Ein Jahrhundertereignis mit orkanartigem Sturm und sintflutartigem Regen gab es zuletzt im Jahr 2003 in Vreden. Damals haben die Messstellen innerhalb einer Viertelstunde einen Niederschlag von 29,7 Litern pro Quadratmetern gemessen. © MLZ-Archiv
Hochwasser-Risiko

Karte: Diese Häuser und Gebiete in Vreden wären von Hochwasser betroffen

Die Bezirksregierung Münster hat drei verschiedene Szenarien erstellt, die zeigen, wo welche Gebiete in Vreden wie hoch unter Wasser stehen würden. Auch Wohnhäuser wären betroffen.

Mehr als vier Meter hoch Wasser in der Berkel, der Berkelsee tritt über die Ufer, Moor- und Ölbach kesseln eine Siedlung ein, Bauernhöfe und Sportplätze stehen unter Wasser und im Industriegebiet Gaxel werden Gewerbegrundstücke überschwemmt. Diese Bilder zeichnen die Hochwasser-Gefahrenkarten der Bezirksregierung Münster.

Solche Karten (flussgebiete.nrw.de) gibt es für den gesamten Verlauf der Berkel, des Ölbachs, des Moorbachs und des Beurser Bachs auf Vredener Gebiet. Die Daten, die ihnen zugrunde liegen, wurden im April 2019 zuletzt aktualisiert.

Drei verschiedene Szenarien stellt die Bezirksregierung dar. Das erste ist ein relativ häufiges Hochwasser, das im Schnitt alle 10 bis 20 Jahre auftritt. Schon hier erreicht die Berkel stellenweise eine Wassertiefe von bis zu vier Metern. Da sie aber im Stadtgebiet recht tief liegt, tritt sie hier nicht über die Ufer.

Berkelsee überschwemmt Felder und Wiesen

Der Berkelsee jedoch füllt sich in diesem Szenario so hoch mit Wasser, dass angrenzende Felder und Wiesen überschwemmt werden. Von hier aus fließt das Wasser auch in den Ausbach. Dieser tritt laut der Berechnungen kurz vor der Bahnhofstraße über die Ufer und überschwemmt die Gärten von zwei Wohnhäusern.

Die Gärten von Wohnhäusern an der Bahnhofstraße würden bei einem Hochwasser, das relativ häufig vorkommt, überschwemmt werden.
Die Gärten von Wohnhäusern an der Bahnhofstraße würden bei einem Hochwasser, das relativ häufig vorkommt, überschwemmt werden. © Bezirksregierung Münster © Bezirksregierung Münster

Weitere Wohnhäuser im Stadtgebiet sind in diesem Szenario nicht betroffen, im Industriegebiet Gaxel werden lediglich zwei Hallen nass. In den Außenbereichen jedoch gibt es zahlreiche Überschwemmungen. Diese liegen allerdings in unbewohnten Bereichen. Sowohl vor als auch hinter Vreden breitet sich die Berkel in einem meterbreiten Korridor auf den landwirtschaftlichen Flächen aus. Dadurch kommt im Stadtgebiet selbst nicht mehr so viel Wasser an.

Ausbach und Berkel treten stellenweise über die Ufer

Das zweite Szenario zeigt ein Hochwasser, das im Schnitt alle 100 Jahre auftritt: ein sogenanntes Jahrhundertereignis. Für Vreden wären in diesem Fall laut Gefahrenkarten keine nennenswert größeren Schäden zu erwarten als bei dem häufigen Hochwasser. Wieder sammelt sich das Wasser vor allem vor und hinter Vreden auf den landwirtschaftlichen Flächen.

Auch bei einem Jahrhundert-Hochwasser sammelt sich das Wasser vor allem in den Außenbereichen in einem meterbreiten Korridor.
Auch bei einem Jahrhundert-Hochwasser sammelt sich das Wasser vor allem in den Außenbereichen in einem meterbreiten Korridor. © Bezirksregierung Münster © Bezirksregierung Münster

Der Ausbach jedoch sorgt für ein größeres Überschwemmungsgebiet im Stadtzentrum. Nicht mehr nur Gärten, sondern auch Unternehmen sind betroffen – unter anderem die Papierfabrik. Der Berkelsee kommt zudem den Häusern an der Overbergstraße gefährlich nahe und die Berkel nimmt die Gärten an der Schabbecke in Anspruch.

Ausbachstraße wird komplett überflutet

Im dritten Szenario wird ein Extremhochwasser gezeichnet, das im Schnitt deutlich seltener als alle 100 Jahre auftritt. Die Bezirksregierung geht hier davon aus, dass der Schutz durch Deiche und andere Schutzanlagen nicht ausreicht. Das hat in Vreden allerdings keine großen Auswirkungen, da es im Stadtgebiet keine solchen Schutzmaßnahmen gibt, die versagen könnten.

Dennoch sind in so einem Fall große Schäden in Vreden zu erwarten. Die Ausbachstraße ist in den Karten komplett überflutet – samt allen Unternehmen und einigen Wohnhäusern. Auch einige Häuser an der Overbergstraße stehen im Überschwemmungsgebiet, genau wie die Gärten am Kampenweg.

Der Berkelsee würde bei einem extremen Hochwasser über die Ufer treten.
Der Berkelsee würde bei einem extremen Hochwasser über die Ufer treten. © Grafik Martin Klose © Grafik Martin Klose

Besonders schwer getroffen ist in diesem Szenario aber die Siedlung an der Ottensteiner Straße zwischen Moorbach und Ölbach. Das Wasser sucht sich hier regelrecht einen Weg zwischen all den Häusern hindurch. Neben den Sportplätzen und der Tennishalle im Sportzentrum und einigen landwirtschaftlichen Flächen und Wiesen sind hier auch zahlreiche Wohnhäuser gefährdet.

Die Gärten von Wohnhäusern an der Bahnhofstraße würden bei einem Hochwasser, das relativ häufig vorkommt, überschwemmt werden.
Die Gärten von Wohnhäusern an der Bahnhofstraße würden bei einem Hochwasser, das relativ häufig vorkommt, überschwemmt werden. © Bezirksregierung Münster © Bezirksregierung Münster

Das ist allerdings tatsächlich erst bei einem extrem seltenen Hochwasser-Ereignis der Fall. Selbst bei einem Jahrhundert-Hochwasser würde die Siedlung hingegen noch verschont.

Diese Berechnungen sind die Grundlage für einen zehnseitigen Maßnahmenkatalog vom Umweltministerium NRW für die Stadt Vreden. Demnach soll die Stadt zum Beispiel bei neuen Bebauungsplänen das Hochwasserrisiko im Blick haben, Landwirte und Bevölkerung über die Risiken informieren und den Zustand der Gewässer regelmäßig kontrollieren.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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