Im Gerichtssaal zwischen Lügengeschichten und plötzlicher Festnahme

mlzGerichtsprozess

Zwei wegen versuchten schweren Diebstahls angeklagte Vredener verstrickten sich vor Gericht in ihren Lügen und machten ihre Situation nur schlimmer. Zum Schluss gab es sogar eine Festnahme.

Legden

, 23.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Uneinsichtig zeigten sich am Dienstag, 20. Oktober, zwei Angeklagte im Amtsgericht Ahaus. Die Vredener sind wegen versuchten schweren Diebstahls angeklagt – das könnte eine Mindestfreiheitsstrafe von drei Jahren zur Folge haben. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Richter konnten nicht zu den Angeklagten durchdringen, obwohl das positive Auswirkungen für sie hätte haben können.

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Die zwei Angeklagten Logistiker sollen einen 46-jährigen Vredener in seiner Wohnung in Vreden am 26. April 2020 beraubt haben. Dazu haben sie an der Haustür des 46-Jährigen geklingelt, wo Angeklagter Nummer 2 zu sehen war.

Flucht nach draußen

Der 1997 in Vreden geborene Mann habe sofort nachdem die Haustür vom Geschädigten geöffnet wurde, diesen gepackt und durch den Flur in die Wohnung geschoben. Das war sicher nicht schwierig für ihn, „denn er ist ja nicht gerade wenig wie man sieht“, sagt der Geschädigte während seiner Aussage vor Gericht.

Angeklagter Nummer 1 (32), ebenfalls aus Vreden, habe dann übernommen und ihn weiter ins Wohnzimmer gedrückt, wo das Opfer rücklinks über das Sofa fiel. Dort waren allerdings Besucher des Geschädigten. Alle seien einen kurzen Moment verwirrt gewesen. Diese Gelegenheit nutzte der Geschädigte, um durch den leeren Flur zu flüchten. Das taten auch die Zeugen, allerdings durch die Terrassentür.

Opfer und Täter kannten sich

Sofort sei die Polizei verständigt worden. Die nahm die Aussagen auf und, dass 40 Euro entwendet wurden. Es war allerdings nicht das erste Mal, dass Täter und Opfer aufeinander trafen: Einen ersten Diebstahl vor zwei oder drei Jahren habe der Geschädigte, aber nicht weiter von den Behörden verfolgen lassen.

Dass die beiden Angeklagten den Geschädigten kennen, bestritten diese vehement. Auch hätten beide ein Alibi für den besagten Sonntagabend. Immer wieder verstrickten sich die zwei in Details, die dem Richter allerdings nicht entgingen.

Bis 11 Uhr geschlafen – trotz Baby

Angeklagter 1 habe damals einen zwei Wochen alten Sohn gehabt, daher sei er den ganzen Tag bei ihm und seiner Freundin gewesen, habe aber bis 11 Uhr Vormittags geschlafen. „Sie haben bis 11 Uhr geschlafen und hatten einen zwei Wochen alten Sohn?“, fragte der Richter skeptisch und auch die beiden Schöffen und der Staatsanwalt belächelten den Angeklagten aufgrund dieser Aussage.

Angeklagter 2 sei mit seinem Vater, mit dem er zusammen in Vreden wohnt, in der Pizzeria gegenüber ihrer Wohnung gewesen, dort haben sie gegessen. Nach einer kurzen Verhandlungspause belehrte der Richter auch den Angeklagten 2, dass seine Aussage nicht stimmen könne, denn am 26. April seien alle Gastronomie-Betriebe geschlossen gewesen, man hätte nur Essen mitnehmen dürfen.

Angeklagte stehen sich selbst im Weg

Mehrmals wiesen die Staatsanwaltschaft und der Richter darauf hin, dass die Aussagen der beiden Angeklagten nicht glaubhaft seien. Der Richter habe im Gegenteil sogar, selten eine so glaubhafte Aussage wie von dem Geschädigten gehört. Fast schon baten Richter und Staatsanwalt die Angeklagten darum, sich selbst nicht im Weg zu stehen.

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Doch alle Bitten und Appelle hatten keinen Sinn: Die Angeklagten verhedderten sich mehr und mehr in ihren Aussagen. Auch die beiden Zeugen, die ihre Alibis bestätigen sollten, der Vater des einen und die Freundin des anderen Angeklagten, konnten ihnen nicht helfen. Der Vater erschien zwar kurzfristig, war aber hilflos und konnte seinem Sohn kein Alibi geben. Die Freundin war auch auf mehrmaliges Bitten des Richters und nach einigen Anrufen des Angeklagten nicht erschienen. Sie wird zum Fortsetzungstermin erneut geladen.

Plötzlich viele Polizisten im Saal

Eine plötzliche Wendung nahm der Prozess gut eine halbe Stunde vor Ende der Sitzung. Es nahmen drei bewaffnete Polizisten in der Zuschauerreihe Platz. Direkt neben einer jungen Frau, die offenbar die Freundin des Angeklagten Nummer 2 ist. Verdacht haben sowohl sie, als auch der Angeklagte sowie seine Rechtsanwältin nicht geschöpft, denn niemand scherte sich darum, ob und wie viele Polizisten plötzlich dort saßen.

Festnahme im Gerichtssaal

Ein paar Minuten vor Ende der Sitzung kamen weitere Polizisten hinein, einer davon setzte sich direkt hinter den zweiten Angeklagten. Dieser schaute sich kurz zu dem Polizisten um, ließ sich aber nichts anmerken. Erst als die Verhandlung beendet wurde und die Polizeibeamten den angeklagten Vredener informierten, dass er festgenommen sei, schien dieser zu begreifen, was jetzt folgen würde.

Er stand auf, nahm die Hände hoch und sagte für ihn ungewöhnlich laut: „Ey, lasst mich in Ruhe.“ Die Freundin des Mannes fing an zu weinen und alle Anwesenden wurden gebeten den Saal zu verlassen.

Offener Haftbefehl

Der Angeklagte wurde aus dem Gerichtsgebäude hinaus geführt. Vor dem Amtsgericht stand ein Polizeiwagen. Dort steig er schließlich ein, ohne sich zu wehren. Wegen eines offenen Haftbefehls wurde er unverzüglich festgenommen. Er habe bereits mehrmals seinen Haftantrittstermin verpasst, hieß es von einem anwesenden Polizeibeamten. Zudem hatte der Vredener, der mit seinem Vater zusammen wohnt, bereits eine neunmonatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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