Freie Fahrt für Fahrschüler nach Corona-Pause - doch die Regeln sind streng

Traffic Fahrschule Vreden

Bei der Vredener Fahrschule „Traffic“ läuft nach wochenlanger Pause der Betrieb wieder an. Der Theorie-Unterricht findet komplett digital statt. Bei den Fahrstunden gelten strenge Regeln.

Vreden

, 24.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mund-Nase-Bedeckung ist im Fahrzeug Pflicht: Fahrschullehrer Jürgen Leuders mit seinem Schüler Lucas Bleijenberg.

Mund-Nase-Bedeckung ist im Fahrzeug Pflicht: Fahrschullehrer Jürgen Leuders mit seinem Schüler Lucas Bleijenberg. © Johannes Schmittmann

11 Uhr morgens, direkt vor den Räumlichkeiten der Fahrschule Traffic in Vreden: Lucas Bleijenberg grüßt seinen Fahrlehrer Jürgen Leuders mit einem kleinen Winker. Eine schwarze Maske verdeckt das halbe Gesicht des 17-jährigen Niederländers. An seinen Augen erkennt man trotzdem, dass er lächelt. „Ich bin froh, dass es wieder losgeht“, sagt er, als er in den Tesla steigt.

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Jürgen Leuders, Inhaber der Fahrschule Traffic, wartet schon im dem Fahrschulauto. Er trägt ebenfalls eine Mund-Nasen-Bedeckung. Als sein Schüler neben ihm Platz genommen hat, zückt er eine Flasche mit Desinfektionsmittel und sprüht die Flüssigkeit in dessen Hände. „Das ist die Vorschrift“, sagt Leuders. Auch die Armaturen wurden - wie jedes Mal - vor der Fahrt gereinigt.

Viele Vorschriften sind zu beachten

Lucas Bleijenberg gehört zu den Ersten, die den Weg zum Führerschein wieder aufnehmen dürfen. Knapp zwei Monate stand der Betrieb der Fahrschule Traffic komplett still. „Vom 17. März an hatten wir ein Betätigungsverbot. Gleichzeitig hat der TÜV aber noch Prüfungen abgenommen. Das war am Anfang alles ziemlich verwirrend“, sagt Jürgen Leuders heute. Heiße Diskussionen mit den Behörden folgten.

Am Ende halfen sie wenig: Der Traffic-Geschäftsführer musste seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Denn die Alternativen, die in anderen Branchen schnell gefunden wurden, waren bei den Fahrschulen nicht so einfach umsetzbar. „Wir hätten zum Beispiel gerne schon frühzeitig mit dem Online-Theorie-Unterricht angefangen. Aber in NRW gibt es eine Präsenzpflicht, die bei digitalen Schulungen nicht als erfüllt gilt“, erklärt Leuders.

NRW beschließt Ausnahmeregelung für Fahrschulen

Als erstes Bundesland kippte Niedersachsen diese Regelung. In NRW dauerte es deutlich länger, bis eine Ausnahmegenehmigung verabschiedet wurde. „Sie gilt vorerst bis zum 30. September. E-Learning gilt bis dahin als gleichwertiger Ersatz. Außerdem gibt es die Möglichkeit, unter strengen Auflagen Unterricht vor Ort stattfinden zu lassen“, so Leuders.

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Auf Letzteres verzichtet er aber aktuell. „Wir dürften einen Schüler pro zehn Quadratmeter unterrichten. Da ist man schon sehr eingeschränkt.“ Stattdessen setzt er voll auf die Karte Internet - und bisher mit großem Erfolg. „Für mich war Online-Unterricht ehrlich gesagt völliges Neuland, aber es funktioniert erstaunlich gut“, sagt der Fahrlehrer, der sich dafür Kameras und Tontechnik von einem örtlichen Eventservice geliehen hat.

Digitale Endgeräte „alltäglicher Gebrauchsgegenstand“

„Für die Jugendlichen sind Laptop, Smartphone oder Tablet alltägliche Gebrauchsgegenstände. Im Bereich der Technik gab es daher überhaupt keine Probleme“, sagt Leuders. Dass einige wenige seiner Schüler sich mit ziemlich durchschaubaren Ausreden („Akku ist leer“) manchmal vor dem Unterricht drücken wollten, gehört für ihn dazu. „Das ist ja beim normalen Betrieb auch manchmal so.“ Er hat daher die Regel eingeführt: Jeder Schüler muss die ganze Zeit sichtbar sein.

Komplett digital verläuft der Theorieteil der Prüfung aber nicht. Jeder Schüler bekam zu Beginn ein Arbeitsbuch und andere Materialien. Damit wird in der Online-Einheit gemeinsam gearbeitet. „Wir besprechen Themen, beantworten Fragen im Kollektiv und lösen Rätsel“, so der Traffic-Geschäftsführer. Das virtuelle Handzeichen ersetzt die Wortmeldung.

Beratungstermine dürfen wieder stattfinden

Am 25. Mai startet der zweite Durchgang. Jürgen Leuders erwartet, dass im Vergleich zum Probelauf noch deutlich mehr Schüler dabei sind: „Die Geschäftsräume sind wieder geöffnet, daher können auch wieder Beratungstermine stattfinden.“

Nicht ganz so leicht wie der theoretische Teil verhält es sich bei den praktischen Fahrstunden. „Die Mund-Nase-Bedeckung ist schon ein kleines Hindernis. Bei Brillenträgern beschlägt die Brille schnell. Aber man kann sich dran gewöhnen“, sagt Leuders. Schwieriger gestaltet es sich da schon, zeitnah einen Prüfungstermin zu finden.

Beim TÜV bildet sich ein Rückstau

Denn beim TÜV hat sich mit der Zeit ein ordentlicher Rückstau gebildet. Da einige Prüfer zur Risikogruppe gehören, ist außerdem das Personal knapp geworden. „Teilweise müssen Schüler aus Bocholt anreisen, um in Ahaus ihre Prüfung abzulegen“, berichtet der Traffic-Geschäftsführer.

Trotz dieser Hürden ist Jürgen Leuders im Moment einfach nur froh, wieder seinem Beruf nachgehen zu dürfen. Und dass seine Schüler in den zwei Monaten etwas vergessen haben könnten, glaubt er nicht: „Das ist fast wie Fahrradfahren.“

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