Familienwerke

Vreden Wie populär der Scherenschnitt im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist, zeigte die Eröffnung der Ausstellung "Luftige Höhen - Buntes Treiben" im Ersten Deutschen Scherenschnittmuseum im Alten Rathaus.

26.09.2007, 16:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zahlreiche Freunde dieser Kunst füllten erst den Festsaal, später die Ausstellung mit Werken von Heinrich Nolden sen. (1876-1941) und Sohn Heinrich jun. (1922-1998). Die Lebensgeschichte der beiden ist beinahe genauso spannend wie die Frage, welcher Scherenschnitt von wem ist. Ewald Kernebeck als Museumsleiter stimmte auf die Lebenssituationen der beiden ein. Vater Heinrich logierte bis 1938 jahrzehntelang im zweiten und dritten Stock des Eiffelturms in Paris - immer "nah am Kunden".

Eiffelturm und Send

Der einzige Sohn Heinrich blieb häufig in Köln, wo die Familie eigentlich lebte. Heinrich junior wuchs in das Handwerk hinein. Er heiratete nach Hamburg-Harburg, bekam die Kinder Brigitte und Reinhard. Als Scherenschneider begann er die Saison im März auf dem Send in Münster und beendete die Jahrmarkttournee auf dem Jungfernstieg in Hamburg kurz vor Weihnachten.

Brigitte Nolden malte vor dem Publikum mit Worten ein Bild, das sie aus ihrer Kindheit vor Augen hatte: Ihre Eltern beim Kopieren der Scherenschnitte ihrer Vorfahren. Die Oma hatte diese Scherenschnitte aus dem kriegszerstörten Köln nach Harburg gerettet.

Der Familiennachlass gelangte 1998 durch den Tod von Heinrich Nolden jun. in den Besitz der Tochter Brigitte, die als Malerin in Hamburg lebt. Erst dadurch wurde ihr Interesse an der "schwarzen Kunst" geweckt. Für eine Ausstellung in Harburg hatte sie intensiver den Nachlass aufgearbeitet. Dabei traten viele Fragen auf, wie sie zur Vernissage in Vreden bekannte. Was stammt von wem - das ist wohl die drängendste Frage.

Eine Dynastie?

Großvater Heinrich starb drei Jahre vor ihrer Geburt. Der Vater habe sich zu dem Thema nie richtig geäußert. Bei der Durchsicht des Nachlasses stieß sie auf weitere Noldens: Arnold und Josef. Die Namen verweisen auf eine ganze Scherenschneider-Dynastie, die bis um 1830 zurückreichen könnte.

"Man müsste das Alter des Papiers feststellen lassen, um darauf Antworten zu erhalten", räumte Brigitte Nolden ein, denn die Praxis des Kopierens von Scherenschnitten erschwere die Zuweisung. Jenseits dieser Frage nehmen die zahlreichen Scherenschnitte gefangen, die in zwei Kabinetten zu sehen sind. Porträts, Landschaften, Märchenmotive, Genreszenen bis hin zu erotischen Schnitten, die Gebing unter einem schwarzen Tuch versteckt, ist alles zu finden. Elvira Meisel- Kemper

Bis 25. November, Öffnungszeiten Di bis Sa 10 bis 12.30, 14.30 bis 17 Uhr, So 14.30 bis 17 Uhr.

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