Auffassung, dass es möglicherweise Klick gemacht hat“, schloss der Richter die Verhandlung.

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