Gemischte Gefühle nach Interplast-Einsatz in Ruanda

Dr. Arnulf Lehmköster

Erfolgreiche Operationen, dankbare Patienten, eine herzliche Aufnahme bei den Kollegen: Eigentlich war alles so wie bei den vorherigen Einsätzen, die Dr. Arnulf Lehmköster nach Ruanda führten. Der plastische Chirurg ist dennoch mit gemischten Gefühlen nach Vreden zurückgekehrt.

VREDEN

, 03.12.2016, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bilanz des jüngsten Interplast-Einsatzes kann sich wieder sehen lassen: neun volle OP-Tage, mehr als 40 Operationen, dazu viele Stunden Wissenstransfer an die einheimischen Mediziner, die im Krankenhaus in Murunda arbeiten.

Aber Arnulf Lehmköster sind bei dem mittlerweile 16. Einsatz in dem zentralafrikanischen Land auch bestimmte Umstände so deutlich wie nie vor Augen getreten, die ihn nicht freuen. "Seit dem Jahr 2009 kenne ich das Krankenhaus in Murunda", berichtet Lehmköster. Doch obwohl erst sieben Jahre vergangen sind, arbeiten von den damaligen Beschäftigten des kirchlichen Krankenhauses nur noch drei dort: "Ein so hohes Maß an Fluktuation kann nicht gut tun."

Kardinalfehler

Arnulf Lehmköster hat Gründe für diese Entwicklung ausgemacht. "Das Land Ruanda macht einen Kardinalfehler. Es vernachlässigt die Struktur in den ländlichen Regionen und investiert stattdessen in den großen Städten." Ein Sinnbild für dieses Ungleichgewicht: das große neue Convention-Centre, das in der Hauptstadt Kigali entstanden ist und kürzlich erst einer internationalen Umweltkonferenz den Rahmen gab. Das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land wirke sich auch auf die Fachkräfte aus - sie zieht es der besseren Perspektiven in der Stadt wegen fort von ländlichen Siedlungen wie Murunda.

Arnulf Lehmköster lässt das nicht ruhen. Er setzt sich auch in Gesprächen mit offiziellen Stellen dafür ein, dass der Staat Ruanda und seine Institutionen das Land nicht vergessen. Als Vertreter der Organisation Interplast sucht der Vredener vor Ort den Austausch, sei es mit Regierungsvertretern oder mit dem zuständigen Bischof. Er sieht die Situation zwar nüchtern, doch frustrieren lässt er sich nicht - im Gegenteil. Dr. Lehmköster bekennt: "Das weckt meine Hartnäckigkeit."

Kräfte aus der Region

Denn am Ende soll all das den Menschen zugute kommen, für die sich Interplast auch beim jüngsten Einsatz wieder engagiert hat. Neben ihm waren auch wieder Kräfte aus der Region mit dabei: aus Ahaus der plastische Chirurg Dr. Pavol Stolfa, aus Borken die OP-Schwester Petra Wansing und die Krankenschwester Alexandra Siegel-Schoppen. Aus Bremen ergänzten die Anästhesistin Dr. Julia Fasold und die Anästhesie-Schwester Gesa Dageförde das Team.

Sie behandelten viele unterschiedliche Erkrankungen: Schwere chronische Knochenmarkserweiterungen fanden sich ebenso darunter wie Druck-Liege-Geschwüre oder Verbrennungen, Gesichtstumore und chronische Wunden. "Als besonders belastend empfanden wir die Operation bei einem jungen Mann, dem wir den Unterschenkel amputieren mussten", berichtet Arnulf Lehmköster. Die Universitätsklinik in der Hauptstadt habe ihn zuvor abgewiesen, da er kein Geld hatte. Drei Monate später sei das Bein nicht mehr zu erhalten gewesen.

Positive Eindrücke

Aber es gab auch positive Eindrücke: Die Krankenhausbetten aus dem St.-Agnes-Hospital Bocholt sind nun im neuen Chirurgiegebäude im Einsatz, und eine langjährige Patienten nahm die Fahrt nach Murunda auf sich, um Dr. Lehmköster wiederzusehen: Tuyisenge ist heute eine junge Frau, die selbst den beruflichen Weg in die Medizin einschlagen möchte. Sie war als Mädchen in Deutschland behandelt worden und in dieser Zeit zu Gast in einer Ottensteiner Familie gewesen.

Und etwas Zeit blieb auch, um die Schönheit der ruandischen Natur zu entdecken: Die vier Neuen im Team kamen begeistert von ihrem Besuch bei den Berggorillas zurück. Dr. Arnulf Lehmköster will auf jeden Fall weitermachen, solange es möglich ist: Der nächste Einsatz für Interplast führt ihn schon im Fe-bruar ins ugandische Kamuli.

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