Bei dem Brand in der Finkenstraße stand ein Einfamilienhaus in Flammen. © Stefan Grothues
Brand in Vreden

„Geschmacklos“: Zahlreiche Schaulustige nach Brand verstören Nachbarn

Nach dem Brand in der Finkenstraße wollten sich viele Menschen selbst ein Bild von der Brandstelle machen. Das ärgerte die Nachbarn und führte in der engen Straße zu Verkehrsproblemen.

Der Brand in der Finkenstraße in der Nacht zum Sonntag hat für großes Aufsehen gesorgt. Doch auch in den beiden Tagen danach ist das Interesse nicht abgeebbt. Die große Bereitschaft, Kleidung an die Opfer zu spenden, zeigt das Mitgefühl der Vredener.

Doch eine besondere Form von „Brandtourismus“ verstörte die Nachbarn am Sonntag und Montag. Menschen verweilten in größeren Gruppen vor dem abgebrannten Haus und machten Fotos. „Zur Mittags- und Kaffeezeit kamen 50, 60 Leute in der Stunde“, berichtet Anwohnerin Gaby Wenning. Das führte in der Straße, einer Sackgasse mit Wendehammer, zu Stau und Verkehrsblockaden.

Auch auswärtige Brandtouristen schauen vorbei

„Uns geht es aber nicht um unsere persönlichen Einschränkungen“, betont ihr Mann Werner Wenning. Stattdessen sei man sich in der Nachbarschaft einig, dass die Sensationslust der Besucher unangebracht ist.

„Es war wirklich geschmacklos. Für viele ist der Brandort ein Ausflugsziel, sie pilgern dorthin“, sagt Gaby Wenning. Teilweise seien auch Autos mit auswärtigen Kennzeichen nach Vreden gekommen, um sich die Überreste des Brandes anzuschauen. „Es war wie bei Unfällen auf einer Autobahn“, so Werner Wenning. Auch größere, nicht zu den Corona-Regeln passende Gruppen hätten sich dabei gebildet.

Nachbarn rufen auf, Unfallstelle nicht zu besuchen

Dabei gebe es in den lokalen Medien doch alle Infos zum Geschehen. „Diese Art von Brandstellen-Voyeurismus mit Neugier und Schaulust kann den Betroffenen sicherlich in keiner Weise Trost sein und stört während der Weihnachtsferien zudem die Anwohner. Eine Brandunglücksstelle kann kein Ziel für einen Spaziergang sein – auch nicht in Corona-Zeiten!“, erklären mehrere Bewohner der Finkenstraße in einem gemeinsamen Brief. Am Dienstag habe sich die Situation allerdings wieder einigermaßen entspannt, berichten die Bewohner der Finkenstraße.

Schaulustige machen Probleme bei Polizei- und Feuerwehreinsätzen

Christian Nienhaus, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr in Vreden, weiß um die möglichen Probleme mit Schaulustigen, vor allem während eines Einsatzes. „Es kann passieren, dass die Zuwege zugestellt sind. Dann kommt man mit den Gerätschaften nicht an den Einsatzort. Oder Fußgänger und Fahrradfahrer stehen im Weg“, erklärt er.

An Gefahrenstellen, an denen die Gefahrenlage nicht offensichtlich ist (zum Beispiel Bauteile mit Einsturzgefahr), begäben sich die Schaulustigen teilweise selbst in Gefahr. Ähnliches berichtet Frank Rentmeister, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Borken. „Das Hauptproblem ist, dass Rettungswege nicht freigehalten werden“, meint er. Darüber sei ihm aber bei diesem konkreten Einsatz nichts berichtet worden. Im Nachhinein seien Schaulustige aber für die Polizei kein Problem, solange sie sich an das allgemeine Recht halten und nicht zum Beispiel auf eine Leiter steigen, um zu fotografieren.

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Bastian Becker

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