Hypnose ist nicht nur Show

Oft falsche Vorstellungen

Menschen, die in Trance wie ein Huhn über die Bühne flattern oder hemmungslos selbst die intimsten Details aus ihrem Leben offenbaren - Showhypnose bringt oft die skurrilsten Facetten menschlicher Neigungen zum Vorschein. "Und sie hat mit therapeutischer Hypnose nun überhaupt gar nichts gemein", betont die Vredener Heilpraktikerin Susanne Schwering, die die therapeutische Hypnose seit gut drei Jahren in ihrer Praxis praktiziert.

VREDEN

von von Susanne Menzel

, 29.12.2016, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gewichtsreduktion und Raucherentwöhnung sind die beiden häufigsten Anliegen, mit denen sich ihre Patienten an sie wenden. Gerade jetzt, zum Jahreswechsel und zum Zeitpunkt der "guten" Vorsätze fürs neue Jahr, ist ihre Unterstützung ganz besonders gefragt.

Hilfe bei guten Vorsätzen

"Die meisten Menschen, die zu mir kommen, haben zunächst ganz falsche Vorstellungen von dem, was auf sie zukommt", schildert die 38-Jährige. "Sie glauben, dass ich sie mit einem Fingerschnippen in einen Zustand versetze, in dem sie nichts mehr von dem mitbekommen, was um sie herum geschieht. Dem aber ist nicht so."

Zunächst einmal, so betont die Heilpraktikerin, lasse sich ohnehin nur derjenige in einen Trancezustand versetzen, "der dafür offen ist und sich entspannen kann." Diese Entspannung werde dann vertieft, mitunter mit Hilfe eines Pendels. "Die Patienten bekommen in der kompletten Phase alles mit, was mit ihnen und um sie herum passiert. Sie können sich auch äußern, was für mich bei dieser Behandlung wichtig ist. Ich hinterfrage Gründe, komme mit ihnen ins Gespräch. Nicht zuletzt können sich die Leute dann auch bei Bedarf selbst wieder aus diesem Zustand herausholen." Und agieren halt nicht wie ferngesteuert auf der Showbühne."

Akustische Unterstützung

Bei der therapeutischen Hypnose dauert die Sitzung in der Regel eine dreiviertel bis eine Stunde, manchmal auch etwas länger. "Es liegt immer an der Problematik, die dahinter steckt und daran, wie intensiv ich hinterfragen muss." Susanne Schwering gibt den Patienten dann während der Sitzung die entsprechenden Suggestionen - und spricht diese später individuell noch einmal auf eine CD, die die Patienten mit nach Hause nehmen dürfen. "Bei den meisten ist es mit einer Sitzung getan, andere benötigen noch einmal eine akustische Unterstützung im Nachhinein", so Susanne Schwerings Erfahrungen.

Und wie sieht die Erfolgsquote aus? Wie viele Menschen schaffen es wirklich, durch Hypnose-Unterstützung ihr Problem zu bewältigen, vom Glimmstengel weg zu kommen, oder auch einige Kilos zu verlieren? "Ich schätze, so um die 75 Prozent sind damit wirklich erfolgreich", meint die Therapeutin. Wobei sie betont: "Bei manchen Menschen merkt man schon im Vorfeld, dass es nicht klappen wird. Das liegt oft daran, dass die Patienten vielleicht vom Freund oder Ehemann geschickt wurden und selbst eigentlich gar nicht dahinter stehen. Sie wollen vielmehr nur die Erwartungen anderer erfüllen. Oder sie scheitern, weil sie einfach nicht abschalten können und nicht in einen Entspannungszustand finden. Dann kann ich natürlich auch nichts machen."

Panik vorm Zahnarztbesuch

Doch nicht nur Erwachsene können unterstützend mit Hypnose behandelt werden. "Auch Kinder, die beispielsweise ins Bett nässen, kann ich behandeln", erklärt die Vredenerin. Oder Menschen mit wenig Selbstbewusstsein sowie jene, die in den verschiedensten Situationen unter Angstzuständen leiden. Beispielhaft wäre dabei die Panik vorm Zahnarztbesuch: "Über die Suggestion kann ich die Patienten dazu bringen, keine Angst mehr vor Spritzen zu verspüren.

Manche schaffen es dann sogar ohne Betäubung, die Behandlung über sich ergehen zu lassen." Und: Kinder hätten den Vorteil, "dass sie ganz offen in solch eine Sitzung gehen und sich fallen lassen können. Sie sind freiweg. Allerdings sollten sie schon acht Jahre und älter sein. Bei Jüngeren entscheide ich individuell, ob es überhaupt Sinn macht."

Kinder sind freiweg

Hypnose sei, so gibt Susanne Schwering zu, im bodenständigen Westfalen schon "ein Angebot, bei dem die Leute zunächst skeptisch reagieren. Wer aber erfahren hat, dass er dabei keineswegs zur Marionette wird und tatsächlich Hilfe erfahren kann, wenn er offen dafür ist - der erfährt wirklich Unterstützung." Und der weiß dann auch, dass flatternde Hühner auf die Bühne, und nicht in eine Praxis gehören.

 

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