Nach der E-Center-Ablehnung: „Es muss etwas passieren in der Innenstadt“

mlzBierbaumgelände

Gegner und Befürworter einer Edeka-Center-Ansiedlung auf dem Bierbaumgelände kreuzten im Vredener Rat die Klinge. Das Vorhaben fiel durch. Deutliche Kritik gab es für den Mitbewerber.

Vreden

, 16.12.2019, 13:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn sich die Gegner der E-Center-Ansiedlung gefreut haben, dann im Stillen. Jubel brandete bei den gut 50 Zuhörern der Ratssitzung am Freitagabend nicht auf. Manche Ratsmitglieder tuschelten, einige schüttelten den Kopf.

Denkbar knapp votierte der Vredener Rat am Freitagabend in geheimer Abstimmung gegen das Edeka-Center und den Bau von 150 bis 165 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern auf dem Bierbaum-Gelände (wir berichteten).

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„Intransparent“, nannte Heinz Gewering (CDU) die Art der Abstimmung.

Dabei hatte die Verwaltung zuvor alle Fakten auf den Tisch gelegt. Es gehe darum, Chancen und Risiken abzuwägen, sagte Fachbereichsleiter Joachim Hartmann. Stimme der Rat zu, würde die Brache verschwinden, es gäbe Wohnraum und eine Verbesserung des Versorgungsangebotes.

Überarbeitete Pläne

„Aber es gibt auch Auswirkungen auf die Innenstadt und die sonstige Nahversorgungsstruktur,“ verhehlte Joachim Hartmann nicht. Die überarbeiteten Pläne von Investor Max Stroetmann aus Münster sahen ein E-Center mit einer Gesamtverkaufsfläche von 2700 Quadratmetern vor.

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Davon hätte das E-Center selbst 2500 Quadratmeter in Anspruch genommen, 200 Quadratmeter wären als Vorkassenbereich hinzugekommen. Zudem umfassten die Pläne den Bau von Mehrfamilienhäusern.

Joachim Hartmann sprach über die Auswirkungen des E-Centers auf die Innenstadt und die Mitbewerber. Der K+K-Markt am Domhof werde erst dann nicht geschädigt, wenn das E-Center seine Verkaufsfläche auf unter 2000 Quadratmeter reduziere. Auswirkungen auf den K+K-Markt Ottensteiner Straße seien nicht schützenswert.

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Hartmann berichtete auch über kritische Stellungnahmen des Citymanagements und der Vredener Wirtschaftsvereinigung.

Ökologische Entwicklung

Die Auswirkungen auf den Einzelhandel sprach Gertrud Welper (Grüne) an. „Kein Edeka wird die Stadt nicht weiterbringen.“ Sie selbst stimme den Plänen zu, in der Fraktion sei die Meinung geteilt.

Die Vorschläge der Firma Stroetmann würden Vreden mit Blick auf den sozialen Wohnungsbau weiterbringen, sagte Welper. Sie sehe eine gute ökologische Entwicklung, wenn diese Form des Wohnungsbaus in der Stadt realisiert werde.

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„Auch in unserer Fraktion werden wir unterschiedlich abstimmen“, sagte CDU-Fraktionschef Heinz Gewering. Er lehne die Pläne ab, „aber es geht nicht darum, Wettbewerbsverhinderung zu betreiben. Es muss etwas passieren in der Innenstadt.“

Gewering bezog sich auf Äußerungen von K+K-Chef Rolf Klaas in der Münsterland Zeitung, dass im 40 Jahre alten K+K-Markt an der Ottensteiner Straße investiert werde müsse. „Ich erwarte von K+K, dass sie etwas umsetzen werden.“

„Keine Auswirkungen auf Innenstadt“

Reinhard Laurich (SPD) sagte, dass die Kritik an den Plänen vor allem vom Mitbewerber (K+K) kämen. Laurichs Feststellung: „Das E-Center hat keine Auswirkungen auf die Innenstadt.“

Der Bau von 150 Wohnungen würde Vreden weiterhelfen. „Wir brauchen Fachkräfte und wir brauchen massiv Wohnungen. Deshalb stimmen wir für den Vorschlag. Er ist realitätsnah.“

Auf Antrag von Reinhard Laurich (SPD, l.) wurde über die Pläne zur Ansiedlung eines E-Centers auf dem Bierbaum-Gelände geheim abgestimmt. Gemeinsam mit Heinz Gewering (CDU, M.) zählte Laurich die Stimmen aus.

