Freibadsanierung wird wegen explodierter Kosten erst einmal verschoben

mlzViele offene Fragen

Das Freibad in Vreden wird frühestens in einem Jahr saniert. Weil die Kosten explodiert sind, werden die Arbeiten verschoben. Im Bauausschuss hagelte es am Donnerstag harsche Kritik.

Vreden

, 11.10.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Pläne waren ambitioniert. Unter anderem ein komplett neues Becken aus Edelstahl, neue Sprungtürme, ein Schwimmmeister-Gebäude und noch etliche weitere Punkte sollten in dieser Wintersaison im Vredener Freibad umgesetzt werden. Kostenpunkt: Rund 2,8 Millionen Euro. Rund 860.000 Euro mehr als in der Machbarkeitsstudie ursprünglich vorgesehen.

Das war mit den Mitgliedern des Vredener Bauausschusses am Donnerstagabend nicht zu machen.

Jochen Batz vom Planungsbüro Krieger stellte noch einmal die aktuellen Planungen vor. Die war den Vredener Politikern in der Ratssitzung Ende September schon sauer aufgestoßen. Vor allem die immense Kostensteigerung von 1,9 Millionen Euro in der ersten Planung auf rund 2,8 Millionen Euro in der aktuellsten Version hatte über alle Fraktionsgrenzen hinweg für einen Aufschrei gesorgt.

Politiker bringen Verschiebung der Arbeiten auf den Plan

Auch am Donnerstagabend machten die Politiker ihrem Ärger Luft. Stephan Bengfort (CDU) machte den Aufschlag: Zwei Gründe sprechen aus seiner Sicht dafür, die komplette Sanierung zu verschieben: 45 Prozent Mehrkosten gegenüber der ersten Planung und ein mehr als ambitionierter Zeitplan. „Wir stehen weiter fest hinter der Sanierung, sollten das aber erst 2021 angehen und bis dahin alle offenen Fragen klären“, sagte er.

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Auch kritisierte er einzelne Aspekte des vorgestellten Plans: „Ein Schwimmmeister-Gebäude für 230.000 Euro? Das ist ja schon mehr eine Schwimmmeister-Wohnung. Für den Quadratmeter-Preis kann ich mir ja ein schickes Penthouse bauen“, schimpfte er.

Knappe Zeitschiene und Gesamtkosten, die ratlos machen

Auch für Hendrik Mulder (FDP) schien der Zeitplan zu knapp. „Wir sollten das alles noch einmal auf null setzen und dann für 2021 eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung finden“, erklärte er. Wie eine Sanierung von fast drei Millionen Euro zu refinanzieren sei, stellte für ihn eine große Frage dar. „Wir können den Eintrittspreis ja nicht bis zur Unendlichkeit steigern“, sagte er. Die Summe, aber vor allem ihre rasante Steigerung, ließen ihn ratlos zurück. „Sie sind ein Fachbüro. Das hätten Sie wissen müssen“, kritisierte er die Arbeit von Jochen Batz und dem Ingenieurbüro Krieger aus Velbert.

Gerd Welper (Grüne) stellte klar: „Vreden braucht ein gut renoviertes Bad.“ Doch von der Edelstahlqualität bis zum Grundwasserspiegel seien viele Fragen nicht beantwortet worden. Vor so einer Millionenausgabe müsse das geklärt werden.

Plan B für den Sommer wäre denkbar

Er könne sich sogar mit einem Plan B anfreunden. Falls die Sanierung zum Sommer nicht gelingen sollte, könne er auch damit leben, für ein paar Wochen im Sommer das Hallenbad zu öffnen oder eine Kooperation mit dem Stadtlohner Freibad einzugehen.

Reinhard Laurich (SPD) schloss sich den technischen Zweifeln an. Die zeitlichen Gründe stellte er hinten an. „Wir müssen genau auf die Kosten schauen und für mich sind einfach noch zu viele Fragen unbeantwortet“, erklärte er.

Elmar Kampshoff (UWG) stimmte seinen Vorrednern zu. „Es ist besser, zum richtigen Zeitpunkt zu entscheiden, als heute falsch zu entscheiden. Da geht ganz einfach Sorgfalt vor Tempo!“

„Verschiebung ist die sinnvollste Entscheidung“

Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch fasste die Zweifel zusammen: „Die Zeitschiene haben wir von Anfang an als sehr sportlich dargestellt“, sagte er. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es wohl die sinnvollste Entscheidung, die ganze Sanierung zu verschieben. Auch wenn mit einer Bauverschiebung bei der aktuellen Konjunktur sicherlich eine weitere Kostensteigerung zu erwarten sei.

Fachmann setzt zur Verteidigung seiner Pläne an

Jürgen Batz setzte noch zu einer Verteidigung der Planungen an. „Sie haben viel Kritik an unserer Arbeit geäußert. Und das steht Ihnen auch zu“, sagte er. Dennoch sei eine erste Machbarkeitsstudie nicht mit dem tatsächlichen Planungsauftrag zu vergleichen. Damit erklärte er auch die immensen Mehrkosten.

Es gehe um eine ganze Reihe Eckdaten, „die vielen hier am Tisch nicht bekannt sind“, sagte er. Verschiedene Planungen, die in der Sitzung zur Sprache kamen, würde er als Planungsbüro ablehnen. Am Ende seien er und das Planungsbüro schließlich auch in der Gewährleistungspflicht. „Vielleicht finden Sie ja jemand anderes dazu“, sagte er den Politikern.

Einstimmiger Beschluss: Sanierung wird verschoben

Doch das verfing nicht mehr. Einstimmig entschied sich der Bauausschuss dafür, die Sanierung zu verschieben. Als Baubeginn peilen die Politiker nun den September 2020 an. Bis dahin soll auch noch geprüft werden, ob ein Lernschwimmbecken in Vreden gebaut werden kann.

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