Kraftwerk soll in Kulturachse einbezogen werden

Stadt erwirbt Immobilie

Frank Schmehl muss nicht groß hinschauen. Diese Treppenstufen ist er wohl schon tausende Male hinabgestiegen, aus dem Erdgeschoss des äußerlich eher schmucklosen Gebäudes hinunter in das Herz des kleinen Kraftwerks - da, wo die beiden Generatoren stehen.

VREDEN

, 07.10.2016, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kraftwerk soll in Kulturachse einbezogen werden

Besuch im Maschinenraum des Berkelkraftwerks (von links): Dirk Hetrodt, Christian Micheel und Frank Schmehl. Die Stadt Vreden hat das Kraftwerk jetzt mit dem dazu gehörenden rund 1100 Quadratmeter großen Grundstück vom Essener Unternehmen Innogy, der ehemaligen RWE Innogy GmbH, erworben.

Der Vredener hat an diesem Tag Besucher dabei. Zwei davon haben nun von Dienst wegen schon eine Beziehung zum Berkelkraftwerk: Dirk Hetrodt und Christian Micheel arbeiten in der Stadtverwaltung, und die ist ab sofort für eine neue Liegenschaft zuständig: Die Stadt Vreden hat das Berkelkraftwerk gekauft.

Für Frank Schmehl stellt es mehr dar als eine technische Institution. Er kennt es von Kindesbeinen an: Sein Vater Karl trug lange Jahre die Verantwortung für den Betrieb. Der Sohn trat in die Fußstapfen - quasi ehrenamtlich. Denn beruflich ist der Elektroingenieur bei der IT der Feuerwehr in Duisburg tätig.

Kein Museum

Am Berkelkraftwerk aber hängt sein Herz. "Ich bin meist täglich hier und schaue nach dem Rechten", berichtet er. Denn das Berkelkraftwerk ist kein Museum: Es arbeitet immer noch. Es erzeugt mit der Kraft des Wassers durchschnittlich 430 Megawattstunden elektrische Energie pro Jahr - so viel, wie rund 100 Haushalte verbrauchen.

Da braucht es jemanden, der sich kümmert. Zum Beispiel um den Zustand des Rechens, der das Laub und Treibgut aus dem Wasser fischt. Oder um die Steuerung der Wassermenge, die die Turbinen in Bewegung setzt. Schließlich ist das Kraftwerk mit seinem Wehr auch ein Instrument, um Einfluss auf den Fluss selbst zu nehmen. "Wenn hier zu schnell zu viel durchläuft, kann es flussabwärts Probleme geben", berichtet Frank Schmehl. In Situationen wie der Hochwasserlage vor einigen Wochen steht er auch nachts "Gewehr bei Fuß".

Erneuerbare Energien

Unter dem Dach des Berkelkraftwerks verraten die kleinen Schilder auf den großen Schaltschränken, dass von dort sogar einmal an vielen Stellen der Stadt der Strom gesteuert werden konnte. Theoretisch ist die komplette Einrichtung noch betriebsfähig, samt eines grünen Tastentelefons, mit dem einst der kurze Draht zum Kraftwerksbetreiber möglich war. Frank Schmehl hat die Schaltsteuerung an die heutigen Erfordernisse angepasst: für den Fachmann ein Projekt, das ihm Freude gemacht hat.

Dirk Hetrodt und Christian Micheel lassen sich von ihm erklären, wie die Stromerzeugung mit der Technik aus dem Jahr 1947 heute noch gut klappt. Durch den Kauf des Kraftwerks ist die Stadt jetzt selbst ein kleiner Stromproduzent, und das über erneuerbare Energien. Denn auch die Wasserkraft zählt dazu. Aber nicht deswegen hat die Stadt in diese Immobile investiert.

Erste Entwürfe

Andere Gründe waren ausschlaggebend, berichtet Dirk Hetrodt: "Das Kraftwerk liegt direkt am Kult. Es lässt sich ideal in die Kulturachse einbeziehen." Erste Entwürfe hatten schon gezeigt, was möglich wäre - zum Beispiel eine "Berkelterrasse".

Aber das Berkelkraftwerk bietet auch inneres Potenzial. Es könnte als "lebendiges" Industriedenkmal Anschauungsunterricht in Sachen Ökostrom geben oder kulturellen Aktivitäten ein Zuhause - entschieden ist noch nichts. Einiges hängt jetzt auch davon ab, wo die neue Fischtreppe hinkommt. Soll sie an die Berkel, würde das zwangsläufig Konsequenzen für die Stromerzeugung haben: Es stünde viel weniger Wasser zur Verfügung. Sicher scheint, dass das Kraftwerk als solches bestehen bleibt. Seit 1896 wird dort Strom erzeugt - ein geschichtsträchtiger Standort. Frank Schmehl wird sich sicher weiter für seinen Erhalt einsetzen.

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