Flüchtlingsunterkunft nachts attackiert

In Ellewick-Crosewick:

Die Flüchtlingsunterkunft in Ellewick ist in der Nacht zum vergangenen Sonntag zur Zielscheibe eines fremdenfeindlichen Übergriffs geworden. Der Staatsschutz ermittelt.

VREDEN

, 27.10.2015, 14:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Antonia Linnenbrink von der Pressestelle der Polizei in Münster bestätigte auf Nachfrage der Münsterland Zeitung den Vorfall. Danach ergibt sich zum Hergang des Geschehens folgendes Bild: Gegen 2.15 Uhr rissen Geräusche die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft aus dem Schlaf. 17 Menschen leben im ersten Stock des früheren Heimathauses, das zentral in der Dorfmitte an der Pfarrer-Holtmann-Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schule liegt. Unbekannte machten sich deutlich vernehmbar durch Tritte an der Tür des Hauses zu schaffen.

Gleichzeitig riefen die Randalierer ausländerfeindliche Parolen wie "Syrer raus". Schließlich benutzten sie einen schweren Stein, um damit eine Fensterscheibe im Erdgeschoss des Gebäudes einzuschlagen. Zeugen zufolge soll es sich um vier Jugendliche gehandelt haben, die offensichtlich unter dem Einfluss von Alkohol standen. Möglicherweise befanden sie sich auf dem Heimweg von einer Feierlichkeit.

Anwohner waren auf die Vorgänge an der Flüchtlingsunterkunft aufmerksam geworden. Sie verständigten die Polizei. Diese traf kurz darauf in Ellewick ein. Die Täter waren allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht mehr anzutreffen.

Staatsschutz eingeschaltet

Die Ermittlungen sind wegen des offensichtlich fremdenfeindlichen Hintergrundes an den Staatsschutz übertragen worden - ein in solchen Fällen vorgesehener Schritt. Die Beamten in Münster hoffen nun darauf, durch die Aussagen von Zeugen in ihren Ermittlungen weiter zu kommen und die Täter fassen zu können.

Wer durch Hinweise zur Aufklärung dieser Tat beitragen kann, sollte sich mit der entsprechenden Stelle bei der Polizei in Münster in Verbindung setzen. Zu erreichen ist sie unter Tel. (0251)2750.

Vredens Erster Beigeordneter Bernd Kemper verurteilte im Gespräch mit der Münsterland Zeitung den Übergriff auf die Flüchtlingsunterkunft auf das Schärfste. Die Stadt habe zur Kenntnis genommen, dass die Polizei ermittle. "Wir begrüßen es sehr, dass der Staatsschutz sich dessen angenommen hat", sagte Kemper.

Die Stadt werde jetzt zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten. Er sehe derzeit für die Stadt selbst keinen Handlungsbedarf, da es sich nach seiner Einschätzung um eine ungeplante Einzeltat handle, die nicht etwa planvoll vorbereitet worden sei: "Deshalb hoffe ich zum jetzigen Zeitpunkt sehr, dass sich das nicht wiederholt, ohne das Geschehen damit kleinreden zu wollen."

Stadt hält an Kurs fest

Kemper berichtete, dass die Unterkunft im Obergeschoss des betreffenden Hauses erst seit zwei bis drei Wochen mit Flüchtlingen belegt sei. Die Stadt halte auch bei anhaltenden Zuweisungen von Flüchtlingen an ihrem Kurs fest, bekräftigte Kemper: "Wir wollen die Menschen dezentral unterbringen und das sozialverträglich hinbekommen." Deshalb suche die Verwaltung auch weiterhin nach Unterkünften in der Stadt und den Kirchdörfern.

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