Kerstin Humberg - in Lünten daheim, in der Welt zuhause

Auszeichnung mit Deutschem Studienpreis

18.05.2007 / Lesedauer: 3 min

Vreden «Von Rabenmüttern, Kindern und Karriere» - so lautet der Titel des Aufsatzes, für den die bereits mit zwei Journalistenpreisen ausgezeichnete Kerstin Humberg (29) aus Lünten am kommenden Montag in der Berliner Akademie der Wissenschaften mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung - für sie gibt es einen dritten Preis - geehrt wird. Dietmar Heeg hat sie vor der Preisverleihung getroffen. Was genau verbirgt sich hinter dem Deutschen Studienpreis? Humberg: Der Deutsche Studienpreis versteht sich als Wettbewerb für junge Forschung in Deutschland. In diesem Jahr ging es um Leitbilder, Modelle und Ideen für die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben. Für welche Arbeit erhalten Sie den Preis? Humberg: Gemeinsam mit einer Freundin aus dem Studium bin ich der Frage nachgegangen, warum Akademikerinnen in Deutschland häufiger kinderlos bleiben als anderswo, welche gesellschaftlichen Konsequenzen dies hat, und wie die Politik diesem Trend entgegenwirken könnte. Tatsächlich bleibt in Deutschland heute jede dritte Akademikerin ohne Kinder. Woran liegt das? Humberg: Vor allem an den überdurchschnittlich langen Ausbildungszeiten und der mangelnden Vereinbarkeit von Arbeit und Familie in Deutschland. Vor die Wahl des entweder Kinder oder Karriere gestellt, entscheiden sich junge Akademikerinnen häufig erst einmal gegen Kinder. Das wiederholte Aufschieben der Familiengründung führt dann bei jeder Dritten zum unfreiwilligen Verzicht auf Kinder aus biologischen Gründen. Sie sind in Vreden zur Schule gegangen und seitdem viel herum gekommen. Auslandsaufenthalte in Südafrika, Indien, Peru und Ghana - haben Sie nie Heimweh ins Münsterland? Humberg: Eigentlich habe ich mich bisher überall sehr wohl gefühlt. «Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, lass sie fliegen!» Das ist das Motto meiner Eltern. Und es stimmt: Meine Wurzeln bleiben in Lünten. Als Diplomgeografin und gelernte Journalistin arbeiten Sie nun als Unternehmensberaterin bei McKinsey. Wie geht das zusammen? Humberg: Unternehmensberatungen suchen Exoten, Menschen mit alternativen Perspektiven. Mich reizt die Vielfalt. So berät McKinsey nicht nur DAX-Unternehmen, sondern auch soziale Organisationen. Trotz allem schlägt mein Herz weiter für den Journalismus. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Humberg: Im Januar werde ich für drei Jahre zur Promotion freigestellt. Dann geht es wieder nach Südasien. Dort möchte ich mich mit den regionalen Folgen des globalen Klimawandels und neuen Ansätzen in der Armutsbekämpfung auseinander setzen. Und natürlich spiele auch ich mit dem Gedanken an Kinder.

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