Für Ministerin Franziska Giffey ist Ventana ein Vorzeigeunternehmen

mlzFamilie und Beruf

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey sieht in Ventana ein echtes Vorzeigeprojekt. Am Dienstag vor Ort in Vreden hat sich dieser Eindruck bestätigt. Grund ist die „Glücksfabrik“.

Vreden

, 26.02.2019, 18:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

Oben auf der Dachterrasse von Ventana stehen die Kinder und winken. „Willkommen“ steht in großen Buchstaben auf dem Geländer. Franziska Giffey winkt fröhlich zurück. Wer kommt nicht gerne in eine „Glücksfabrik“. So heißt die Großtagespflegestelle in dem mittelständischen Unternehmen Ventana an der Lise-Meitner-Straße in Vreden.

Hier werden neun Kinder von null bis drei Jahren von drei Erzieherinnen betreut. Und das von 7.30 bis 17.30 Uhr. Top-Bedingungen also für die Kleinen, wie die Bundesfamilienministerin beim Besuch schnell feststellt.

Für Ministerin Franziska Giffey ist Ventana ein Vorzeigeunternehmen

Franziska Giffey in der Glücksfabrik © Ronny von Wangenheim

Hintergrund ihres Besuchs ist, dass Franziska Giffey die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter vorantreiben will. Dazu gehören für sie unbedingt auch familienfreundliche Unternehmen. Ventana ist eines von knapp 7000 Unternehmen, die im Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ mitmachen. 2013 wurde die Gründung der „Glücksfabrik“ über das Aktionsprogramm Kindertagespflege des Bundesfamilienministeriums gefördert. „Beispielhaft“ nennt die Ministerin die Großtagespflegestelle.

Förderung startet im Herbst

Franziska Giffey will im Herbst das Förderprogramm „Betriebliche Kinderbetreuung“ weiterentwickeln und fortführen. Sie erläutert: „Ob die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktioniert, ist auch eine Frage der Arbeitsbedingungen in den Unternehmen vor Ort. Deshalb ist es so wichtig, dass Unternehmen eine familienorientierte Personalpolitik pflegen und weiter ausbauen.“

Doch bevor sie mehr davon erzählt, geht es erst einmal hinein in die Glücksfabrik. Die Kinder düsen unbeschwert durch den Raum, von Aufregung ist nicht viel zu merken. Dann sitzen sie im Kreis, singen mit den drei Erzieherinnen ein Lied und haben Geschenke für Franziska Giffey – Glückskekse und ein Buch mit Eindrücken aus der Glücksfabrik. Die Ministerin hat ihrerseits kleine Freddys, also plüschige Familienadler, mitgebracht. „Der kommt aus Berlin“, erzählt sie und fragt ein Kind: „Wo bist du zuhause?“ Die Antwort kommt prompt: „Hier. Bei meiner Mama.“

„Kinder brauchen Bindung“

Der familiäre Rahmen, die individuelle Betreuung, das pädagogische Konzept, das auf einer verlässlichen Bezugsperson aufbaut – das alles kommt zur Sprache. „Kinder brauchen eine gute Bindung, das ist wichtig für ihre Entwicklung“, sagt Erzieherin Gisela Hoffschlag. In der Großtagespflegestelle bei Ventana, die 2013 als erste im Kreis Borken eröffnet wurde, läuft alles super. Das sagen die drei Erzieherinnen, das sagen auch die Eltern.

Das ist nicht überall im Land so. Auch bei Erziehern droht der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel. Ein Thema, dass die Ministerin, so erzählt sie in Vreden, mit einer Fachkräfteoffensive mitsamt vergüteter Ausbildung angehen will. Bundesweit sollen 5000 Plätze geschaffen werden.

