Gutachter empfiehlt Auslaufen der Felicitas-Schule

Bestnoten helfen nicht

Das Ziel ist klar: Die Wahlmöglichkeit der Eltern im Kreis Borken, ihr Kind entweder auf eine Regelschule oder eine Förderschule schicken zu können, zu erhalten. Da wollen Stadtverwaltung und Kommunalpolitik das Vredener Eigeninteresse hinten anstellen, wie es Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch formulierte - und keinen Widerspruch erhielt in der gemeinsamen Sitzung von Schul- und Sozialausschuss am Donnerstag.

VREDEN

von Foto: Anne Winter-Weckenbrock

, 11.10.2013, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der neue Gebäudeteil der St.-Felicitas-Schule in Vreden - bleiben die Türen weiterhin geöffnet, um dort Schüler zu unterrichten?

Der neue Gebäudeteil der St.-Felicitas-Schule in Vreden - bleiben die Türen weiterhin geöffnet, um dort Schüler zu unterrichten?

Das Gutachten zur Zukunft der sechs Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen im Kreis Borken war Thema. Dieses empfiehlt das Aus der Felicitas-Schule in Vreden bis 2020, gibt ihr aber beste Noten, wie aus der Zusammenfassung des Ersten Beigeordnete Bernd Kemper hervorging. Sowohl, was die vom Gutachter beurteilte Qualität (pädagogisch und gebäudetechnisch) als auch die zentrale Lage im Kreisgebiet angeht, haben die Felicitas-Schule und die Johannes-Schule Stadtlohn "die Nase vorn".Zentrale Lage ausschlaggebend Dass dennoch auf Dauer allein zwei Schulen in Ahaus und Borken die Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen unterrichten sollen, sei der zentralen Lage der beiden Städte jeweils im Nord- und Südkreis geschuldet, begründete Kemper die Empfehlung des Gutachters.

Folgende Aussage ließ die Vredener aber aufhorchen: Stadtlohn und Vreden sollten weiter Schulstandorte bleiben, empfiehlt Gutachter Dr. Heinfried Habeck von der TU Dortmund. "Wie muss man sich das denn vorstellen?", fragte Theo Humberg (CDU).Vreden doch weiter Standort? Darauf gab Bernd Kemper eine diplomatische Antwort: Vreden könnte später ein Standort für einen der beiden anderen Förderschwerpunkte - Sprache oder soziale und emotionale Entwicklung - sein. "Aber das wünschen sich andere auch", schob er sofort hinterher. Wenn aber der Kreis Borken die Trägerschaft aller Förderschulen übernähme, könnten Schwerpunkte verlagert werden, "weil sich der zentrale Standort im Kreis und die Gebäude anbieten. Da gibt es Gedankenspiele", so Kemper.

"Wichtig ist aber erst einmal die gemeinsame Vorgehensweise", betonte Reinhard Laurich (SPD) mit Blick auf die Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen. Auch Agnes Schültingkemper (CDU) appellierte, nicht die Wahlmöglichkeit der Eltern zu gefährden. "Mit Eitelkeiten kommt man da nicht weiter", befand Sandra Lentfort (Grüne). Das Gutachten sei plausibel - auch in dieser Beurteilung schloss sich der Ausschuss dem Bürgermeister an.

  • Vor dem Hintergrund der Inklusion und sinkender Schülerzahlen hatten die sechs Städte, an denen es aktuell eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen gibt, gemeinsam Kriterien erarbeitet und ein Gutachten in Auftrag gegeben.
  • Die Empfehlung: Den Standorten Bocholt und Gronau könnte ab 2016 das Aus drohen, die Vredener Felicitas-Schule solle als Teilstandort der Ahauser und die Stadtlohner Johannesschule als Teilstandort der Borkener Förderschule weitergeführt werden – zumindest bis etwa 2020.
  • Den Stadtspitzen von Ahaus, Bocholt, Borken, Gronau, Stadtlohn und Vreden war das Gutachten bereits vorgestellt worden (Münsterland Zeitung berichtete), im Anschluss daran hatte es noch eine Informationsveranstaltung für alle Mitglieder der Schulausschüsse der beteiligten Kommunen gegeben. Vor allem aus Bocholt und Gronau gab es naturgemäß Kritik an der Empfehlung.
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