Auf Antrag von Reinhard Laurich (SPD, l.) wurde über die Pläne zur Ansiedlung eines E-Centers auf dem Bierbaum-Gelände geheim abgestimmt. Gemeinsam mit Heinz Gewering (CDU, M.) zählte Laurich die Stimmen aus. © Christian Bödding

Den von Laurich eingebrachten Antrag auf geheime Abstimmung stützten später neben dem SPD-Fraktionsvorsitzenden noch weitere neun Ratsmitglieder.

Elmar Kampshoff machte keinen Hehl daraus, dass die UWG gegen das E-Center sei. „Die Brache hat uns in den letzten 20 Jahren nicht wirklich geschadet.“ Sollte das Einkaufscenter weitergeplant werden, sei mit jahrelangen Rechtsstreitigkeiten zu rechnen.

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„Das Herz der Innenstadt schlägt schwach“, sagte Kampshoff. „Schuld daran ist aber nicht das E-Center, das es noch gar nicht gibt.“

Schuld seien unter anderem die Innenstadtakteure. „Vreden ist bei der Nahrungsmittelversorgung mehr als gut aufgestellt. Wir brauchen keinen zusätzlichen Supermarkt, wir hätten nur gerne mehr Attraktivität.“

Eine ausgewogene Versorgung der Bevölkerung sei ohne E-Center wahrscheinlicher, als mit einem E-Center. Elmar Kampshoff zitierte Fachbereichsleiter Joachim Hartmann, der die für die Ansiedlung erforderliche Ausweitung des zentralen Versorgungsbereichs als „kleines Problem“ bezeichnet habe.

Elmar Kampshoff: „Wir sind gespannt, wo die großen Probleme liegen.“ Hendrik Mulder (FDP) sah die Erweiterung des Versorgungsbereichs ebenfalls rechtlich kritisch.

„Wettbewerb hat noch keinem geschadet“

Hermann Geesink (CDU) zeigte sich als deutlicher Verfechter der E-Center-Ansiedlung. „Wettbewerb hat noch keinem geschadet.“ Sollten die Pläne abgelehnt werden, habe er nur einen Wunsch: „dass die Innenstadt wieder läuft, auch ohne E-Center.“

Eine kleine Spitze schickte Hermann Geesink an Reinhard Laurich und dessen Antrag auf geheime Abstimmung: „Ich stehe zu meiner Entscheidung.“ Laurich wiederum appellierte an alle Ratsmitglieder: „Wer glaubt, dass sich in der Innenstadt etwas zum Negativen verändert, der sollte gegen das E-Center stimmen.“

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Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch ergriff als letzter Redner vor der Abstimmung das Wort. Die Äußerungen von Rolf Klaas seien „amüsant“ gewesen, sagte Holtwisch und bezog sich darauf, dass der K+K-Chef sich darüber geärgert habe, dass der Bürgermeister in einem Fachausschuss für das E-Center gestimmt habe. „Und das, obwohl er Vreden demnächst den Rücken kehrt“, hatte Rolf Klaas erklärt.

Auch wenn er bei der nächsten Bürgermeisterwahl nicht kandidiere, „selbstverständlich habe ich auch weiterhin eine Meinung“, sagte Holtwisch. Er werde für die vorgelegten Pläne stimmen, „mit Respekt für jene, die anders entscheiden.“

„Ein Kompromiss“

Max Stroetmann plane das E-Center mit Verzicht auf Begleitmärkte und unter Verzicht auf Verkaufsflächen. Holtwisch: „Es ist ein Kompromiss, maximalst ausgereizt.“

„Das Vorhaben mag kritische Auswirkungen auf die Innenstadt haben“, sagte Christoph Holtwisch. „Aber wenn ich auf die Waage sehe, dann schlägt sie zugunsten des E-Centers und der Wohnungen aus.“

Wie knapp die Waage ausschlug, zeigt das Ergebnis (bei einer Enthaltung): 16 Ratsmitglieder sahen mehr Chancen, 18 Ratsmitglieder mehr Risiken.

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