Experten stimmen für das „Bremer Tor“ und haben Verbesserungsvorschläge

mlzBremer Platz

Vier Konzepte von vier Investoren für den Bremer Platz stehen auf dem Prüfstand. Die Experten vom Mobilen Baukulturbeirat für Westfalen finden deutliche Worte. Und sie haben einen Favoriten.

Vreden

, 20.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Geht es nach dem Mobilen Baukulturbeirat für Westfalen, dann hat nur einer der Investoren eine Chance, den Bremer Platz nach seinen Vorstellungen zu überbauen. Aber auch das „Bremer Tor“ ist ihrer Ansicht nach noch nicht zu 100 Prozent gelungen.

Ehrliche Worte fanden die fünf Experten bei ihrer Sitzung am Dienstag im Vredener Rathaus. Da mussten einige der Investoren schon schlucken. Erstmals hat die Stadt Vreden die Chance genutzt, den Mobilen Baukulturrat ins Boot zu holen. „Es war ein Experiment“, sagte Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch: „Es ist sehr geglückt.“ Gerade die klaren Statements habe er als sehr bereichernd für die Diskussion empfunden. „Das ist eine hervorragende Arbeitsgrundlage.“

Mit den Bewertungen können sich nun die politischen Gremien beschäftigen. Und auch mit einer zusätzlichen Frage. Nur einer der vier Architekten hatte eine Tiefgarage vorgesehen. Die Parkplätze sind in drei Entwürfen im Erdgeschoss angesiedelt. Bis zu 35 Stellplätze. Das sorgt auch für wenig attraktive Fronten, so die Experten. Die Anregung des Beirats: Die Stadt Vreden könnte mit einsteigen und unter der Erde öffentliche Parkplätze anbieten.

Die Bewertungen im Einzelnen:

Experten stimmen für das „Bremer Tor“ und haben Verbesserungsvorschläge

Die Überbetonung der Ecke gefiel dem Beirat in dem Entwurf des Büros Planer-Bund nicht so gut. © Büro Planer-Bund

Mobiler Baukulturrat

  • Bei dem Mobilen Baukulturrat handelt es sich um ein Projekt der LWL-Baukultur in Kooperation mit der Architektenkammer NRW, unterstützt von Stadtbaukultur NRW.
  • Das Pilotprojekt ist für kleinere und mittlere Kommunen ohne eigenen Gestaltungsbeirat gedacht, um diese bei wichtigen städtebaulichen und architektonischen Projekten zu beraten.
  • Dem Beirat gehörten an Darius Djahanschah, Roland Bondzio, Richard Schmalöer, Eckhard Scholz und Hartwig Schultheiß.
  • Der Rat der Stadt kann anschließend mit der Einschätzung des Beirates weiter arbeiten und seine Entscheidungen treffen.
Bremer Tor

Am besten gefiel dem Beirat das Konzept von Jörg Hannemann. Der gebürtige Vredener hat sein Büro Planer-Bund in Südlohn und Dorsten. Er plant mit zwei Vollgeschossen und einem Pultdach. Ins Erdgeschoss sollen ein Bioladen und ein weiteres Einzelhandelsgeschäft. Außerdem sollen hier elf Maisonette-Wohnungen entstehen mit gesamt 1171 Quadratmetern Wohnfläche. Angesprochen auf die großen Wohnungen, erläuterte er: „Wir wollen die Familien zurück in die Stadt holen.“

Gut fanden die Experten, dass er als einziger die Bremer Straße erhalten will. Kritikpunkt ist hier allerdings, dass man in der Gasse auf Garagen schaut. Auch die Pultdachabschlüsse gefielen den Experten, zu denen Architekten und Stadtplaner zählen. „Eine zeitgemäße Fortschreibung“, so der Kommentar. Und: „Wir sehen Entwicklungspotenzial.“

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Investor Christian Hüsken und sein Architekt Jörg Hetkamp setzten auf Dreigeschossigkeit für Einzelhandel und Wohnen. © Architekturbüro Hetkamp

Das Bremer Haus

Ein ähnliches Konzept hat das Bremer Haus des Investors Dr. Christian Hüsken, Rechtsanwalt aus Vreden. Auch er will Einzelhandel und will darüber hinaus Praxis- und Büroräume und 30 Wohneinheiten zu etwa 60 Quadratmetern unterbringen. Dazu braucht er eine Etage mehr als das Bremer Tor.

Die Experten kritisierten vor allem die Auskragung, das heißt, dass das Erdgeschoss zurücksteht. „Warum schneidet man dem Haus die Füße weg“, so Darius Djahanschah vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Sprecher des Beirats. Auch das Dach mit den gleichmäßigen Giebeln erwecke ein falsches Bild. „Als ob man Dreiecke rausgeschnitten hätte“, so einer der Experten. Für die Enge zur Gasse hin sei der Bau außerdem ein Geschoss zu hoch.

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Im "Forum Bremer Platz" plant der Investor Schoo-Immobilien aus Nordwalde, mit einer Apotheke, Physiotherapiepraxis, Tagespflege und Wohnungen. © Architekturbüro Brandt

Forum Bremer Platz

Investor Julian Schoo aus Nordwalde plant hier ein Ärzte- und Gesundheitszentrum und verzichtet auf Einzelhandel. Geplant sind auch 29 kleinere Wohneinheiten und eine Tagespflege. „Es reicht nicht aus, nur durch Vorstellen von Wandscheiben das Gebäude zu gliedern“, gab Darius Djahanschah die Meinung des Beirats wieder. Auch das Flachdach sehen sie nicht positiv. Julian Schoo: „Wir haben auch einen Plan mit einem Satteldach in der Schublade.“

Julian Schoo wie Dr. Christian Hüsken verteidigten ihre Pläne und sagten zu, dass sie zu Bearbeitungen bereit sind. Da gab es eine deutliche Ansage des Beirats. „Das geht über eine Bearbeitung deutlich hinaus“, so Roland Bondzio, „Gestaltung, Volumen, Dimension, das würde ein neuer Entwurf.“ Man müsse genau prüfen, ob man diesen Aufwand leisten wolle.

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Den "Vredener Stadtgarten" hat Investor Alfred Wellers für den Bremer Platz geplant. © Wellers Bauplanung

Stadtgarten 2020

Ganz anders ist das Konzept von Investor Alfred Wellers aus Vreden. „Dass ist ja sympathisch, dass der Investor Vreden einen Park schenken will“, das dachte Darius Djahanschah beim ersten Blick auf die Zeichnung. Doch unter dem Dachgarten ist ja noch eine 1800 Quadratmeter große Gewerbeeinheit geplant, auf dem Dach dann noch Gastronomie. 35 bis 40 Stellplätze werden in eine Tiefgarage gelegt.

„Wenn das Projekt einen Ort ergänzen soll, stellen wir uns mehr ein Gebäude vor“, so der Beirat, der von einem „Nicht-Gebäude“ sprach. „Ein Flachdach mit einem Park ist nicht ein Baustein, nach dem im Inneren Verlangen ist“, so das Urteil. Denn: „Die Stadt ist von Grün geprägt.“ Zudem erlaube dieses Modell den Blick auf die Rückfronten anderer Gebäude.

„Wir sind enttäuscht“, sagte Alfred Wellers zu der Bewertung. „Wir wollen ein Angebot schaffen, wie es sonst in Vreden nicht machbar ist.“ Er sieht es nicht als vordringlich an, Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen, will eben durch Gastronomie und Stadtgarten Menschen anziehen.

Jetzt ist die Politik am Zuge.

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