Einbrecher legen Technik lahm – rund 900 Schweine verenden im Stall von Familie Röring

Einbruch in Maststall

Unbekannte sind in einen Stall in Ellewick eingebrochen und haben die Stromversorgung gekappt. 900 Schweine starben. Der Stall gehört zum Hof des Sohns von Bauernpräsident Johannes Röring.

Vreden

, 14.01.2019, 17:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einbrecher legen Technik lahm – rund 900 Schweine verenden im Stall von Familie Röring

In einem Mastbetrieb in Ellewick– hier ein Foto aus einem Stall in Mecklenburg-Vorpommern – sind nach einem von Unbekannten verursachten technischen Defekt rund 900 Mastschweine erstickt. © picture alliance / Stefan Sauer/

Die Polizei verbreitete die Nachricht am späten Montagnachmittag: Der Besitzer des Schweinemastbetriebs in Vreden-Ellewick hatte am Montagmorgen festgestellt, dass alle in einem Stall untergebrachten Mastschweine – nach eigenen Angaben etwa 900 – verendet waren. Der Eigentümer informierte die Polizei und das Kreisveterinäramt.

Gewaltsam Zutritt zum Technikraum verschafft

Nach ersten Erkenntnissen, so teilte die Polizei mit, hatten sich Unbekannte im Zeitraum von Sonntag, 18 Uhr und Montag, 8.50 Uhr gewaltsam Zutritt zu einem zum Stall gehörenden Technikraum verschafft und dort eine Stromversorgung abgeschaltet. „In der Folge war die für die Tiere lebensnotwendige ständige Be- und Entlüftung der Stallung nicht mehr gegeben und sie verendeten“, heißt es weiter in der Pressemeldung der Polizei. Um welchen Hof in Ellewick es sich handelt, teilte die Polizei nicht mit. Die Eigentümerfamilie wolle sich am Dienstag gegenüber der Öffentlichkeit äußern, hieß es auf Nachfrage bei der Pressestelle der Polizei.

Am Nachmittag teilte die Deutsche Presseagentur (DPA) mit, dass es sich nach ihren Informationen um den Betrieb handele, den der Sohn des CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Röring bewirtschaftet. Johannes Röring ist auch Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes.

Die Familie war am Montag zunächst zu keiner Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion bereit. Johannes Röring persönlich reagierte am Abend auf eine Anfrage unserer Redaktion. Telefonisch meldete er sich aus Berlin, wo er gerade wegen der Sitzungswoche im Bundestag vor Ort ist. Er bestätigte, dass es sich bei dem betroffenen Stall um den Hof seiner Familie handele. Weitere Details könne er dazu jedoch im Moment noch nicht mitteilen und verwies auf den Bericht der Polizei.

Feuerwehrleute unter Atemschutz im Einsatz

Wie Jürgen Depenbrock, Leiter des Ordnungsamtes Vreden, auf Anfrage der Redaktion mitteilte, war er am Montag vor Ort. Um 12.54 Uhr sei die Feuerwehr informiert worden und Kräfte der Löschzüge Ammeloe und Vreden seien zu dem Hof ausgerückt. Zunächst hätten sie Messungen der Luft in dem Stall durchgeführt. Die Ergebnisse hätten deutlich gemacht, dass ein Einsatz der Feuerwehrleute nur unter Atemschutz möglich war. Die Feuerwehrleute öffneten unter Atemschutz die Fenster des Stalls und setzten einen Hochleistungslüfter ein.

Einbrecher legen Technik lahm – rund 900 Schweine verenden im Stall von Familie Röring

Eine Außenaufnahme vom Schweinemastbetrieb von Ch. Röring © picture alliance/dpa

Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf rund 100.000 Euro. Die Beamten ermitteln in alle Richtungen. Einbrüche in Schweinemastställe, in deren Folge Tiere verendet sind, sind nach Angaben der Polizei im Kreis Borken und des Veterinäramts des Kreises Borken, das am Montag ebenfalls eingeschaltet war, bislang noch nicht im Kreis Borken vorgekommen. Hinweise erbittet die Kripo unter Tel. 02561 9260.

940 Schweine im August 2013 nach technischem Defekt verendet

Ende August 2013 geriet ein Vorfall in einem Maststall von Christian Röring, dem ältesten Sohn von Johannes Röring, in die überregionalen Schlagzeilen. Rund 940 Schweine waren damals nach einem technischen Defekt in einem seiner Mastställe verendet, weil nach einem Blitzeinschlag auch die Alarmanlage nicht funktionierte. Erst vier Wochen später wurde der Vorfall öffentlich gemacht.

Die Schweine waren am 23. Juli 2013 erstickt, als in der Nacht wegen des technischen Defekts die Lüftungsanlage ausfiel. An Tag zuvor war es 32 Grad warm, nachts rund 15 Grad gewesen. Eine damals erfolgte rechtliche Überprüfung durch den Kreis Borken hatte ergeben, dass dem Halter kein Vorwurf gemacht werden könne. Nach einem Gutachten war beim Ausfall der defekten Anlage zwar eine Meldung an die Alarmanlage verschickt worden, diese war aber durch einen Blitzeinschlag zu diesem Zeitpunkt bereits defekt.

Tierrechtler brachen 2016 in Stall ein und machten Videoaufnahmen

Eingebrochen in einen Maststall von Johannes Röring wurde bereits im Jahr 2016: Aktivisten fertigten dort Videos an, die von der Tierrechtsorganisation Peta veröffentlicht wurden. Diese Videos, sollten den Verdacht auf Tierquälerei belegen. Dahingehende Anzeigen der Organisationen Peta und Animal public gegen Johannes Röring wurden von der Staatsanwaltschaft Münster eingestellt.

In einer ersten Version dieses Textes hatten wir berichtet, dass Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta in den Stall eingebrochen seien. Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei Peta, stellt dazu gegenüber unserer Redaktion fest: „Wir erstellen keine Videos mehr. Die Ermittlungsabteilung haben wir 2012 aufgegeben. Wir veröffentlichen lediglich Videomaterial, das uns zur Verfügung gestellt wird.“
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