Die Vredener Ratsmitglieder haben Livestreams der Sitzungen abgelehnt, weil sie nicht wollen, dass ihr Äußerungen in sozialen Medien aus dem Zusammenhang gerissen werden. © picture alliance / Tobias Hase/dpa
Meinung

Kommentar: Ratsmitglieder sollten keine Angst vor Öffentlichkeit haben

Die Vredener Ratsmitglieder haben sich deutlich gegen einen Livestream der Sitzungen ausgesprochen. Lesen Sie dazu einen Kommentar von Redakteurin Victoria Garwer.

Wie bitte? Die Vredener Ratsmitglieder wollen keinen Livestream der Sitzungen, weil sie Angst davor haben, dass ihre Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen werden? Ehrlich gesagt: In dieser Diskussion hat der Rat kein gutes Bild abgegeben.

Kritik und Bedenken sind ja durchaus berechtigt. Vielleicht ist die Technik für so ein Projekt wirklich zu teuer, da die Zuschauerzahl wohl tatsächlich überschaubar wäre. Und vielleicht gibt es auch rechtliche Hürden, die das Ganze zu kompliziert machen. Aber all das hätte man doch zumindest prüfen müssen.

Die Argumente dagegen sind eher dürftig. Die Ratsmitglieder wollen nicht, dass Videoausschnitte der Ratssitzungen in den sozialen Netzwerken landen und dort ohne jeden Zusammenhang diskutiert werden. Sie haben Angst vor Shitstorms und Fake-News.

Livestream bringt grenzenlose Transparenz

Dabei bewirkt ein Livestream doch genau das Gegenteil. Jeder kann dort den Zusammenhang sehen. Alles ist öffentlich, ohne Kürzung, Kommentar und subjektive Einflüsse von irgendjemandem. Das Video zeigt genau die Ratssitzung, die stattgefunden hat, mit genau den Äußerungen, die gefallen sind. Dazu müssen die Ratsmitglieder stehen.

Es stimmt schon, sie alle machen diese Arbeit ehrenamtlich. Sie sind keine Berufspolitiker, keine Medienprofis und keine Rhetorik-Experten. Aber sie treffen die wichtigsten Entscheidungen für diese Stadt. Sie entscheiden, was in den Schulen, auf den Sportplätzen, mit den Straßen und Gebäuden in Vreden passiert. Sie haben einen erheblichen Einfluss auf das Leben, die Gesellschaft, die Finanzen – eigentlich auf alles.

Ratsmitglieder sind Personen des öffentlichen Lebens

Für ihre Entscheidungen haben sie meist gute Argumente, die sie in den Ratssitzungen austauschen. Warum also sollen diese nicht ins Internet gelangen? Gute Diskussionen machen die Angelegenheiten für die Bürger verständlicher. Und wenn sich mal ein Ratsmitglied im Ton vergreift, ist es das gute Recht der Bürger, das zu wissen. Schließlich sind es immer noch Politiker, die von den Vredenern gewählt worden sind.

Zwei Dinge noch zum Abschluss. Erstens: Hass im Netz geht gar nicht. Punkt.

Zweitens: Natürlich sollte jeder selbst entscheiden dürfen, was er von sich im Internet preisgibt. Aber als Ratsmitglied ist man nun mal eine Person des öffentlichen Lebens. Wer das nicht möchte, der sollte sich nicht wählen lassen.

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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