Notarzt in Vreden: Kreispolitiker wurden über mögliche Alternativen nicht informiert

mlzNotarzt-Standort Vreden

In die Diskussion um den Notarzt in Vreden schaltet sich die Kreispolitik ein. Der Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung lädt jetzt die Klinikleitung zum Gespräch ein.

Vreden

, 17.10.2019, 16:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nun schaltet sich auch die Kreispolitik in die Diskussion um die Zukunft des Notarzt-Standorts in Vreden ein. Jens Steiner (Grüne), Vorsitzender des Kreisausschusses für Sicherheit und Ordnung, hat die Leitung des Klinikums Westmünsterland zu einem Gespräch gebeten, um weitere Fragen zu klären.

Das Gespräch in der kommenden Woche möchte er ausdrücklich mit der Klinikleitung sowie Vertretern aller Fraktionen im Kreistag und Vertretern der Kreisverwaltung führen. Dort soll auch über mögliche Alternativen für die Stadt Vreden gesprochen werden.

In der Einladung, die unserer Redaktion vorliegt, geht er vor allem auf die Sorgen vieler Vredener ein, die einen Rückschritt in der notfallmedizinischen Versorgung befürchten. „Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen und alle denkbaren Lösungsmöglichkeiten sorgfältig prüfen“, schreibt Jens Steiner.

Ausschuss nur über Kündigung, aber nicht über Alternativen informiert

Im Gespräch mit unserer Redaktion wird er konkreter: Auch der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung auf Kreisebene sei lediglich über die Kündigung des Gestellungs-Vertrages zwischen dem Klinikum Westmünsterland und dem Kreis Borken informiert worden. Als Alternative für die Versorgung der Vredener sollte der Notarzt aus Ahaus oder Stadtlohn anrücken.

„Uns wurde es so dargestellt, dass es für Vreden keine Alternative dazu gibt“, erklärt er.

Ausschuss befasste sich nicht mit weiteren Fragen

Mit weiteren Fragen habe sich der Ausschuss dann nicht vertieft beschäftigt. „Wir haben uns auf das verlassen, was Verwaltung und Krankenhaus als Planung vorgestellt haben“, erklärt Jens Steiner. Einen eigenen Tagesordnungspunkt habe es dazu auch, wie berichtet, nicht gegeben.

Von einem Agenturmodell beispielsweise, wie es der Vredener Dr. Hassan Al-Attar am Mittwoch vorgestellt hat, habe der Ausschuss daher schlicht nichts gewusst.

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Auch Jens Steiner ist klar, dass es vor allem im westlichen Bereich von Vreden in Richtung Grenze – etwa in Zwillbrock, Lünten oder Oldenkott – kritisch werden könne, wenn der Notarzt aus Stadtlohn oder Ahaus anrücken müsse.

Planung für Notärzte wird nicht auf gut Glück gemacht

Er macht auch deutlich, dass die Planung für die Notarzt-Versorgung ja nicht auf gut Glück gemacht werde. „Der Kreis macht da ja auch entsprechende Simulationen“, sagt Jens Steiner. Dennoch müsse es das oberste Ziel bleiben, die sichere Versorgung aller Menschen im Kreis Borken sicherzustellen.

An diesem Punkt gibt er sich auch selbstkritisch: „Wir hätten schon früher nachfragen müssen“, räumt er am Donnerstag auf Nachfrage ein. Nicht nur in der Sitzung des Kreisausschusses, sondern auch danach. Die Einladung der Klinikleitung zu einem detaillierteren Gespräch hätte er demnach auch schon vor sechs oder acht Wochen verschicken können und müssen.

Gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung

Er betont aber die gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung auf Kreisebene. „Ich unterstelle dem Kreis nicht, dass wir schlecht informiert werden“, stellt er ausdrücklich fest. Dennoch seien mit Blick auf die öffentliche Diskussion einfach viele Fragen aufgetaucht, die er bisher nicht beantworten könne.

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Die finanzielle Frage dürfe an dieser Stelle – zumindest für den Kreis – keine Rolle spielen: Der gesamte Rettungsdienst wird über Gebühren finanziert.

Noch ein Blick auf die Zahlen: Der Notarztdienst im ganzen Kreis Borken hat im vergangenen Jahr rund 1,55 Millionen Euro gekostet. 2018 sind die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) kreisweit 6581 Mal ausgerückt. Im Vergleich zu 2016 ein deutlicher Rückgang. Damals waren es noch 7892 Einsätze.

Den Rückgang in den Einsatzzahlen führt der Kreis unter anderem auf die höher qualifizierten Notfallsanitäter zurück. Durch ihren Einsatz könne in verschiedenen Fällen auf den Notarzt vor Ort verzichtet werden. Nach standardisierten Verfahren können sie unterschiedliche medizinische Tätigkeiten ausführen. Einen Notarzt können sie jedoch auf keinen Fall ersetzen.

Tele-Notarzt bleibt vorläufig noch Zukunftsmusik

Parallel zu den Veränderungen in Vreden wurden auf Kreisebene auch Planungen für den sogenannten „Tele-Notarzt“ vorgestellt. Notärzte könnten sich per Videoverbindung zu Notfällen dazuschalten, ohne selbst vor Ort zu sein. Dr. Elisabeth Schwenzow, Dezernentin für Sicherheit und Ordnung der Kreisverwaltung, hatte diese Planung im Kreisausschuss vorgestellt.

Diesen Vorstoß sieht Jens Steiner im Moment noch sehr kritisch: „An und für sich eine schöne Idee, das wird aber auf absehbare Zeit noch nicht praktikabel umsetzbar sein“, sagt er. Allein die Mobilfunkabdeckung reiche da längst noch nicht aus. „Bis wir ein flächendeckendes 5G-Netz haben, brauchen wir darüber eigentlich gar nicht zu sprechen“, so Steiner.

Kreisverwaltung sagt Gespräch für Freitag kurzfristig ab

Ein für Freitag anberaumtes Gespräch zwischen unserer Redaktion und dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Borken sowie Vertretern der Kreisverwaltung hat der Kreis Borken am Donnerstagnachmittag abgesagt.

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„Bei uns werden noch weitere Gespräche geführt“, erklärt Kreispressesprecher Karlheinz Gördes dazu. Inhaltlich könne er nicht mehr sagen. Auch einen neuen Termin für das Gespräch nannte er am Donnerstag nicht. Der Kreis werde die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren, so Karlheinz Gördes.

Für Jens Steiner scheint klar: „Die Planung ist nicht so in Stein gemeißelt, wie sie uns vorgestellt wurde.“

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