Felicitasschule soll maximal 190 Schüler haben, um Kosten zu senken

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2015 hatte die Felicitasschule so wenige Schüler, dass sie geschlossen werden sollte. Jetzt sind es so viele, dass die Stadt die Schülerzahl begrenzen will. Es geht um Geld und um Qualität.

Vreden

, 08.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist schon eine etwas kuriose Situation: Noch vor fünf Jahren hat die Felicitasschule um jeden einzelnen Schüler gekämpft, jetzt will die Stadt Vreden die Schülerzahlen begrenzen. Der Bildungs-, Sport- und Kulturausschuss hat dem am Donnerstagabend zugestimmt.

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Denn während im Jahr 2015 der Erhalt der Schule auf der Kippe stand, steigen die Schülerzahlen nun kontinuierlich weiter an. Das liegt vor allem daran, dass viele Förderschulen im Umkreis geschlossen wurden. Im Kreis Borken ist die Felicitasschule inzwischen die einzige Förderschule mit einer Primarstufe für den Förderschwerpunkt Lernen. Deswegen kommen Schüler aus dem ganzen Kreis nach Vreden.

Stadt muss die Fahrtkosten der Schüler zahlen

Und genau da liegt das Problem. „Als Schulträger sind wir als Stadt dazu verpflichtet, die Schülerfahrtkosten zu übernehmen“, erklärte der Erste Beigeordnete Bernd Kemper. Im Haushalt für dieses Jahr sind allein für die Felicitasschule 450.000 Euro eingeplant. Zum Vergleich: Für alle anderen Vredener Schulen gemeinsam liegt die Summe bei 566.000 Euro.

Der Kreis Borken übernimmt lediglich für die Primarstufe, also für die erste bis vierte Klasse, die Fahrtkosten. Danach ist die Stadt zuständig. „Das darf nicht ins Unendliche führen“, verdeutlichte Bernd Kemper.

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Eine Begrenzung der Schülerzahlen soll die Lösung sein. Im Moment besuchen 202 Schüler die Förderschule in Vreden, im nächsten Schuljahr werden es schon 216 sein. Eine Reduzierung soll nun schrittweise erfolgen. In den kommenden Jahren werden also weniger Schüler aufgenommen.

Vredener Schüler haben Vorrang

Das Ziel sind „circa 190 Schüler“, so formuliert es die Stadt. „Damit nicht der 191. Schüler abgewiesen wird“, sagte Bernd Kemper. Die Schulleitung hat also einen gewissen Ermessensspielraum.

„Vredener Schüler mit Förderbedarf werden vorrangig behandelt, danach kommen die Kinder aus dem näheren Umkreis wie Stadtlohn und Südlohn“, erklärte Bernd Kemper das Vorgehen. Erst wenn dann noch Plätze frei sind, bekommen Kinder etwa aus Gronau oder Schöppingen die Chance. Die genauen Kriterien für die Auswahl müssen noch erarbeitet werden.

Abgewiesene Schüler müssten auf andere Schulen gehen

„Aber was passiert denn mit den anderen Kindern mit Förderbedarf? Wo bleiben die?“, wollte Markus Windmeier (SPD) wissen. Dass diese Frage nicht in Vreden beantwortet werden kann, machte Bernd Kemper deutlich. Die Stadt könne nicht die „Fehlentscheidungen“ der Landesregierung in Sachen Inklusion ausbügeln.

Zahlreiche Förderschulen wurden geschlossen mit dem Ziel, dass Schüler mit Förderbedarf in einer Regelschule mit allen anderen Kindern gemeinsam unterrichtet werden. Wenn die Plätze an der Felicitasschule also voll sind, müssen die abgewiesenen Kinder eine andere Förderschule oder eine Regelschule besuchen.

Felicitasschule soll ihre Qualität behalten

Keine wirklich zufriedenstellende Antwort für die Mitglieder des Bildungsausschusses. Und doch waren alle mit der Begrenzung der Schülerzahl einverstanden. „Es geht ja auch nicht nur um die Kosten“, meinte etwa Christoph Terrahe (CDU). „Wenn die Schule zu viele Schüler hat, geht das zu Lasten der Qualität.“

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Ruth Kemper (FDP) regte an, ob man nicht dauerhaft über einen Ausbau der Schule nachdenken müsse. Für die Verwaltung war das jedoch keine ernstzunehmende Option. Schließlich könne die Stadt als Schulträger keine Kreisaufgabe übernehmen.

Der Rat muss dem Beschluss noch zustimmen.

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