Auch in Vreden verliert der Krammarkt an Kunden

mlzKrammarkt Vreden

Früher waren Krammärkte ein guter Ort für Händler. Mittlerweile nimmt das Interesse auch der Vredener immer mehr ab. Ein Grund, wie eine Umfrage ergab: mehr Bestellungen im Internet.

Vreden

, 22.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Trubel auf dem Marktplatz in Vreden an diesem Montagvormittag im Oktober hält sich in Grenzen. Hier und da bleiben ein paar Leute stehen, schauen sich Jacken, Schals oder auch selbst gestrickte Beutel an. Aber so eine wirkliche Stimmung will nicht aufkommen beim Krammarkt. „Leider ist heute wenig los. Vor zwei Wochen war das noch anders. Heute kommt uns das Wetter und die Ferienzeit dazwischen“, sagt Gudrun Veldmann, die einen Stand mit Strickwaren betreut.

Aber auch unabhängig davon, dass vermutlich einige im Urlaub weilen und die Temperaturen kühl sind: Großes Interesse lösen Krammärkte bei der Bevölkerung nicht mehr aus. „Viele Menschen kaufen ihre Kleidung nur noch über das Internet. Mein Eindruck ist, dass immer weniger Leute solche Märkte besuchen“, findet Sabine Kuch, die Schals, Leggins und auch Schmuck anbietet.

Auch in Vreden verliert der Krammarkt an Kunden

Wie der Name schon sagt: Auf dem Krammarkt wurde viel gekramt. © Maximilian Konrad


Schwer, mit Produkten Geld zu verdienen

Sabeine Kuch, die aus Reken kommt, hat zudem ein weiteres Phänomen festgestellt. Viele Besucher feilschen gerne, weil sie das vom Trödelmarkt kennen. „Dabei verwechseln sie jedoch, dass wir den Leuten Neuware und keine Gebrauchtware anbieten“, betont sie. Daher werde es immer schwieriger, seine Produkte zu verkaufen und damit Geld zu verdienen.

Werner Ostendarp verkauft Gewürze auf dem Krammarkt. Dass der gesellige Mann aus Ahaus sehr gut darin ist, seine Ware an den Mann und die Frau zu bringen, merkt man sofort. Ein Ehepaar aus den Niederlanden wollte eigentlich nur ein spezielles Gewürz kaufen und auf einmal hatten sie mehrere Tüten in der Hand und Ostendarp rechnet ab.

Früherer REWE-Geschäftsführer

„Leider kennen sich viele gar nicht mit Gewürzen aus und kaufen in Supermärkten ein. Zudem trauen sich viele Menschen auch nicht, originelle Mischungen zu probieren. Dabei lässt sich mit guten Gewürzen so viel bewirken“, sagt der gelernte Fleischer, der mit seinem Stand mehrmals in der Woche im Kreis Borken unterwegs ist.

Auch in Vreden verliert der Krammarkt an Kunden

Beim Krammarkt in Vreden konnte Kleidung, Schals, Gewürze und weiteres gekauft werden. © Maximilian Konrad

Anfang der 2000er-Jahre war Ostendarp noch Geschäftsführer eines REWE-Marktes in Vreden an der Winterswyker Straße. Doch dann schloss dieser und er musste sich eine neue Beschäftigung suchen. Vorübergehend arbeitete er dann in einer Firma, die Fußböden aus Holz anfertigte. Seit einiger Zeit verkauft er nun Gewürze und hat dazu einen Nebenjob, bei dem er einmal die Woche tätig ist.

Beutel gegen Plastikverbrauch

Werner Ostendarp hat seit einigen Jahren die Lage der Märkte sondiert. Gerade Abendmärkte liegen bei den Leuten im Trend. „Die Leute wollen nach Feierabend ein paar Häppchen essen – am besten umsonst. Eine wirkliche Markt-Kultur ist das nicht mehr“, bemängelt der Händler.

Helma Benke fertigt die Beutel, alternative Frischhaltefolie und Bienenwachstücher alle selbst an. „Jeden Cent, den ich einnehme, spende ich an zwei Jugendliche in Bangladesch. Ich habe die Familie durch einen Flüchtling kennengelernt“, erzählt die ehemalige Grundschullehrerin aus Vreden, die vor allem aus zwei Gründen einen Stand hat. Zum einen braucht sie Beschäftigung im Rentner-Dasein und zum anderen will sie die Menschen mit ihren nachhaltigen Beuteln für den Gebrauch von weniger Plastik sensibilisieren.

Vielfältige Produkte auf dem Markt

Neben Gewürzen, Strickware und Beuteln und Co. gibt es beim Vredener Krammarkt, der in der Regel am ersten Montag im Monat stattfindet, normalerweise noch eine größere Produktpalette: Auch Fisch, Schuhcreme oder auch Kinderkleidung kann man dort kaufen.

Aber in den Ferien blieben viele Händler zu Hause – ein seltener Zustand. „Gerade in den Sommermonaten sind fast alle der 24 angemeldeten Händler da. Dazu gibt es noch Restplatzbewerber. Da kann es schon mal eng werden“, erzählt Jan Wenning, der bei der Stadt Vreden für den Krammarkt verantwortlich ist.

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