Die orangefarbenen Chemikalienschutzanzüge schützen die Einsatzkräfte vor Flüssigkeiten und Gas. © Feuerwehr Vreden
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Gefahrstoff-Einsatz war auch für die Experten des ABC-Zuges besonders

Eine Chemikalie ist am Montag in Vreden ausgetreten und hat die Feuerwehrleute stundenlang beschäftigt. Die Experten des ABC-Zuges kamen zur Hilfe. Die Dimensionen waren auch für sie besonders

Für die Vredener Feuerwehr war es am Montag kein gewöhnlicher Einsatz, für den ABC-Zug des Kreises Borken hingegen war es Standard. „Nur dass es so lange gedauert hat, das war schon besonders“, sagt Kai Sobbe. Er ist stellvertretender Leiter der Borkener Feuerwehr und zuständig für den ABC-Zug. Diese Bezeichnung steht für die Experten für atomare, biologische oder chemische Gefahren.

Fast sieben Stunden hat der Gefahrgut-Einsatz am Montag bei der Firma Saueressig gedauert. Dort war Natriumhydrosulfit ausgetreten und mit Wasser in Berührung gekommen. Dadurch sind Dämpfe entstanden, die zu dem Feuerwehreinsatz geführt haben.

Die Einsatzkräfte haben zwei Löcher in die Gebäudehülle geschnitten, um besser an den Kellerraum zu gelangen.
Die Einsatzkräfte haben zwei Löcher in die Gebäudehülle geschnitten, um besser an den Kellerraum zu gelangen. © Feuerwehr Vreden © Feuerwehr Vreden

Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr in Vreden gibt es Experten für solche Situationen, die die entsprechenden Ausbildungen haben. Ein ausgelaufenes Fass oder einen umgekippten Lkw mit Gefahrstoff können die Vredener also auch ohne Unterstützung des ABC-Zuges meistern.

ABC-Zug half mit Ausrüstung und Spezialkenntnissen

In diesem Fall stellte sich jedoch schnell heraus, dass die lange Zeit zum Problem werden könnte. „Die Vredener haben genug Schutzanzüge für den Ersteinsatz, aber für so einen langen Einsatz sind sie nicht ausgestattet“, sagt Kai Sobbe. Also sind die Experten des Kreises mit weiterer Spezialausrüstung und Spezialkenntnissen angerückt.

Zum Einsatz kamen Chemikalienschutzanzüge. „Die sind flüssigkeits- und gasdicht. Die Luft zum Atmen kommt aus dem Atemgerät. Man hat also gar keinen Kontakt mit der Atmosphäre“, erklärt Kai Sobbe. Diese orangefarbenen Anzüge können jedoch nicht mehrmals hintereinander benutzt werden.

Zahlreiche Kräfte aus Vreden, Bocholt und Borken waren bei Saueressig im Einsatz.
Zahlreiche Kräfte aus Vreden, Bocholt und Borken waren bei Saueressig im Einsatz. © Feuerwehr Vreden © Feuerwehr Vreden

Als die Feuerwehrleute eines Trupps also ihren Einsatz im Gebäude beendet hatten, haben Kollegen in anderen Schutzanzügen, die flüssigkeits- aber nicht gasdicht sind, sie in Empfang genommen. Die Chemikalienschutzanzüge mussten nämlich sofort dekontaminiert werden. Sie wurden abgespült und in Plastiksäcken verstaut. „Das wichtigste bei einem solchen Einsatz ist immer, dass sich der Stoff nicht weiter ausbreitet“, sagt Kai Sobbe.

So sind am Montag in Vreden 18 orangefarbene Schutzanzüge zum Einsatz gekommen. „Das ist schon sehr viele“, sagt Kai Sobbe. Das liege auch daran, dass die Einsatzkräfte die Anzüge jeweils nur einen relativen kurzen Zeitraum tragen können. „Die körperliche Arbeit ist in den Anzügen sehr anstrengend“, so der Experte. Auch wegen dieses hohen Personalbedarfs wurde der ABC-Zug hinzugezogen.

Schutzanzüge werden wieder aufbereitet

Dieser besteht aus Fachgruppen der Feuerwehren in Borken und Bocholt. 45 Personen gehören zum Stamm, 31 davon waren am Montag in Vreden im Einsatz. „Wir integrieren uns in die Einsatzstelle vor Ort. Das heißt, die lokalen Einsatzkräfte bleiben involviert, wir übernehmen nicht das alleinige Kommando“, sagt Kai Sobbe. Es gehe um Respekt und gegenseitige Wertschätzung, auch in der Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Feuerwehrleuten.

18 Chemikalienschutzanzüge wurden am Montag in Vreden benötigt.
18 Chemikalienschutzanzüge wurden am Montag in Vreden benötigt. © Feuerwehr Vreden © Feuerwehr Vreden

Nach dem Einsatz werden die Chemikalienschutzanzüge sorgfältig wieder aufbereitet, sodass sie beim nächsten Mal wiederverwendet werden können. Aber wie oft kommen solche Gefahrstoffe-Einsätze eigentlich im Kreis Borken vor? Nach Angaben von Kai Sobbe sind kleinere Einsätze relativ häufig. Diese meistern die lokalen Feuerwehren in der Regel aber alleine. Der ABC-Zug des Kreises rückt vier bis fünf Mal im Jahr aus.

Bei der Firma Saueressig war am Montag in einem Kellerraum durch einen technischen Defekt eine Chemikalie ausgetreten. Die Feuerwehrleute haben sie über mehrere Stunden mit Wasser verdünnt, bis die Flüssigkeit so ungefährlich war, dass sie abgepumpt werden konnte. Der Einsatz dauerte von 11.30 bis 18.30 Uhr. In dieser Zeit waren die Gutenbergstraße und die Wüllener Straße gesperrt.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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