Kimberley David und Nils Einck machen eine Ausbildung zu Industriekaufleuten. Sie berichteten den interessierten Jugendlichen von ihren Erfahrungen. © Victoria Garwer
Nacht der Ausbildung

Handwerk, Industrie oder Bürojob: Die Suche nach dem richtigen Job

In der Nacht der Ausbildung haben sich 40 Vredener Unternehmen vorgestellt. Jugendliche informierten sich dabei über interessante Ausbildungsberufe – nicht immer mit Erfolg für beide Seiten.

Möbel designen oder lieber herstellen? Oder vielleicht vermarkten oder doch verpacken und verladen? Menschen auf Ausbildungssuche bieten sich in Vreden eine Vielzahl von Möglichkeiten für ihre Zukunft. Das hat die Nacht der Ausbildung am Donnerstagabend gezeigt. 40 Vredener Unternehmen haben mitgemacht.

OBV Objektbau Bomers war zum ersten Mal mit dabei. Weil dort gleich vier verschiedene Ausbildungsberufe angeboten werden, kamen dementsprechend viele Interessenten vorbei. Besonders beliebt schien der Beruf des Technischen Produktdesigners zu sein. Diese zeichnen, planen und konstruieren Möbel.

Das Unternehmen ist im Ladenbau tätig und stellt zum Beispiel Regale her, auf denen Produkte präsentiert werden, oder Theken für Empfangsbereiche. „Groß geworden sind wir mit der Einrichtung von Märkten der Ketten Saturn und Mediamarkt. Inzwischen statten wir auch viele Sanitätshäuser, Arztpraxen, Schuhgeschäfte und Kaufhäuser aus“, sagte Thomas Hippler, Assistent Leiter Vertrieb und Marketing.

An den zwei Standorten im Vredener Industriegebiet werden alle Schritte erledigt: vom Entwerfen der Möbel über die Herstellung bis zur Montage. „Auszubildende im Büro zu finden, geht noch, im Handwerk ist es deutlich schwieriger“, sagte Thomas Hippler.

Führung durch die Werkstatt des Ladenbauers

Doch in der Nacht der Ausbildung schauten sich gleich zwei potenzielle neue Azubis die Tischlerei an. „Ich mache gerne was mit den Händen und arbeite gerne mit Holz“, erklärte eine 15-jährige Vredenerin ihren Berufswunsch. Diese Leidenschaft hat sie im Werkunterricht an der Sekundarschule entdeckt. Deswegen hat sie auch schon drei Praktika in diesem Bereich gemacht.

Interessiert hörte sie Meister Martin Tenhumberg zu, der die Jugendlichen durch die Werkstatt führte und jeden Arbeitsschritt detailliert erklärte. Der 15-Jährigen blieb aber keine Zeit für ein langes Gespräch. Schließlich musste sie danach noch weiter zu anderen Unternehmen.

Im Foyer und den Büroräumen von OBV erklärten unterdessen die aktuellen Auszubildenden Kimberley David (18) und Nils Einck (19), was eigentlich ein Industriekaufmann beziehungsweise eine Industriekauffrau macht. Kundenkontakt halten, Rechnungen erstellen und prüfen, Firmenpräsentation in den sozialen Netzwerken und den Medien – das Aufgabenfeld ist breit gefächert.

Martin Tenhumberg ist Tischler-Meister bei OBV und zeigte den interessierten Jugendlichen die Werkstatt.
Martin Tenhumberg ist Tischler-Meister bei OBV und zeigte den interessierten Jugendlichen die Werkstatt. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Jana Büll klärte die interessierten Jugendlichen darüber auf, wie die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik läuft. „Für uns ist die Nacht der Ausbildung schon jetzt ein Erfolg, weil jetzt viele Jugendliche wissen, dass es uns gibt“, sagte Thomas Hippler nach knapp einer Stunde.

Steuerberater dürfen nicht zu viele Details nennen

Deutlich ruhiger war es in der Innenstadt im Steuerbüro Bonato. Doch das verwunderte hier niemanden. „Der Beruf hat kein gutes Image“, sagte Friedrich Bonato, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. „Dabei ist das einer der anspruchsvollsten und vielseitigsten Berufe, die es gibt“, sagte Steuerberaterin Michaela Tenhumberg.

Das Problem: Sie dürfen kaum Details aus dem Arbeitsalltag berichten. Schließlich gibt es eine Schweigepflicht. „Wir können keine Produkte zeigen, keine Präferenzen nennen. Wir arbeiten spurenlos“, sagte Michaela Tenhumberg. Erst in einem etwas längeren Praktikum könne man den Beruf gut kennenlernen, zwei Wochen zum Beispiel machen aus ihrer Sicht Sinn.

Jannis Hubbeling hat im Gespräch mit Friedrich Bonato, Michaela Tenhumberg und Victoria Bomers gemerkt, dass Steuerberater wohl nicht der richtige Beruf für ihn ist.
Jannis Hubbeling hat im Gespräch mit Friedrich Bonato, Michaela Tenhumberg und Victoria Bomers gemerkt, dass Steuerberater wohl nicht der richtige Beruf für ihn ist. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Jannis Hubbeling (17) hat trotz des „nicht guten Images“ des Berufs den Weg in das Steuerbüro gefunden. „Ich bin offen und möchte überall reinhören, aber ich glaube, das hier ist nicht das Richtige für mich“, sagte er nach dem Gespräch.

Wirtschaftsprüfer – das hätte ihn interessiert. „Aber das ist leider kein eigener Ausbildungsberuf“, klärte Friedrich Bonato auf. Und auch wenn der junge Vredener hier wohl keine Ausbildung anfangen wird – für ihn hat sich das Informationsangebot auf jeden Fall schon gelohnt.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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