Gabriela Kiedrzyn (18) hat grausamen Vorfall in ihrer polnischen Heimatstadt aufgearbeitet

mlzGymnasium Georgianum

Gabriela Kiedrzyn hat für ihre Facharbeit den „Margot-Spielmann-Preis“ gewonnen. Die Gymnasiastin hat einen grausamen Vorfall im Zweiten Weltkrieg in ihrer Heimatstadt Rzeszow erforscht.

Vreden

, 11.12.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gabriela Kiedrzyn wurde im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten für ihre Facharbeit „Solidarität der polnischen Bevölkerung mit Juden im Zweiten Weltkrieg“ mit dem „3. Jugendgeschichtspreis – Margot Spielmann Preis 2019“ ausgezeichnet.

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Die Schülerin des Gymnasiums Georgianum stammt aus Polen und lebt mit ihrer Familie seit acht Jahren in Vreden. Sie hat im Projektkurs Geschichte, in der QI (Klasse 11), die Geschichte ihrer Heimatstadt Rzeszow erforscht. Im Mittelpunkt ihrer Facharbeit stehen jüdischen Familien und ihre polnischen Helfer.

„Die jüdische Familie Goldmann wurde im Zweiten Weltkrieg ein Jahr von der polnischen Familie Ulma vor der Verfolgung versteckt“, hat Gabriela Kiedrzyn bei ihren Nachforschungen in ihrer Heimatstadt erfahren. Im Jahr 1943 wurden die Helfer von einem polnischen Polizisten verraten. Deutsche Soldaten und polnische Polizisten erschossen Familie Goldmann und Familie Ulma auf offener Straße.

Polnische Familie wird für ihre Hilfe belohnt

„Das Ulma-Museum in Rzeszow wurde nach der polnischen Familie benannt, die für ihre Hilfeleistung ermordet wurde. Es ist heute ein Symbol für alle polnischen Familien, die im Zweiten Weltkrieg Juden gerettet haben,“ erklärt Gabriela Kiedrzyn. Sie sei selbst sehr erschüttert gewesen, dass zur Zeit des Nationalsozialismus so grausame Taten geschahen, sagt sie.

Die Gymnasiastin wollte mit ihrer Facharbeit unter anderen herausfinden, warum sich die polnischen Familie trotz der großen Gefahr entschieden, den Juden zu helfen. „Ich bin mehrmals nach Polen gefahren, habe in Rzeszow im Stadtarchiv geforscht, meine Großeltern gefragt und war natürlich auch im Ulma-Museum“, blickt Gabriela Kiedrzyn zurück.

Facharbeit wird im Jüdischen Museum Westfalen gezeigt

Als sie kürzlich von der Auszeichnung ihrer Facharbeit erfuhr, sei sie sehr aufgeregt gewesen. „Damit habe ich nicht gerechnet. Mein Freund Benno Tielkes und Geschichtslehrer Hendrik Schulze Ameling begleiteten mich nach Dorsten. Ich wurde nach der Ehrung noch interviewt“, erzählt die 18-Jährige. Nun wird ihre Facharbeit im Jüdischen Museum Westfalen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Arbeit soll ins Polnische übersetzt werden

Hendrik Schulze Ameling hat ihr mitgeteilt, dass die Gesellschaft für historische Landeskunde auch überlegt, die besondere Facharbeit zu veröffentlichen. „Jetzt muss ich meine Facharbeit noch ins Polnische übersetzen, denn ich will sie gerne dem Ulma Museum zur Verfügung stellen. Meine Familie in Polen möchte sie natürlich auch gerne lesen“, sagt Gabriela Kiedrzyn.

Sie fügt hinzu, dass das Schreiben der Facharbeit und die Auszeichnung eine ganz besonders wertvolle Erfahrung für sie war. Zurzeit bereitet sie sich auf ihr Abitur vor und hat sich nach ihrem Schulabschluss für eine Ausbildung als Notfallsanitäterin beworben.

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