Josef Herick nimmt eine Probe aus dem Fließgewässer. © privat
Nitratgehalt

Landwirte lassen Berkel beproben: So viel Nitrat ist im Wasser

Vredener Landwirte schicken Fließwasserproben ein, um die Nitratwerte zu kontrollieren. Mit einem Ergebnis, das zwar die Landwirte nicht überrascht, aber vielleicht viele andere.

Man und sieht es in allerlei Medien und zwar nicht erst seit ein paar Wochen oder Monaten: Die Nitratwerte im Wasser sind zu hoch. So sagt man. Aber ist das tatsächlich so? Und wenn ja, ist das überall so? Vredener Landwirte haben Proben eingeschickt und etwas festgestellt.

Insgesamt drei Proben haben Josef Herick und seine Frau Wilma zur LUFA nach Münster geschickt. Die LUFA ist das Labor für Agrar- und Umweltanalytik der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen. Bei den Proben handelt es sich um Fließwasserproben aus der Berkel.

Mehrere Landwirte sammelten Proben

„Wir haben das einfach gemacht, weil immer mal wieder gesagt wird, dass zu viel Nitrat in der Berkel ist“, erklärt Josef Herick im Gespräch mit der Redaktion. Die Proben wurden entgegen der Fließrichtung entnommen: in Oldenkott, am Schulcampus im Vredener Stadtgebiet und an der Kleinemast. Diese Proben gingen direkt an die LUFA.

Aber dabei sollte es nicht bleiben. Josef und Wilma Herick beschäftigen sich schon lange mit dem Thema Nitratbelastung im Fließwasser. Damit man aussagekräftige Ergebnisse hat, bat Josef Herick andere Landwirte aus der Gegend in der WhatsApp-Gruppe des Ortsvereins um die Ergebnisse ihrer Fließwasserproben. Mit einem Ergebnis, das zwar die Landwirte nicht überrascht, aber vielleicht viele andere.

„Nitratbelastung unter dem Grenzwert“

Für die Nitratbelastung im Wasser gilt ein Grenzwert, der nicht überschritten werden sollte. Er liegt bei 50 Milligramm pro Liter Wasser. Falls er doch überschritten wird, werden die ausgewiesenen Wassergebiete als rote Grundwasserkörper eingestuft. Bei einer Überschreitung des Grenzwertes kann das Wasser gesundheitsschädlich sein. Bleibt der Wert unter 50 Milligramm pro Liter, dann bleibt die Einstufung des Wassergebiets als grüner Grundwasserkörper und das Wasser ist unbedenklich.

In Vreden gibt es zwei Grundwasserkörper. Bis zum vergangenen Jahr sei einer davon als roter Grundwasserkörper eingestuft gewesen. Und dafür hat Josef Herick auch eine Erklärung: „Das war in Zwillbrock, die Messstelle war direkt an einer Futterstelle auf der Weide, wo die Rinder beim Fressen stehen und dann auch abkoten und dadurch an der Stelle eine hohe Nitratbelastung entsteht“, so der Landwirt. Jetzt sei die Futterstelle verlegt worden und der Nitratgrenzwert liegt wieder unter 50 Milligramm pro Liter.

Höchstwert lag bei 44 Milligramm pro Liter

Seit der Novellierung der Düngeverordnung dürfen Landwirte in Wassergebieten mit rotem Grundwasserkörper nur noch 20 Prozent weniger Gülle ausbringen. Das bedeutet allerdings auch 20 Prozent unter Bedarf. In ganz Vreden gibt es nur noch grüne Grundwasserkörper und alle Werte, die von anderen Landwirten an Josef Herick geschickt wurden, liegen unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter.

Josef Herick nimmt die Nitratwertkontrolle im Fließwasser ernst.
Josef Herick nimmt die Nitratwertkontrolle im Fließwasser ernst. © privat © privat

Die Werte liegen der Redaktion vor. Die Werte von Josef Herick liegen weit unter dem Grenzwert. Auch die Werte anderer landwirtschaftlicher Betriebe sind alle unter dem Grenzwert. Insgesamt stechen drei Werte heraus, die höher sind als andere, aber trotzdem noch unter dem Grenzwert. Der Höchstwert lag bei 44 Milligramm pro Liter Wasser.

„Das ist unsere Aufgabe als Landwirt“

„Unsere Wasserpumpe hängt in einer Tiefe von 20 Meter im Bohrloch“, erklärt der Landwirt im Gespräch. „Je höher man misst, desto höher können auch die Werte ausfallen.“ Josef und Wilma Herick glauben fest daran, dass die allermeisten Gewässer, was den Nitratgehalt angeht in Ordnung sind. „Das müssen sie auch sein, das ist ja auch eine unsere Aufgabe als Landwirt“, sagt Josef Herick.

Zwar gebe es immer negative Ausnahmen, „aber die Leute sollen doch wissen, dass das meiste Wasser sauber (nicht übermäßig mit Nitrat belastet) ist.“ Oft höre man Gegenteiliges in den Medien, das war der ausschlaggebende Punkt für Familie Herick selbst Proben zu nehmen, „und um zu zeigen, wie es wirklich ist“, sagt Wilma Herick.

Lebensgrundlage Boden

Eine weitere Probe ist bereits bei der LUFA und wird ebenfalls auf Nitrat untersucht, um festzustellen inwieweit sich der Nitratgehalt nach der Havarie in Stadtlohn-Wendfeld verändert hat. In Stadtlohn sei Gülle in den Moorbach gelaufen. Der Moorbach mündet in den Ölbach, der wiederum mündet in die Berkel. Um das Wasser aus dem Ölbach auch wirklich mitzukriegen hat Josef Herick die Probe in Wennewick/Oldenkott gezogen, bevor das Wasser die BRD verlässt, und für immer unauffindbar in die Tiefen Niederlande verschwindet.

Eine Arbeit, die Landwirte zur Selbstkontrolle und zur Kontrolle ihres Bodens machen. Denn dieser ist ihre Lebensgrundlage und diesen wollen sie auch möglichst unbelastet an die nächste Generation weitergegeben.

Natürlich müsse man immer differenzieren, das gelte sowohl für Medien, als auch für Verbraucher und auch für Landwirte. Nicht alle Werte sind einwandfrei, aber eben viele. „Wir Landwirte arbeiten seit Jahren daran, dass der Nitratwert weiter runter geht und das haben wir geschafft. Das muss dann auch gewürdigt werden“, sind sich Josef und Wilma Herick einig.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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