Anschlag auf FDP-Büro: Vredener Kommunalpolitiker als Nazis beschimpft

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Orange Schmierereien prangen am FDP-Büro in Vreden. Unbekannte Täter haben die Lokalpolitiker als Nazis beschimpft. Hintergrund ist wohl die Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen.

Vreden

, 06.02.2020, 12:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christel Kovermann ist aufgelöst, sprachlos und sauer. Die Vorsitzende des FDP-Ortsverbandes in Vreden spricht von einem Anschlag auf das Parteibüro in der Vredener Innenstadt. Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag den Schriftzug „Nazis raus“ auf eine Scheibe gesprüht. Auf einem zweiten Fenster und an der Wand steht mehrmals „Fuck AfD“.

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„Dass man uns Nazis nennt, das trifft mich besonders“, sagt Christel Kovermann sichtlich aufgewühlt. Über eine andere Beschimpfung, so sagt sie, wäre sie längst nicht so wütend. „Aber dass die FDP Vreden in diese Ecke gestellt wird, das geht gar nicht.“

FDP Vreden distanziert sich von Entscheidung in Thüringen

Der Hintergrund der Schmierereien ist der Lokalpolitikerin sofort klar. Es geht um die Wahl in Thüringen am Mittwoch. Dort wurde der FDP-Politiker Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt. Möglich war das aber nur, weil er neben den Stimmen der CDU auch die der AfD bekommen hat. Deswegen wird der Partei vorgeworfen, sich von Rechtsextremen unterstützen zu lassen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.

„Das war ein ganz schlechter Schachzug“, sagt Christel Kovermann dazu. Schon am Mittwochabend hat sich die FDP Vreden öffentlich von der Entscheidung in Thüringen distanziert. „Überall, wo wir Verantwortung tragen – ob in Vreden, im Kreis oder auf anderen Ebenen – gilt, dass es keinerlei Kooperation mit der AfD geben wird“, heißt es auf der Facebook-Seite des Ortsverbands.

Auch Karlheinz Busen, FDP-Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Borken, schließt in einem Statement eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Und: „Die Wahl im Landtag von Thüringen war ein demokratischer Akt – der Anschlag auf unsere Geschäftsstelle in Vreden dagegen war eine feige und antidemokratische Reaktion linker Extremisten.“

FDP und AfD wollten auf Kreisebene zusammen arbeiten

Die Schmierereien am FDP-Büro an der Mauerstraße hat der Vermieter des Gebäudes am Donnerstagmorgen gegen 9 Uhr entdeckt. Christel Kovermann ist direkt dort hingefahren. Dass die FDP in Vreden Ziel eines Anschlags geworden ist, kann sie nicht verstehen. „Ausgerechnet uns als Nazis zu beschimpfen, das kann ich einfach nicht fassen.“

Anschlag auf FDP-Büro: Vredener Kommunalpolitiker als Nazis beschimpft

Der Schriftzug „Nazis raus“ prangt deutlich am FDP-Büro in Vreden. © Victoria Garwer

Sie verweist auf das Jahr 2014. Damals hat die FDP auf Kreisebene überlegt, im Kreistag eine Fraktion mit der AfD zu bilden. „Dagegen haben wir als FDP Vreden massiv demonstriert“, erzählt Christel Kovermann. Am Ende war der parteiinterne Druck so hoch, dass keine Fraktion zustande kam.

FDP Vreden fühlt sich persönlich betroffen

Dass die Mitglieder der FDP nun als Nazis beschimpft werden, schockt die Ortverbandsvorsitzende. „Wir arbeiten ehrenamtlich an kommunalpolitischen Themen. Wir sind ganz klar gegen Nazis“, macht sie klar. Die Beschimpfung mache ihr Angst. Auch wenn sie weiß, dass wahrscheinlich gar nicht die FDP Vreden, sondern ganz allgemein die FDP mit dem Schriftzug gemeint ist: „Ich fühle mich tief getroffen.“

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Christel Kovermann hat direkt die Polizei gerufen, die sich die Schmierereien vor Ort angeschaut hat. Der Staatsschutz in Münster wurde eingeschaltet, da es sich um eine politisch motivierte Tat handelt. Zeugenhinweise nimmt die Polizei Münster unter Tel. (0251) 2750 entgegen.

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