Eichenprozessionsspinner: So möchte die Stadt Vreden eine erneute Plage verhindern

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Gefühlt jeder Baum in Vreden ist vom Eichenprozessionsspinner befallen. Das Problem hat auch die Stadt erkannt. Sie ergreift jetzt Maßnahmen, damit sich das nächstes Jahr nicht wiederholt.

Vreden

, 10.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stadt hat das Problem der Eichenprozessionsspinner (EPS) erkannt, eine Universal-Lösung ist allerdings nicht in Sicht. So hat es die Verwaltung in der vergangenen Ratssitzung auf Antrag der FDP berichtet. „Die Bürger haben die Erwartungshaltung, dass sie uns einen Befall melden und wir umgehend tätig werden. Das ist sicherlich verständlich, aber dem können wir nicht gerecht werden. Wir stoßen an unsere Grenzen“, sagte Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch.

Der Befall sei in diesem Jahr „erheblich, massiv und flächendeckend“. Ein Gespräch mit den Bürgermeistern anderer Kommunen habe gezeigt, dass die Situation überall ähnlich sei. „Im Ordnungsamt klingelt täglich das Telefon. Wir nehmen jede Meldung in eine Liste auf und priorisieren dann“, erklärte Bernd Kemper, Erster Beigeordneter.

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Zuerst werden demnach Nester in der Nähe von Kindergärten, Schulen, Spielplätzen oder Seniorenheimen entfernt. Aber auch das geht nicht immer so schnell wie gewünscht. „Die erste Fachfirma, die wir kontaktiert haben, hat direkt abgesagt, weil die Bücher schon voll waren. Die zweite hat zugesagt, erledigt die Arbeiten aber wegen der vielen Aufträge nur schleppend. Bei drei weiteren Firmen gab es Absagen, bei zwei stehen wir auf der Warteliste“, berichtete Bernd Kemper weiter.

Eichenprozessionsspinner: So möchte die Stadt Vreden eine erneute Plage verhindern

Die Nester der Eichenprozessionsspinner sind überall. © Markus Gehring

Das Problem ist also auch der Stadt bewusst. Eine Lösung kann die Verwaltung aber nicht nennen. Eines ist jedoch klar: Im nächsten Jahr soll sich diese Situation wenn möglich nicht wiederholen. Deswegen plant die Verwaltung verschiedene Maßnahmen.

Erstens: Informationen einholen

Lösungsvorschläge, wie man dem Befall von Eichenprozessionsspinnern Herr werden kann, gibt es viele. Die Verwaltung möchte sich die Ideen in den kommenden Wochen näher anschauen.

Eine Erfindung aus Emsdetten wird in den sozialen Netzwerken besonders häufig geteilt. Mit 97 Grad heißem Schaum werden die Raupen getötet und fallen dann vom Baum. Die Brennhaare sollen durch die Hitze ebenfalls unschädlich gemacht werden. Bernd Kemper kündigte an, dass sich die Stadt mit dem Emsdettener in Verbindung setzen wird, um zu prüfen, ob das Verfahren in Vreden einsetzbar ist.

In den Niederlanden setzt man hingegen auf die Ansiedlung von natürlich Feinden der Raupen. Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen sollen in extra dafür aufgehängten Nistkästen einziehen und die Eichenprozessionsspinner fressen. Das hat auch die Ideenfabrik Vreden aufgegriffen und in einer Wochenendaktion Nistkästen angefertigt. Die Stadt begrüße dieses Engagement, sei aber skeptisch, ob man wirklich so viele Vögel ansiedeln könne, dass die Plage eingedämmt wird, so Bernd Kemper.

Zweitens: Mehr Geld zur Verfügung stellen

„Wir werden im nächsten Haushalt die Mittel für die Schädlingsbekämpfung erhöhen“, kündigte Bernd Kemper an. Wie viel Geld die Stadt in diesem Jahr für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ausgibt, kann er jetzt noch nicht sagen. Im nächsten Jahr soll dafür auf jeden Fall „eine deutlich höhere Summe“ zur Verfügung gestellt werden.

Drittens: Bauhof ausstatten und Personal schulen

Der Rat hat die Verwaltung auf Antrag der FDP beauftragt, zu prüfen, ob durch zusätzliche Investitionen in eine eigene Ausrüstung eine zuverlässigere Schädlingsbekämpfung angeboten werden kann. Dem steht die Verwaltung durchaus positiv gegenüber.

Die Idee: Der Bauhof wird mit Geräten ausgestattet und das Personal geschult, sodass die Stadt nicht mehr grundsätzlich auf Fachfirmen angewiesen ist. „Dann können wir zumindest in ganz akuten Fällen an Brennpunkten selber aktiv werden“, sagte Bernd Kemper.

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Mit Insektengift wurden einige Baumreihen übrigens auch in diesem Jahr schon vorsorglich besprüht. Allerdings mit eher mäßigem Erfolg, wie der Erste Beigeordnete berichtet. „Wir wissen nicht, woran das liegt. Es gab Jahre, da haben wir nicht gesprüht und es gab auch kaum Eichenprozessionsspinner. In diesem Jahr haben wir gesprüht und es gibt sie fast überall“, so Bernd Kemper.

Keine Schulungen für Privatleute

Das alles gilt nur für Bäume im Besitz der Stadt. Für private Bäume sind die jeweiligen Eigentümer verantwortlich. Privatpersonen für die Entfernung der Nester schulen möchte die Stadt jedoch auf keinen Fall. Schließlich warnt das Landesministerium eindringlich davor, sich den Raupen zu nähern.

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