„Bildung ist eine nationale Zukunftsaufgabe.“
Franziska Giffey

Gespräch mit vielen Beteiligten

Für die SPD-Politikerin, die auf 16 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik in Berlin zurückgreifen kann, ist die frühkindliche Bildung entscheidend. „Kitas sind Bildungseinrichtungen“, sagt sie im Gespräch. Neben den beiden Ventana-Geschäftsführern Judith Pennekamp und Stefan Schwanekamp und der SPD-Bundestagsabgeordneten Ulla Schulte, die ihre Parteikollegin nach Vreden holte, sitzen noch mehr in der Runde: Vertreter des Kreisjugendamts, der Wirtschaftsförderung des Kreises, des Sozialdienstes Katholischer Frauen und der Vredener Lokalpolitik und der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Röring.

Für Ministerin Franziska Giffey ist Ventana ein Vorzeigeunternehmen

Stefan Schwanekamp führte Franziska Giffey durch die Produktionshalle. © Ronny von Wangenheim

Franziska Giffey erzählt von den Zuständigkeiten und man merkt, dass das durchaus ein heikles Thema ist. Originär sind Länder und Kommunen zuständig. Sie macht aber auch klar: „Bildung ist eine nationale Zukunftsaufgabe.“ 5,5 Milliarden Euro Bundesmittel, so die Ministerin, fließen dank des „Gute-Kita-Gesetzes“ in den kommenden vier Jahren in die frühkindliche Bildung, NRW sei mit 1,3 Milliarden Euro besonders stark beteiligt. Damit sollen Gebühren sinken und die Qualität steigen.

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Beim Rundgang durch die Produktion der Spezialfenster: Franziska Giffey und Geschäftsführerin Judith Pennekamp, rechts im Bild die Bundestagabgeordneten Ulla Schulte und Johannes Röring. © Ronny von Wangenheim

Beim Mittagessen – Rouladen, Gemüse und als Nachtisch die münsterländische Spezialität Herrencreme – sind auch die Eltern dabei und berichten, wie wichtig die Betreuung für sie ist. Für die Eltern, die auch bei Ventana arbeiten, hat das viele Vorteile. Stefan Herbers (39) erzählt vom gemeinsamen Arbeitsweg, den auch sein Sohn genießt. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn du nach draußen guckst und dein Kind spielen siehst.“ Und Tochter Charlotte, die inzwischen in einen Kindergarten geht, erkundigt sich bei Papa immer noch nach der Firma.

Glücksfabrik ist mittendrin

Schließlich ist die Glücksfabrik mitten drin im Gebäude. Zu Nikolaus oder Karneval ziehen die Kinder schon mal durch die Büros. Und was Papa oder Mama hier machen, wissen Malte, Finn, Maila oder Lene genau. Auch Michael Wantia (37), Vater von Maila, hat von seinem Büro Sicht auf die Kinder, wenn sie kommen und gehen. „Sie weinen eher, wenn sie gehen“, sagt er und lacht. Ein neuer Kollege, so erzählt er noch, habe den Arbeitsplatz gerade wegen der Betreuung gewählt.

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Am Ende stellten sich die Ministerin Franziska Giffey, die Gastgeber von Ventana, Gäste und Eltern mit ihren Kindern zum Gruppenbild auf. © Ronny von Wangenheim

Wenn die Kinder drei Jahre alt sind, müssen sie in einen Kindergarten wechseln. Das muss nicht unbedingt so bleiben. Stefan Schwanekamp weiß, dass Unternehmen attraktiv sein müssen, um Mitarbeiter zu halten oder zu gewinnen. Er hofft für die Zukunft auf Förderung auch für den Ü3-Bereich. Dann könnten auch Drei- bis Sechsjährige die Glücksfabrik besuchen. Bei Franziska Giffey ist er damit auf offene Ohren gestoßen.

Ventana

  • Ventana Deutschland hat am Standort Vreden rund 250 Mitarbeiter.
  • Die Firma ist Marktführer im Bereich Sonderfenster und Hebeschiebetüren aus Kunststoff.
  • Das familiengeführte Unternehmen wurde 1996 mit fünf Mitarbeitern als Biegespezialist gegründet. Seit 2012 ist der Sitz im Neubau an der Lise-Meitner-Straße.
  • 2018 wurde ein Umsatz von 28 Millionen Euro erzielt.
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