Erfolg der Olympia-Taube hat auch die leidenschaftlichen Züchter überrascht

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Stolz zeigen Walter Göring und Hermann Rosing die Urkunde. Sie bescheinigt den Taubenzüchtern, dass ihre Arbeit erfolgreich war. Eine ihrer Taube ist eine Olympia-Siegerin.

Vreden

, 05.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon vor dem Taubenschlag im Garten ist es zu hören, das Schlagen der Flügel und das leise Kratzen der Füße auf den Gittern. Im Inneren laufen und flattern die Tiere durcheinander. Bis Walter Göring den Schlag betritt und einmal kurz pfeift. „Rein“, ruft er leise. Nur Sekunden später sitzen alle Tauben ruhig und abwartend in ihren „Häusern“, wie der Züchter es nennt.

In einer Box ganz links auf Augenhöhe hockt die momentan wertvollste Taube der Schlaggemeinschaft Göring und Rosing: die Täubin mit dem Namen Olympic Girl. „Sie hat bei den Olympischen Spielen der Brieftauben in der Kategorie Sport, Langstrecken deutschlandweit den zweiten Platz gemacht“, sagt Hermann Rosing stolz.

Konkret heißt das, dass die weibliche Taube in den letzten zwei Jahren sechs Flüge über 500 Kilometer gemacht hat. Von allen Tauben deutschlandweit hat sie dabei insgesamt das zweitbeste Ergebnis erreicht.

Die Abstammung und die Pflege zählen

„Wir wussten, dass sie einige Preise gewonnen hat, aber wir wussten nicht, dass sie so gut ist“, freut sich Hermann Rosing. Der Anruf vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter kam für ihn total überraschend. „Das ist ein Erfolg, den man wahrscheinlich nur einmal im Leben hat.“

Walter Göring glaubt zu wissen, wo dieser Erfolg herkommt: „Die Oma dieser Täubin war schon sehr erfolgreich. Sie war sechs Mal Schlagbeste und die Zwölftbeste von Deutschland.“ Aber nicht nur die Abstammung sei wichtig: „Man muss sich auch gut um die Tiere kümmern.“

Automatisierung im Taubenschlag

Damit das bei ihm immer klappt, hat er seine Schläge mit ein bisschen Technik ausgestattet. Eine Zeitschaltuhr sorgt zum Beispiel dafür, dass dreimal am Tag frisches Wasser nachgefüllt wird. Der Kot der Tauben fällt durch ein Gitter auf ein Laufband. „Wenn ich das ansetze, wird der Dreck automatisch abgeschabt und landet in einem Eimer. Ich muss dann nur noch den Eimer ausleeren“, erklärt der 66-Jährige.

Auch der Wertungsprozess ist im Gegensatz zu früher heute vollautomatisch. Wenn die Tauben am Samstag nach einem Preisflug zum Schlag zurück kommen, registriert ein Computer die Rückkehr und übermittelt die Zeit. Trotzdem sitzt die Schlaggemeinschaft aus Walter Göring und Hermann Rosing an solchen Tagen zusammen. „Der Taubensport ist einfach spannend“, meint Göring.

Spannende Stunden im Garten

Eine ganze Gruppe von Taubenfreunden sitzt dann im Garten. Dank verschiedener Whatsapp-Gruppen bekommen sie mit, wenn die Vögel in den Nachbarorten wieder da sind. Dann wissen sie: Jetzt ist es auch bei uns gleich so weit. Sie schauen in den Himmel, steigen eventuell sogar auf die Tische und halten Ausschau. „Wir erkennen sofort, welche Taube es ist. Das ist ganz eindeutig“, findet Walter Göring. Und: „Ohne die Unterstützung unserer Frauen und der Familie wäre so etwas aber nicht möglich.“

Erfolg der Olympia-Taube hat auch die leidenschaftlichen Züchter überrascht

Die Täubin „Olympic Girl (r.) war bei den Olympischen Spielen der Brieftauben die Zweitbeste deutschlandweit. © Victoria Thünte

Walter Göring ist in der Schlaggemeinschaft für die Reisetauben zuständig. 90 Vögel sind es im Moment. Sein Kollege Hermann Rosing kümmert sich um die 50 Zuchttauben. Er sorgt also für den Nachwuchs. Die Jungtauben wechseln in den Schlag von Göring und fliegen dann die Preisflüge.

Eine Sache macht den beiden Taubenfreunden aber Sorgen. „Hier in der Umgebung wurden ganz schön viele Wanderfalken ausgesetzt“, sagt Walter Göring. Innerhalb von 14 Tagen seien zehn der Jungtauben getötet worden. Aber auch von den älteren Tauben kommen nicht immer alle zurück. Viele werden außerdem von Raubvögeln verletzt. „Die Tauben haben es nicht leicht“, meint Hermann Rosing.

Chinesen zeigen Interesse an der Vredener Taube

Deswegen können die Taubenzüchter die erfolgreiche Taube Olympic Girl im Moment auch nicht fliegen lassen. Die Gefahr, dass ein Raubvogel das Tier tötet, ist einfach zu groß. Schließlich ist der Vogel durch die Auszeichnung nun viel Geld wert. Eine Gruppe von Chinesen hat sich schon bei der Schlaggemeinschaft gemeldet. Sie kommen Ende des Monats, um sich die Taube anzuschauen. In China kann man mit dem Taubensport viel Geld verdienen. Deswegen bezahlen die Chinesen auch mal fünfstellige Beträge für erfolgreiche Tauben, um damit zu züchten. Ob die beiden Vredener Olympic Girl aber tatsächlich verkaufen oder doch lieber behalten wollen, haben sie noch nicht entschieden.

Einige Jungen der Täubin haben Walter Göring und Hermann Rosing übrigens schon an einen jugendlichen Züchter aus Ahaus abgegeben – kostenlos. Der Nachwuchs muss schließlich unterstützt werden.

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