Im Münsterland hat die Getreideernte begonnen. Bei einem Vredener Landwirt ist die Gerste bereit komplett gedroschen. © Privat
Getreideernte

Getreideernte „besser als in Dürrejahren“ – Einbußen durch Düngeverordnung

Erst nasses Wetter im Frühjahr und jetzt zur Ernte wieder. Ein Vredener Landwirt erzählt, warum die Getreideernte bis jetzt trotzdem besser war als in den Dürrejahren.

In der Landwirtschaft hat die Getreideernte in der vergangenen Woche vereinzelt begonnen. Die ersten Mähdrescher waren auch auf den Feldern im Münsterland zu sehen. Das Wetter spielte nicht überall mit, trotzdem nutzte ein Vredener Landwirt die trockenen Ernte-Fenster.

„Die Prognosen für die Getreideernte in Nordrhein-Westfalen sind überwiegend optimistisch“, heißt es in einer Pressemitteilung der Landwirtschaftskammer NRW. In Vreden hat Familie Herick ihre Gerste eingefahren, ihre Gerstenernte ist bereits durch.

Ernte-Fenster genutzt

„Wir sind mit der Gerste gut zufrieden gewesen“, sagt Junglandwirt Jonathan Herick im Gespräch mit der Redaktion. Bisher ist die Gerste größtenteils trocken genug gewesen, um sie zu dreschen, trotz der häufigen Schauer. „Wir haben die trockenen Ernte-Fenster genutzt“, sagt Jonathan Herick.

Familie Herick hatte in diesem Jahr auf sechs Hektar Gerste angebaut. Der Erntefortschritt in der Region sei ganz gut, etwa die Hälfte der Gerste sei überall gedroschen.

Korn muss trocken genug sein

Da nur wenige Landwirte über eine eigene Trocknungsanlage verfügen, ist es besonders wichtig, dass das Korn trocken genug ist. Falls das Korn zu nass ist, entwickeln sich Schimmel, Pilze und Bakterien.

Familie Herick bietet Blühpatenschaften zur Steigerung der Artenvielfalt an. Hier zu sehen: Jonathan und Josef Herick (v.l.).
Familie Herick bietet Blühpatenschaften zur Steigerung der Artenvielfalt an. Hier zu sehen: Jonathan und Josef Herick (v.l.). © privat © privat

„Dann bilden sich Mykotoxine, das sind Giftstoffe“, erklärt der Junglandwirt. Gelangen diese ins Tierfutter, ist das schädlich für die Tiere. Außerdem könnten die Giftstoffe in die Produkte wie Milch, Eier und Fleisch gelangen.

Über Niveau der vergangenen Dürrejahre

Damit das nicht passiert, achten Landwirte genau darauf, dass das Getreide trocken genug ist. Familie Herick aus Vreden hat zweimal gedroschen. Denn: Stellenweise war das Korn noch nicht reif genug oder es war partiell noch zu nass.

Trotz der relativ nassen Wetterverhältnisse staubt es beim Dreschen trotzdem, zum Glück.
Trotz der relativ nassen Wetterverhältnisse staubt es beim Dreschen trotzdem, zum Glück. © Privat © Privat

Insgesamt war das Frühjahr sehr nass, aber rund zwei heiße Wochen zwischendurch haben die Wachstumsverzögerung wieder ausgeglichen. Der viele Regen im Moment könnte die Qualität vom noch stehenden Korn mindern. „Bei uns waren wir zufrieden, wir liegen über dem Niveau der letzten drei Dürrejahre“, sagt Jonathan Herick.

Mindererträge wegen neuer Düngeverordnung

Der Junglandwirt, der derzeit in Osnabrück Landwirtschaft studiert, steht mit seinen Arbeitskollegen, Kommilitonen, Pflanzenschutzberatern und Lohnunternehmern immer in regem Austausch. Jonathan Herick hat mit einem Pflanzenschutzberater gesprochen, der in der Region einige Betriebe berät.

Drunter seien auch Höfe, die ihre Düngung aufgrund der neuen Düngeverordnung stark einschränken mussten. „Die haben jetzt Mindererträge und Qualitätseinbußen dadurch erlitten“, erzählt Jonathan Herick im Gespräch mit der Redaktion.

Unwetter und Hagel können Ernte vernichten

Diese Höfe müssen ihre Bewirtschaftung jetzt erst einmal an die neue Düngeverordnung anpassen. „Damit die Ertrags- und Qualitätseinbußen sich in Grenzen halten“, so Herick.

Nach der Wintergerste dreschen die Landwirte die übrigen Getreidearten wie Winterweizen, Triticale – eine Kreuzung aus Weizen und Roggen – Roggen, Sommergerste, Sommerweizen und Hafer. Dann folgt bald die Rapsernte. Damit das möglichst reibungslos funktioniert, wäre trockenes Wetter hilfreich. Denn Unwetter mit Starkregen und Hagel können eine sicher geglaubte Ernte innerhalb kürzester Zeit zerstören.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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