Frischer Luft schnappen am Berkelsee: Martina Middendorf mit Tochter Maira und Enkel Leon sowie den beiden Hunden Charly und Mila. © Stefan Grothues
Spaziergänge

Kleine Coronafluchten: Frische Luft am Berkelsee und am Schwatten Gatt

Spaziergänge sind in Coronazeiten beliebter denn je. Abstand ist auch im Freien Pflicht. Am Berkelsee und am Schwatten Gatt ist das kein Problem. Hier gibt es Platz für kleine Coronafluchten.

Samstagnachmittag. Das Thermometer zeigt ein Grad über Null. Der Himmel ist grau. Und Charly stürzt sich am Berkelseestrand in die Fluten. Der vierjährige Pudelmix hat Freude einfach an der frischen Luft. Ein Spaziergang weckt die Lebensgeister.

Das findet auch Martina Middendorf. Für die Hundebesitzerin sind Spaziergänge seit jeher eine Selbstverständlichkeit. In Coronazeiten sind sie für sie wichtiger denn je zuvor. „Die frische Luft tut gut, der Kopf wird frei. Und man will ja auch mal was anderes als die eigenen vier Wände sehen“, sagt sie.

Abwechslung muss sein

Mit ihrer Tochter Maira und Enkel Leon und den beiden Hunden Charly und Mila umrundet sie heute den Berkelsee in Vreden. „Das ist eigentlich nicht unsere übliche Strecke – aber Abwechslung muss ja mal sein“, sagt sie. Sonst ist Martina Middendorf mit ihrem Hund auf Spazierwegen rund um ihren Wohnort Wessum unterwegs.

Maira genießt die Spaziergang in Vreden wie ihre Mutter. Und auch Leon strahlt an der Hand seiner Tante Maira und sagt: „Ich gehe gern spazieren!“ Die 16-jährige Maira lacht und sagt: „Als ich noch jünger war, habe ich die Familienspaziergänge manchmal als Pflicht empfunden.“

Jetzt hat sie mit Mila ihren eigenen kleinen Hund und die Freude am Spaziergang entdeckt. „Das ist ja auch zurzeit das einzige, was man noch machen kann“, sagt sie.

Joggingrunde statt Fitnessstudio

Am Berkelsee ist es an diesem Nachmittag kein Problem, sich coronakonform aus dem Weg zu gehen. Einige Solo-Spaziergänger und einige Paare sind unterwegs. Dazu noch ein paar Jogger. Hendrik Brockhuis (27) und Stefan Böing (26) traben entspannt um den See.

Das Fitnessstudio ist geschlossen, die Laufstrecke am Berkelsee ist offen: Stefan Böing und Hendrik Brockhuis joggen in Coronazeiten mehr als zuvor.
Das Fitnessstudio ist geschlossen, die Laufstrecke am Berkelsee ist offen: Stefan Böing und Hendrik Brockhuis joggen in Coronazeiten mehr als zuvor. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

„Ich habe vor einem Jahr mit dem Laufen begonnen“, erzählt Hendrik Brockhuis. Damals war Corona noch kein Thema. Mit guten Vorsätzen zum Beginn des neuen Jahres hatte er sich motiviert.

Jetzt ist das Joggen für die beiden Freunde ein wichtiger Ausgleich geworden. „Das Fitnessstudio ist geschlossen“, sagt Stefan Böing. „Und irgendwie muss man ja in Bewegung bleiben.“

Voller Wanderparkplatz am Schwatten Gatt

Etwa zur gleichen Zeit haben Elke Esseling und Doris Wintershoff Glück, dass sie auf dem Wanderparkplatz am Naturschutzgebiet Schwattet Gatt noch einen freien Platz finden. Überrascht ist Elke Esseling nicht. „Seit wir die Coronapandemie haben, bin ich jeden Tag mit meinem Hund hier. Ich muss einfach raus. Das tut mir gut“, sagt sie. An normalen Werktagen hat sie den Wald oft für sich alleine, aber an den Wochenenden ist der Parkplatz immer voll.

Nicht nur am Schwatten Gatt. Seit Corona haben die Besucherzahlen in den Wäldern einen beispiellosen Boom erlebt, beobachtet Jakob Derks von der Bonner Dependance des „European Forest Institute“ (EFI). Auf den Wegen eines untersuchten Waldgebiets nahe Bonn habe sich die Zahl der Spaziergänger um 240 Prozent gesteigert, stellte das EFI mit Hilfe von Infrarotmessungen fest.

Maske oder Abstand: Die Spaziergängerinnen Doris Wintershoff (l.) und Elke Esseling auf dem Weg zum Schwatten Gatt.
Maske oder Abstand: Die Spaziergängerinnen Doris Wintershoff (l.) und Elke Esseling auf dem Weg zum Schwatten Gatt. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Elke Esseling ist heute mit ihrer Freundin Doris Wintershoff unterwegs. Auch sie ist leidenschaftliche Spaziergängerin. „Mit der Familie gehen wir gerne zum Schwatten Gatt, in den Fürstenbusch oder machen auch Ausflüge in die Baumberge. Dort wandert mein Mann heute mit den Kindern.“

Wenn es zu voll wird, dann trägt Doris Wintershoff auch auf den Wanderwegen eine Atemschutzmaske. „Ich arbeite mit älteren Menschen, da muss ich besonders vorsichtig sein“, sagt sie.

Jetzt aber ist die Zeit an etwas anderes zu denken. Die Vorfreude auf die Runde ums Schwatte Gatt ist den beiden Frauen anzusehen. Elke Esseling atmet die kalte Januarluft tief ein und sagt lachend. „Jetzt geht‘s los: einfach auspowern und etwas für die Ausdauer tun!“ Frische Luft macht fröhlich.

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Stefan Grothues

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